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14.05.2014

13:39 Uhr

Koalition rät zu Petersburger Gipfel

Russland-Freibrief für die deutsche Wirtschaft

VonDietmar Neuerer

ExklusivPutins Petersburger Wirtschaftsforum genießt einen hohen Stellenwert. Doch wegen der Ukraine-Krise drängte Washington viele Firmen zum Boykott. Deutsche Top-Manager reisen dennoch – mit Rückendeckung aus Berlin.

Als die Welt noch in Ordnung war: Angela Merkel und Wladimir Putin beim Petersburger Gipfel im Juni 2013. dpa

Als die Welt noch in Ordnung war: Angela Merkel und Wladimir Putin beim Petersburger Gipfel im Juni 2013.

BerlinEnde März schüttelte Siemens-Chef Joe Kaeser Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau noch die Hand, nun sagten er und die Manager von dutzenden weiteren internationalen Konzernen ihre Teilnahme an einem Wirtschaftsforum in St. Petersburg ab. Hintergrund ist die Ukraine-Krise. Insgesamt 34 Unternehmenschefs hätten deshalb ihre Reise zu dem Forum vom 22. bis zum 24. Mai storniert, schrieb kürzlich die Kreml-treue Zeitung „Iswestija“.

Politiker von CDU, SPD, Linken und FDP halten es jedoch für falsch, die Wirtschaftskonferenz zu meiden und sind froh, dass einige deutsche Top-Manager dabei sind. Sie stellen sich damit mitten in der Ukraine-Krise gegen die US-Regierung, die von einer Teilnahme abgeraten und wegen der Auseinandersetzung mit Russland von einer „unangemessenen Botschaft“ gewarnt hatte. Wichtige US-CEOs hatten daraufhin ihre Zusagen wieder zurückgezogen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich nicht. Im vergangenen Jahr war sie selbst noch zusammen mit einer hochrangigen deutschen Wirtschaftsdelegation nach Petersburg gereist und hatte dort den russischen Präsidenten getroffen.

„Gerade in der derzeitigen Situation sind Gespräche auf allen Ebenen wichtig und richtig, sowohl auf politischer, militärischer als auch auf zivilgesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer (CDU), Handelsblatt Online. „Es gilt, jede Chance zu nutzen, um deutlich zu machen, was – auch wirtschaftlich – auf dem Spiel steht.“ Denn wenn durch das völkerrechtswidrige Verhalten Russlands die Lage in der Ukraine weiter eskaliere, werde es am Ende auf allen Seiten nur Verlierer geben.

Russland in Zahlen

Einwohner

143,3 Millionen (Stand: 2013).

Gasproduktion

2012: 654,5 Milliarden Kubikmeter.

Gasreserven

2012: 32,9 Billionen Kubikmeter.

Erdölproduktion

2012: 517,9 Millionen Tonnen.

Erdölreserve

2012: 87,2 Milliarden Barrel.

Ein Barrel sind 119 Liter.

Bruttoinlandsprodukt

2014: ~ 2215,4 Milliarden US-Dollar

Bruttoinlandsprodukt je Einwohner

Schätzungen zufolge liegt das BIP je Einwohner im Jahr 2014 bei 15.717 US-Dollar.

Inflationsrate

2012: 5,1 Prozent

2013: 6,7 Prozent*

2014: 5,7 Prozent*

*) Schätzung bzw. Prognose

Arbeitslosenquote

2010: 7,5 Prozent.

2011: 6,6 Prozent.

2012: 5,6 Prozent.

Haushaltssaldo

2010: -4,0 Prozent des BIP

2011: 0,8 Prozent des BIP

2012: -0,1 Prozent des BIP

Leistungsbilanzsaldo

2010: 4,4 Prozent des BIP, brutto.

2011: 5,1 Prozent des BIP, brutto.

2012: 3,7 Prozent des BIP, brutto.

2013: 2,9 Prozent des BIP, brutto.*

2014: 2,3 Prozent des BIP, brutto.*

*) Schätzung bzw. Prognose

Währungsreserven

2010: 432,95 Milliarden US-Dollar.

2011: 441,16 Milliarden US-Dollar.

2012: 473,11 Milliarden US-Dollar.

Ähnlich äußerte sich der Vize-Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im Bundestag, Klaus Barthel (SPD). „Ich halte es für unangemessen und unklug, Russland und Putin unter Quarantäne zu stellen“, sagte Barthel Handelsblatt Online. Die Frage sei, wer eigentlich ein Interesse an einer Eskalation im Ukraine-Konflikt habe und was das konkrete Ziel einer „Kontaktsperre“ bei einer solchen „Eskalationsstrategie“ sein solle. Gleichwohl würde er sich wünschen, „dass es die europäischen Regierungen und politisch Verantwortlichen nicht einigen Managern überlassen, die Gesprächsfäden aufrecht zu erhalten“, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Das kann und darf natürlich nicht bedeuten, dass man Putin nach dem Mund redet oder ihn hofiert.“

Bereits Anfang Mai hatten etliche Konzerne angekündigt, dass Spitzenvertreter am Wirtschaftsforum trotz der Ukraine-Krise wie geplant teilnehmen würden. „Spiegel Online“ berichtet, dass neben Eon-Chef Johannes Teyssen auch Metro-CEO Olaf Koch und der Öl- und Gasvorstand von BASF, Harald Schwager, kommen werden.

Kommentare (15)

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14.05.2014, 13:46 Uhr

Sie kennen doch den LHC-Beschleuniger für fliegende Atome am CERn in ZÜRICH ??

Richtig, es gibt ein starkes Magnetfeld IN DESSEN MITTE zwischen Nord- und Südpol die Atome fliegen können.

GENAUSO muss sich Deutschland verhalten - nicht kleben an einer Pol-Seite sondern in der Mitte "frei" fliegen.

Also werder Russland- noch USA- hörig sein FRAU MERKEL !

Account gelöscht!

14.05.2014, 13:57 Uhr

Genau!

So wie das Hirn vieler Posting-Verfasser hier bei HBO...

no offence ;-)

Account gelöscht!

14.05.2014, 14:04 Uhr

Na bitte, die wirklich wichtigen Menschen aus Deutschland wissen wenigtens, was Sache ist.

Was Erika & Co sabbelt, wer will es wissen ?

Wr brauchen eine gesunde Wirtschaft und Bosse da oben, die sich nicht dem amerikanisch, israelischen Kriegstreibern unterordnen.

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