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23.05.2012

16:22 Uhr

Klagen aus der Wirtschaft

Fachkräftemangel weitet sich dramatisch aus

Über 200.000 Ingenieure und Techniker fehlen in deutschen Unternehmen. Und die Lücke wird sich nach Ansicht von Forschern in den kommenden Jahren noch vergrößern. Das behindert auch das Wirtschaftswachstum.

Die Fachkräfte-Lücke soll sich im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich noch ausweiten. dpa

Die Fachkräfte-Lücke soll sich im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich noch ausweiten.

BerlinDer Fachkräftemangel in Deutschland nimmt ungeahnte Ausmaße an. Den deutschen Unternehmen fehlen 210.000 Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschafter und Techniker, wie Arbeitgeber und Industrie am Mittwoch in Berlin mitteilten. Die Zahl markiert einen Rekord. Mitte vorigen Jahres hatten die Verbände BDA und BDI die Lücke im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich - kurz MINT genannt - auf 150.000 taxiert. Besonders Ingenieure werden händeringend gesucht: Im April blieben mehr als 92.000 Stellen unbesetzt.

"Aktuell ist der Arbeitsmarkt in den MINT-Berufen deutlich angespannter als während der letzten konjunkturellen Hochphase im Jahr 2008", sagte IW-Direktor Michael Hüther, dessen Institut das Fachkräfteproblem halbjährlich in einem Gutachten unter die Lupe nimmt. Die Personalengpässe verringern nach Einschätzung des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) die Wertschöpfung in den betroffenen Firmen und senken so das gesamtwirtschaftliche Wachstum.

Die deutsche Wirtschaft biete auf dem Weltmarkt derzeit zwar sehr erfolgreich "Problemlösungsmöglichkeiten" an. In dem rohstoffarmen Land seien jedoch Innovationen die "elementare Triebfeder für Wachstum". Ingenieure und Techniker seien daher unverzichtbar: "Im Kern des Geschäftsmodells des Industrielands Deutschland steht die Kompetenz MINT", betonte Hüther.

Die Fachkräfte-Lücke wird sich nach Ansicht der Forscher in den nächsten Jahren noch ausweiten. Einerseits steigt voraussichtlich der Bedarf im Zuge der technologischen Revolution - Stichwort Elektromobilität, Energiewende und IT-Ausbau. Andererseits kommt die Wirtschaft durch die demografische Entwicklung bei der Rekrutierung von Fachleuten in die Bredouille: "Die Bevölkerung altert und schrumpft. Dieser Prozess läuft in Zeiten steigenden Fachkräftebedarfs gegen uns", warnte Hüther.

2010 absolvierten knapp 100.000 angehende Akademiker ein MINT-Erststudium an deutschen Hochschulen: "Das ist ein gutes Signal, aber noch zu wenig", so der IW-Direktor. Obwohl die steigende Erstsemesterzahl in MINT-Fächern zu einer weiteren Zunahme der Absolventenzahlen führen dürfte, werde dies nicht ausreichen, die MINT-Lücke zu schließen. Dies auch, weil zu viele Bachelor-Studenten das Handtuch werfen: Nach Informationen des Industrieverbands BDA brechen in Elektrotechnik und Maschinenbau mehr als die Hälfte der Studenten ihr Bachelor-Studium ab.

Die durchschnittliche Abbrecher- und Wechselquote ist im MINT-Bereich allerdings insgesamt auf rund 26 Prozent gesunken. Sie lag 2008 noch bei fast 36 Prozent. "Das haben wir aber ausschließlich den praxisorientierten Fachhochschulen zu verdanken", sagte Thomas Sattelberger, Vorsitzender der von BDA und BDI getragenen Initiative "MINT Zukunft schaffen."

Von

rtr

Kommentare (20)

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Eurotiker

23.05.2012, 16:31 Uhr

Es gibt keinen Fachkräftemangel. Was es allerdings gibt ist ein Mangel an Fachkräften, welche nicht mehr für Dumping oder Leiharbeiterlöhne arbeiten wollen. Eine anständige Bezahlung vorausgesetzt und wir können uns vor Fachkräften aus dem In- und Ausland nicht mehr retten.

Thomas-Melber-Stuttgart

23.05.2012, 16:32 Uhr

Tja, Angebot und Nachfrage - steigen jetzt die Preise?

Account gelöscht!

23.05.2012, 16:55 Uhr

Solange die großen Firmen nicht über den direkten Bedarf hinaus Facharbeiter ausbilden,
solange diese Firmen Facharbeiter und Ingenieure in großer Zahl über Jahre hinweg nur in Zeit- oder Leiharbeitsverhältnissen beschäftigen,

solange gibt es keinen Fachkräftemangel.

In einer funktionierenden Marktwirtschaft sind knappe Güter teuer. Die Lohndrückerei zeigt, dass Fachkräfte nicht knapp sind.
Oder könnte es sein, dass die Firmen sich einig sind und die Preise drücken?
Dann ist das ein Fall für die Kartellaufsichtsbehörde und den Staatsanwalt!

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