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14.02.2011

10:27 Uhr

Klaus Regling

Ohne Notenbankerfahrung an die EZB-Spitze

VonRuth Berschens

Der dritte EZB-Präsident könnte ein Mann ohne Notenbank-Erfahrung werden: Klaus Regling hat im Laufe seiner Karriere fast jede Position der Finanzwelt bekleidet – mit einer Ausnahme: In einer Zentralbank arbeitete der 60-Jährige noch nie.

Klaus Regling gilt als Favorit für die Trichet-Nachfolge an der Spitze der EZB. Quelle: dpa

Klaus Regling gilt als Favorit für die Trichet-Nachfolge an der Spitze der EZB.

An der Spitze der europäischen  Notenbank muss ein europäischer Notenbanker stehen. Diese Regel galt seit Gründung der Europäischen Währungsunion im Jahr 1999 als unantastbar. Die beiden ersten Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet, waren vor ihrem Wechsel nach Frankfurt selbstverständlich Chef ihrer nationalen Zentralbank gewesen.

Doch Regeln sind bekanntlich da, um gebrochen zu werden. Der dritte EZB-Präsident könnte ein Mann ohne Notenbank-Erfahrung werden: Klaus Regling hat im Laufe seiner Karriere fast alles gemacht in der internationalen Finanzwelt – mit einer Ausnahme: In einer Zentralbank arbeitete der 60-Jährige noch nie.

Trotzdem gilt der deutsche Spitzenbeamte neuerdings als Bestplatzierter im Rennen um die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. „Seine bisherige Erfahrung befähigt ihn durchaus für das Amt“, sagt ein hochrangiger EU-Diplomat. Und, was fast noch wichtiger ist: „Er genießt das Vertrauen der deutschen Regierung.“

So könnte sich denn auch vor allem der zweite Punkt am Ende als entscheidender Vorteil für Regling erweisen. Denn Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren Anspruch auf das Amt des EZB-Chefs nach dem Rückzug von Axel Weber keineswegs aufgegeben. Auch Frankreich habe nichts dagegen, dass künftig ein Deutscher die Notenbank führe, heißt es in Brüssel. Viele halten es dort für plausibel, dass Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy längst ein wohlwollendes Auge auf Regling geworfen haben.

Denn der deutsche Spitzenbeamte macht als Chef des Luxemburger Euro-Rettungsfonds European Financial Stability Facility (EFSF) eine blendende Figur. In einem halben Jahr schaffte er es, dem EFSF eine hervorragende Reputation an den Finanzmärkten zu verschaffen. Im Januar sammelte der EFSF erstmals Kapital bei den internationalen Investoren ein – mit gewaltigem Erfolg. Die EFSF-Anleihe war neunfach überzeichnet. Das ist selbst bei Bonds mit der Spitzennote Triple A eine Seltenheit. Zuvor war Regling in der ganzen Welt auf Road-Show, um bei institutionellen Anlegern für seinen neuen Fonds zu werben. „Er hat bei null angefangen. Die EFSF-Konstruktion war an den Märkten ja vollkommen unbekannt“, heißt es in Brüssel. Diese Leistung wird in der Europahauptstadt von vielen bewundert. Regling habe es geschafft, verloren gegangenes Vertrauen in die europäische Gemeinschaftswährung bei den Anlegern zurückzugewinnen.

Und das war nicht das erste Mal, dass Regling dem Euro einen Dienst erwies. Als Ministerialbeamter der Regierung Helmut Kohls arbeitete er Anfang der 1990er-Jahre maßgeblich am Europäischen Stabilitätspakt mit.

Ein Jahrzehnt später war er als Generaldirektor für Wirtschaft und Finanzen in der EU-Kommission dafür zuständig, ebendiesen Pakt durchzusetzen. Regling trieb 2004 die Strafverfahren gegen Deutschland und Frankreich voran, als die beiden größten Mitgliedstaaten der Euro-Zone ihre Haushaltsdefizite aus dem Ruder laufen ließen – und machte sich damit ziemlich unbeliebt in Berlin und Paris.

Den totalen Zusammenstoß riskierte Regling damals allerdings nicht. Stattdessen setzte er sich für eine Reform des Stabilitätspaktes ein – und ersparte Deutschland und Frankreich damit demütigende Geldbußen –, was in den beiden Hauptstädten in guter Erinnerung geblieben sein dürfte. In dieser Zeit knüpfte Regling Kontakte, die ihm heute sehr nützlich werden könnten, etwa zu Xavier Musca, heute ökonomischer Chefberater Sarkozys.

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