Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2013

15:29 Uhr

Klimakonferenz

Altmaier sagt weitere Hilfsgelder zu

Umweltminister Altmaier verspricht noch dieses Jahr 30 Millionen Euro für den Klimafonds. Mit dem Geld reagieren Entwicklungsländer auf die Folgen des Klimawandels. Zudem bekräftigte er die Klimaziele der Regierung.

Peter Altmaier am Mittwoch bei der Klimakonferenz in Warschau: Der geschäftsführende Bundesumweltminister bleibt dabei, Deutschlands Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu senken. dpa

Peter Altmaier am Mittwoch bei der Klimakonferenz in Warschau: Der geschäftsführende Bundesumweltminister bleibt dabei, Deutschlands Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu senken.

WarschauDer amtierende Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat den Entwicklungsländern auf der Klimakonferenz in Warschau noch in diesem Jahr mindestens weitere 30 Millionen Euro zugesagt. Sie sollen in den Fonds fließen, mit dem sich Entwicklungsländer an die Folgen des Klimawandels anpassen können.

Er versicherte zudem, dass auch die neue Regierung bei den Klimazielen bleiben werde, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, bis 2030 um 55 Prozent und bis 2050 um 80 bis 95 Prozent.

„Die neue Finanzzusage von 30 Millionen Euro ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, kritisierte der Klimaexperte des Naturschutzbundes (Nabu), Ulf Sieberg. Die Organisation Oxfam fand die Zusage dagegen positiv für den Verhandlungsprozess: „Dem erfrischend guten Beispiel Deutschlands, noch dieses Jahr mindestens 30 Millionen Euro in den Anpassungsfonds einzuzahlen, müssen jetzt die übrigen reichen Länder folgen. Sonst droht der Fonds auszutrocknen“, sagte Oxfam-Klimaexperte Jan Kowalzig. Altmaier sollte insbesondere versuchen, seine Amtskollegen etwa aus Frankreich, Australien, Neuseeland und Japan umzustimmen.

Paradoxien der Energiewende

Ökostrom-Umlage

Sie wurde vollgepackt mit immer weiteren Industrierabatten - die Bürger müssen dies über ihren Strompreis schultern. Sie steigt 2014 auf bis zu 6,5 Cent je Kilowattstunde, obwohl laut des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien 2,6 Prozent weniger Wind- und Solarstrom produziert wurden. Der Zubau neuer Anlagen macht nur 0,2 bis 0,3 Cent des Anstiegs um bis zu 1,2 Cent aus. Hauptgrund sind die massiv gefallenen Börsenstrompreise – sinkt der Verkaufserlös für Ökostrom, wächst die Differenz zu den festgelegten Vergütungssätzen für den Grünstrom.

Stromversorger

Sie profitieren von niedrigen Einkaufspreisen, während die Versorger durch diverse Energiewende-Umlagen immer mehr bezahlen, auch die Netzentgelte steigen. Das Beratungsunternehmen Energy Brainpool hat für die Grünen-Fraktion errechnet, dass sich für 2014 eine mögliche Senkung der Beschaffungskosten zwischen 0,57 und 1,97 Cent je Kilowattstunde abzeichnet. Damit könnte womöglich der gesamte Anstieg der Ökostrom-Umlage kompensiert werden, wenn die Versorger diese Ersparnisse im Stromeinkauf weitergeben würden.

Klimaschutz ade?

Gaskraftwerke stehen still und sollen vom Netz genommen werden. Alte, klimaschädliche Braunkohlekraftwerke laufen hingegen oft durch, da der Preis für CO2-Verschmutzungsrechte extrem niedrig ist. Trotz immer mehr Ökostrom sind daher im vergangenen Jahr die CO2-Emissionen in Deutschland um 2,2 Prozent gestiegen. Ohne Reformen – etwa einer Verteuerung der CO2-Ausstoßrechte – könnte der Kohleanteil weiter steigen und diese Kraftwerke den Atomausstieg kompensieren. Eigentlich sollen dies CO2-ärmere Gaskraftwerke tun.

Kraftwerks-Probleme

Insgesamt funktioniert der Strommarkt bei 25 Prozent massiv gefördertem Ökostrom nicht mehr richtig. Soll es Sonderprämien dafür geben, dass Kraftwerke, die sich nicht mehr rechnen, am Netz gehalten werden? Denn gerade im Winter wird deren Leistung gebraucht. Doch ein solches System – für das hochmoderne Gaskraftwerk Irsching in Bayern wurde das bereits eingeführt – würde die Strompreise noch weiter steigen lassen. Daher muss eine Reform der Ökoenergie-Förderung zusammen mit einer Strommarktreform angegangen werden. Einzige Gewissheit: Es wird nicht billig.

Verheddert im Interessendickicht

Jeder will etwas anderes. Die Länder im Norden und Osten wollen die Windkraft massiv ausbauen, Bayern träumt von einer weitgehenden Energieautarkie. Auch die Parteien haben unterschiedliche Ansätze, zudem kämpfen die großen Versorger gegen immer mehr dezentrale Akteure. Ein gemeinsamer Konsens ist bisher nicht in Sicht. Das macht Reformen so schwer. Gerade das Kostenproblem droht die Akzeptanz der Energiewende zu gefährden – über die mittelfristigen Vorteile redet kaum noch jemand.

Altmaier hob zugleich hervor, dass Deutschland in diesem Jahr insgesamt schon 1,8 Milliarden Euro an Klimahilfen für ärmere Länder zur Verfügung gestellt habe. Dazu zählt auch Geld für erneuerbare Energien. Deutschland werde auch zu seinen zugesagten Verpflichtungen für 2014 stehen.

Von

dpa

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

vandale

20.11.2013, 16:02 Uhr

Wenn man Bilder von Windmühlen und Solaranlagen in Marokko und anderen Ländern ausserhalb Europas bestaunen kann und die Medien die Illusion schüren, dass der Rest der Welt den Deutschen Visionen folgt, so sollte man sich in einem nüchternen Augenblick vergegenwärtigen, dass auch diese ökologischen Monumente häufig vom Deutschen Steuerzahler, Stromkunden bezahlt wurden.

Es gibt sogenannte CDM Zertifikate (Klimasündenablasszertifikate). Der CDM Mechanismus wurde im Kyoto Protokoll vereinbart und sieht vor, dass Klimasünder auch durch gute Taten ausserhalb der Landesgrenzen Ablass von ihren Sünden erhalten Können. Der Klimanobelpreisträger Al Gore ist damit fast zum Milliardär geworden.

Die Erträge aus dem Verkauf der CO2 Zertifikate die Deutsche Stromversorger usw. kaufen müssen werden in einem Klimafonds verwaltet und für "Erneuerbare Energien" in anderen Ländern etc. ausgegeben.

Fazit: Auch wenn die umweltschädliche Windmühle, oder Solaranlage weit abseits Deutschlands steht, ist diese mit einer erheblichen Wahrscheinlichkeit Ihrer Brieftasche entsprungen.

Vandale

Mazi

21.11.2013, 10:16 Uhr

In Spanien werden die Stromproduzenten auch an den Kosten für den Netzzugang beteiligt.

Was steht seitens der Bundesregierung diesem Gedanken entgegen, diesem Grundgedanken, dass die Stromerzeuger sich auch an den Netzanschlusskosten beteiligen müssen, entgegen.

Es würde die Möglichkeit eröffnen, die bisherigen Fördersätze konstant zu halten und ihnen das Geld über die Hintertür wieder wegzunehmen.

Bei weitem kein neuerliches Prinzip. Es ist sogar konstistent, wenn bisherige staatliche Anreize betrachtet.

Steuerliche Anreize gibt es immer nur dann, wenn der andere Weg sich kaufmännisch nicht rechnet. Deren Förderungen gibt es viele. Manchmal gibt es auch Förderungen nur zu dem Zweck um auf der Gegenseite die Gewinne zu maximieren und abzuschöpfen. Das nennt man dann Lobbyismus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×