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12.05.2015

10:32 Uhr

Kita-Streik

Verdi ist zu Gesprächen bereit

Der unbefristete Kita-Streik könnte binnen Tagesfrist ausgesetzt werden. Das stellt die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Aussicht. Bedingung seien allerdings „echte Angebote“ der kommunalen Arbeitgeber.

Erzieherinnen und Sozialarbeiter kommunaler Kindertagesstätten haben die Arbeit niedergelegt. Der Streik geht am Dienstag in seinen dritten Tag. dpa

Erzieherinnen im Streik

Erzieherinnen und Sozialarbeiter kommunaler Kindertagesstätten haben die Arbeit niedergelegt. Der Streik geht am Dienstag in seinen dritten Tag.

BerlinDie Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat sich unter bestimmten Voraussetzungen zur Wiederaufnahme der Gespräche im Sozial- und Erziehungsdienst bereiterklärt. Bislang habe die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) lediglich unverbindliche Vorschläge gemacht, die im Laufe der Verhandlungen wieder vom Tisch genommen werden könnten und sich zudem nur auf einige wenige Berufsgruppen bezögen, sagte Verdi-Sprecher Christoph Schmitz der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstag).

„Wenn die VKA ein echtes Angebot macht, könnten die unbefristeten Streiks binnen Tagesfrist ausgesetzt werden.“ Der bundesweite unbefristete Streik der Erzieherinnen und Sozialarbeiter geht an diesem Dienstag in seinen dritten Tag. Ein Ende ist bislang nicht abzusehen.

Fragen und Antworten zum Kita-Streik

Worum geht es bei der Tarifauseinandersetzung?

Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber verhandeln nicht über eine prozentuale Tariferhöhung. Es geht darum, wie die Arbeit von Erzieherinnen und Sozialarbeitern bewertet und bezahlt wird. Die Gewerkschaften wollen durchsetzen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst mehrere Tarifstufen höher eingruppiert werden. Nach ihren Angaben hätte dies im Durchschnitt eine Gehaltserhöhung um zehn Prozent zur Folge.

Für wen wird verhandelt?

Die Verhandlungen laufen nur für die bei den Kommunen beschäftigten Erzieher. Das ist laut Verdi etwa ein Drittel - zwei Drittel arbeiten für freie Träger wie Kirchen oder die Arbeiterwohlfahrt. Bei den freien Trägern orientieren sich die Arbeitgeber der Gewerkschaft zufolge am Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst, allerdings häufig mit Eingruppierungen unterhalb des Niveaus bei den Kommunen.

Wie begründen die Gewerkschaften ihre Forderung?

Mit dem Ausbau der frühkindlichen Bildung seien die Anforderungen an die Erzieherinnen stark gestiegen, betont Verdi. Eine entsprechende Bezahlung sei aber ausgeblieben. Auch die Bertelsmann Stiftung streicht die gewachsenen Ansprüche an Erzieherinnen heraus. „Das Anforderungsprofil entspricht dem von Grundschullehrern“, sagt Anette Stein, die bei der Stiftung Direktorin des Programms Bildungsinvestitionen ist. Die Bezahlung bleibe aber „deutlich“ hinter der von Grundschullehrern zurück.

Wie werden Erzieherinnen bezahlt?

Die Einstufung im Tarifsystem erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Eine Kinderpflegerin erhält als Anfangsgehalt 2043 Euro brutto im Monat, die Leiterin einer Kita kann, bei besonders großen Einrichtungen, bis zu 4749 Euro im Monat verdienen. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit bekommt nach Angaben von Verdi derzeit 2946 Euro im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3387 Euro erhalten.

Was sagen die Arbeitgeber?

Die meisten Erzieherinnen seien bereits jetzt in die höchste Erfahrungsstufe eingruppiert und hätten damit ein Monatsgehalt von 3289 Euro. Die kommunalen Arbeitgeber vergleichen die Bezahlung der Erzieherinnen mit der von Handwerkern im öffentlichen Dienst oder Brandmeistern bei der Feuerwehr. Das Einkommen des Ausbildungsberufs Erzieherin liege oberhalb dieser Gruppen.

Und die Erzieherinnen?

Viele Kita-Beschäftigte haben in einer aktuellen Befragung eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung beklagt. Das Vorurteil „wir spielen, basteln und betreuen die Kinder nur“ sei noch weit verbreitet. In einer beim Kitaleiter-Kongress am Mittwoch in Dortmund vorgestellten repräsentativen Umfrage gaben fast 88 Prozent der Befragten an, ihre Bezahlung entspreche nicht den gestiegenen Anforderungen an ihre Arbeit.

Tausende Kitas waren nach Gewerkschaftsangaben am Montag geschlossen geblieben, weil 40 000 Beschäftigte sich am Arbeitskampf beteiligt hatten. Zehntausende Familien mussten ihre Kinder anderswo unterbringen. Die Arbeitgeber halten die Forderung nach einer besseren Eingruppierung der Erzieher für nicht bezahlbar.

Von

dpa

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