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19.03.2004

07:15 Uhr

Klaus-Uwe Benneter - der große Unbekannte

Der Mann mit den zwei Positionen

VonMaximilian Steinbeis (Handelsblatt)

Wer ist Klaus-Uwe Benneter? „Ich kenne ihn fast überhaupt nicht“, sagt ein Mitglied der SPD-Spitze aus Hessen. In Sachsen haben ihn die Genossen jüngst bei seinem ersten Parteiauftritt als designierter Generalsekretär erleben können. „Natürlich hat er noch Steigerungsmöglichkeiten“, formuliert ein Präsidiumsmitglied vorsichtig.

BERLIN. Wolfgang Jüttner, Landesparteichef in Niedersachsen, kennt ihn zwar, seit er 1977 gegen ihn im Kampf um den Juso-Vorsitz unterlag. Aber auch er räumt ein, dass den meisten Delegierten beim SPD-Sonderparteitag am Sonntag Benneter vollkommen unbekannt ist. Aber: „Wenn der Parteivorsitzende einen Vorschlag macht, dann gilt das Prinzip des Vertrauensvorschusses“, sagt Jüttner. Und wenn etwas von Benneter bekannt ist, dann das, dass er Schröders Vertrauen, vielleicht sogar seine Freundschaft genießt.

Am Sonntag wird er, wenn nichts Unerwartetes passiert, zum neuen Generalsekretär der SPD gewählt. Er soll der leidgeprüften Partei den Siegeswillen zurückgeben und sie gleichzeitig mit harter Hand auf Reformkurs halten. Selbst Insider waren überrascht, als Gerhard Schröder und Franz Müntefering im Februar den 57-jährigen Rechtsanwalt aus dem Hut zauberten. Auch weil eine besondere Nähe zwischen dem designierten Parteichef Müntefering und dem designierten Generalsekretär Benneter bislang noch nicht erkennbar war.

Erstmals aufgefallen war er als Juso-Vorsitzender 1977. Er forderte den Schulterschluss mit dem Kommunismus, das Ende des „Staatsmonopolkapitalismus“ und der sozial-liberalen Regierung obendrein, bis ihn der damalige Bundesgeschäftsführer Egon Bahr aus der Partei warf. 1983 holte ihn Schröder zurück zur SPD, und er fiel fortan nicht mehr auf. In den 90er-Jahren ging er in die Berliner Kommunal- und Landespolitik. Bei der Bundestagswahl 2002 eroberte er für die SPD den feinen Wahlbezirk Steglitz-Zehlendorf.

Den jugendlichen Revoluzzer hat Benneter hinter sich gelassen, er steht zu Schröders Reformkurs und soll die Partei von innen einen. In der SPD-Bundestagsfraktion gehört er zwar zur Parlamentarischen Linken, aber der scheidende Sprecher des konservativen „Seeheimer Kreises“, Reinhold Robbe, würdigte ihn vor kurzem mit dem halb scherzhaft gemeinten Ausruf: „Eigentlich ist er Seeheimer.“

Was Benneter wirklich will, wird auch durch einen Blick auf seine Webseite nicht klarer: Unter der Rubrik „Positionen“ finden sich genau zwei Einträge: eine Broschüre mit dem Titel „Benneter, der kann das“ und der Beschluss des SPD-Parteitags vom Juli 2003 zur Agenda 2010.

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