Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2015

17:38 Uhr

Kita-Tarifkonflikt

Nach den Ferien ist vor dem Streik

Die Gewerkschaftsbasis hat sich gegen den Schlichterspruch im Kita-Tarifkonflikt ausgesprochen. Doch die Arbeitgeber wollen keine weiteren Zugeständnisse machen. Eltern droht einer neuer, unkontrollierbarer Streik.

Am Donnerstag wollen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber wieder zu Tarifverhandlungen zusammensetzen. dpa

Erzieherinnen demonstrieren in Hamburg

Am Donnerstag wollen sich Gewerkschaften und Arbeitgeber wieder zu Tarifverhandlungen zusammensetzen.

BerlinNach den Kita-Dauerstreiks vor den Sommerferien drohen Eltern möglicherweise im Oktober weitere Zumutungen. Im Falle erneuter Streiks setzt Verdi-Chef Frank Bsirske auf unberechenbarere, und noch „spürbar einschneidendere Streikformen“. Das kündigte der Gewerkschaftschef am Montag in Düsseldorf an. Falls es dazu komme, würden die Streiks voraussichtlich in der zweiten Oktoberhälfte fortgesetzt, sagte Bsirske. „Aber nicht einfach mit Dauerstreiks.“ Wenn die Arbeitgeber nicht einlenkten, müsse es „mehr Stress“ geben.

„Ich glaube, wir werden den Eltern Gelegenheit geben können, sich auf veränderte Öffnungszeiten einzustellen“, sagte Bsirske. „Die Varianz der Öffnungszeiten“ könnte sich aber ändern. Nähere Erläuterungen wollte er dazu nicht geben.

Knapp 70 Prozent der betroffenen Verdi-Mitglieder hatten in einer Befragung den Schlichterspruch von Ende Juni abgelehnt. Die Gewerkschaften hatten eine Aufwertung der Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst durch bessere Eingruppierungen gefordert - im Schnitt etwa 10 Prozent Plus.

Schlichtung gescheitert

Verdi-Chef: „In der ersten Oktoberhälfte beginnen die Streiks“

Schlichtung gescheitert: Verdi-Chef: „In der ersten Oktoberhälfte beginnen die Streiks“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

An diesem Dienstag will die Bundestarifkommission in Frankfurt über das weitere Vorgehen entscheiden. Am Donnerstag werden die Verhandlungen mit den Arbeitgebern in Offenbach fortgesetzt.

Wenn sich die Arbeitgeber dort nicht bewegten, sei ein erneuter Arbeitskampf unausweichlich, bekräftigte Bsirske. Die nötigen Stellschrauben dazu seien vorhanden. Die Gewerkschaft habe ihre Forderungen nicht überdimensioniert, meinte er. Die Mitglieder hielten den Schlichterspruch aber nicht für ausreichend, um darin eine Aufwertung ihrer Arbeit erkennen zu können.

Ein Hindernis für eine Zustimmung sei die vorgesehene Laufzeit des Tarifvertrags bis 2020 gewesen, sagte Bsirske. Für die Mehrheit der teilzeitbeschäftigten Erzieher in den Kitas wäre laut Schlichterergebnis nur ein Plus von 30 Euro brutto im Monat herausgekommen, kritisierte er. „Viele Sozialarbeiter wären praktisch leer ausgegangen.“ Nicht akzeptabel sei zudem die Weigerung, Dienstjahre bei anderen Arbeitgebern - etwa beim Wechsel vom Wohlfahrtsverband in eine Erzieherstelle - bei der Eingruppierung zu berücksichtigen.

Mit der Ablehnung des Schlichterspruchs habe die Basis „ein beispiellos eindeutiges Signal“ gegeben, sagte Bsirske. Die Botschaft an die Arbeitgeber, aber auch an die Eltern sei, dass die Gewerkschaftsmitglieder nun zuallererst an sich selbst denken. Dies sei auch mit Blick auf ihre mageren Renten unabdingbar.

Kommentar zum Kita-Streik: Arbeit am Menschen aufwerten – auch bei der Bezahlung

Kommentar zum Kita-Streik

Arbeit am Menschen aufwerten – auch bei der Bezahlung

Die gute Nachricht für die Eltern: Die Streiks in den Kitas enden. Die schlechte: Niemand weiß, ob sie nicht wieder aufgenommen werden. Denn inhaltlich sind sich Gewerkschaften und Arbeitgeber keinen Deut näher gekommen.

Bsirske räumte ein, dass die Gewerkschaftsvertreter bei den Schlichtungsgesprächen der Empfehlung mit großer Mehrheit zugestimmt hatten. „Wir haben das Ergebnis für abschlussfähiger gehalten, als es das dann tatsächlich war“, sagte er.

Obwohl Verdi in diesem Jahr bei vier verschiedenen Tarifkämpfen insgesamt schon 1,5 Millionen Streiktage finanziert habe, sei die Kasse gut gefüllt und reiche „noch für ganz andere Auseinandersetzungen“, sagte Bsirske. Spekulationen, er wolle mit gehäuften Streiks seine Wiederwahl sichern, wies er als „völlig absurd“ zurück.

Von

dpa

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Günther Schemutat

10.08.2015, 12:09 Uhr

Wir sind ein reiches Land. Deutsche Politiker ständig im Spamchor.

Gut man muss sehen , wir haben die DDR 3 nicht mal mehr zwei. Die Strassen wurden angepasst mit Riesenlöchern. Die Stasi 3.0 arbeitet mit den USA,England gegen uns. Ohne Computer hätten wir Hundertausende Spitzel auf unseren Strassen.

Aber die Kindergärten waren doch damals echt gut . Oder etwa nicht?

Also zahlt SPA und Erzieherinnen endlich ein ehrliches Gehalt und denkt vorher
an eure Diäten wo immer alle Ärmchen schnell hochfliegen als Zustimmung.

Wir sind ein so reiches Land mit armseligen Politikern.

Herr Old Harold

10.08.2015, 14:11 Uhr


Das Verhalten der Kommunen ist völlig unverständlich.

Diese sollten die kompletten Kosten, die für einen Kita-Platz entstehen, allein auf die Nutzer verteilen, wie es im Wirtschaftsleben üblich ist. Dann könnte jede Lohnforderung durchgewinkt und 1:1 auf die Nutzer umgelegt werden.

Die Wirtschaftsunternehmen müssten betriebliche Kitas schaffen, oder sich dafür zu Zweckgemeinschaften zusammenschließen, um keine Mitarbeiter zu verlieren.

Alleinerziehende würden mehr Sorgfalt auf ihre Partnerwahl verwenden und die Scheidungsraten auf ein vernünftiges Mass zurückgehen.

Herr Wolfgang Trantow

11.08.2015, 18:00 Uhr

Wieso haben unsere Kommunen kein Geld für die Erzieher = unsere Zukunft? Für jeden "Flüchtling", Asylanten, Migranten , kriminelle faule Sozialschmarotzer haben wir Geld im Überfluß. Wir zahlen für jeden der hierher kommt deutsche Soziallleistungen, auch wenn Sie abgeschoben werden sollen. Dies machen wir auch nicht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×