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16.03.2006

11:37 Uhr

Klagen abgewiesen

Grünes Licht für Berliner Großflughafen

Der Flughafen Berlin-Schönefeld kann zum Großflughafen Berlin-Brandenburg International ausgebaut werden. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig gab heute grünes Licht, verschärfte allerdings die Auflagen.

Simulation des geplanten Großflughafens Berlin-Brandenburg. Baubeginn soll Sommer dieses Jahres sein. Quelle: Berliner Flughäfen

Simulation des geplanten Großflughafens Berlin-Brandenburg. Baubeginn soll Sommer dieses Jahres sein. Quelle: Berliner Flughäfen

HB BERLIN. Das Gericht wies die Klagen von Anwohnern und Kommunen in wesentlichen Punkten zurück, verhängte allerdings zusätzliche Auflagen zu Lärmschutz, Nachtflügen und Entschädigungszahlungen. Mehr als 4000 Anwohner hatten gegen den Großflughafen geklagt und einen Standort weiter außerhalb Berlins gefordert.

Duch die Entscheidung der Richter kann fast 15 Jahre nach den ersten Planungen das fast zwei Milliarden Euro teure Großprojekt im Südosten der Hauptstadt realisiert werden. Die Arbeiten am ehemaligen DDR-Zentralflughafen Berlin-Schönefeld werden voraussichtlich im Sommer dieses Jahres beginnen. Mit der Fertigstellung wird bis 2011 gerechnet. Es entseht der drittgrößte deutsche Flughafen mit einer Kapazität von zunächst 22 Millionen Fluggästen im Jahr.

Mit den verschärften Auflagen in puncto Lärmschutz und Nachtbetrieb hatte man in Kreisen der Berliner Flughäfen bereits vor dem Urteil gerechnet und die Überzeugung geäußert, dass das Projekt durch diese Einschränkungen nicht gefährdet würde. Der Bau kann dem Urteil zufolge panmäßig beginnen, wenn zusätzliche Maßnahmen für den Lärmschutz erfolgten - und zwar vor allem „in Gestalt eines weitgehenden Nachtflugverbots in der Kernzeit von 0.00 und 05.00 Uhr“, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Paetow. Damit werden vor allem Frachttransporte, die bislang im Luftverkehr häufig nachts stattfinden, aber auch späte Rückflüge aus Urlaubsregionen oder anderen Kontinenten beeinträchtigt.

Das Leipziger Urteil kann nicht mehr angefochten werden. Der brandenburgische Ministerpräsident und SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck reagierte mit Erleichterung. "Dass ich mich freue, das können sie sich ja vorstellen", sagte er im baden-württembergischen Esslingen. Von der Entscheidung habe immerhin die Schaffung von 30 000 bis 40 000 Arbeitsplätzen abgehangen.

Bilder: So soll Berlin-Brandenburg International aussehen

Ursprünglich sollte der Airport Berlin Brandenburg International bereits 2004 als internationales Luftkreuz für 60 Millionen Passagiere pro Jahr in Betrieb gehen. Mehr als zehn Jahre aber wurde das Milliardenprojekt von Pannen und Protesten blockiert. Auch die großen Pläne waren im Laufe der Zeit geschrumpft. Entstehen soll nun ein neues Abfertigungsgebäude, eine zweite Start- und Landebahn soll angelegt und die bestehende verlängert werden. Außerdem ist ein unterirdischer ICE-Bahnhof vorgesehen.

Die Chancen für einen großen Flughafen in der Hauptstadt werden von Experten unterschiedlich beurteilt. Berlin verfügt über wenige große Wirtschaftsunternehmen und ein eher dünn besiedeltes Umland und damit über ein wesentlich geringeres Passagierpotenzial als die Flughäfen Frankfurt (52 Millionen Fluggäste) oder München (28 Millionen Fluggäste). In diesem Jahr wird auf den drei Berliner Flughäfen Tegel, Tempelhof und Schönefeld mit einem Anstieg um vier Prozent auf 18 Millionen Fluggäste gerechnet.

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