Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.09.2013

15:07 Uhr

Koalitionsoptionen

AfD-Chef Lucke flirtet mit der CDU

AfD-Chef Lucke bringt sich als Koalitionspartner für die Union ins Spiel, sofern sie ihre Euro-Politik ändert. Die Opposition verlangt nun eine klare Distanzierung Merkels von einer möglichen "Bahamas"-Koalition.

Merkel distanziert sich, Lucke umarmt sie: Der AfD-Chef möchte im Koalitionspoker mitspielen. dpa

Merkel distanziert sich, Lucke umarmt sie: Der AfD-Chef möchte im Koalitionspoker mitspielen.

BerlinDer Vorsitzende der neuen Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hält eine Zusammenarbeit mit der Union trotz der momentan noch gegensätzlichen Positionen bei der Euro-Rettung für möglich. Im ARD-„Morgenmagazin“ bekräftigte er am Mittwoch erneut, dass die AfD grundsätzlich bereit sei, mit jeder demokratischen Partei zusammenzuarbeiten, wenn sie sich grundlegend von der Euro-Rettungspolitik abwende. Dies lehnt die CDU/CSU zwar ab, Lucke meinte jedoch: „Also ich denke, die CDU ist nicht unbedingt die Partei, bei der man sagen kann, dass die Wahlversprechen sonderlich verlässlich sind.“

Man müsse abwarten, was die Union nach der Wahl sage, ergänzte Lucke. „Ich habe ja 2009 auch nicht geglaubt, dass die CDU die Wehrpflicht abschaffen wird, nachdem sie das Gegenteil versprochen hat. Oder dass sie die Laufzeiten der Kernkraftwerke verkürzen würde, nachdem sie das Gegenteil versprochen hat. Oder dass sie einen Mindestlohn einführen wird, nachdem sie das Gegenteil versprochen hat.“

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Der AfD wird von Meinungsforschern eine Chance eingeräumt, bei der Bundestagswahl am 22. September die Fünf-Prozent-Hürde zu überspringen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage liegt sie bei drei Prozent. Forsa-Chef Güllner sagte dem "Stern", es sei schwer einzuschätzen, ob die AfD den Sprung ins Parlament schafft - "auch weil viele ihrer Anhänger jegliche Auskunft verweigern". AfD-Chef Lucke hat mehrfach betont, dass er sich eine Zusammenarbeit mit der Union vorstellen könne.

"Diese Frage stellt sich nicht", hatte Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel auf die Frage nach einem Bündnis mit der AfD in einem Interview erklärt. In der Unions-Fraktionsführung hieß es am Mittwoch: "Eine Zusammenarbeit mit der AfD ist völlig ausgeschlossen." CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder sagte dem "Darmstädter Echo": "Eine Gruppierung, die in ihrem Programm stehen hat, dass sie nicht ausschließt, zur D-Mark zurückzukehren, macht unverantwortliche Politik. Das würde Deutschland und seinen Bürgern schwer schaden. Mehr habe ich dazu nicht zu sagen."

Kommentare (69)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

11.09.2013, 09:28 Uhr



Lucke, sei nicht so ungeduldig.
Verteilt lieber mal mehr Flyer und zeigt auf Plakaten "Deutschland-Blöd" worum es eigentlich geht.
Noch habt ihr die 5 Prozent keinesfalls in trockenen Tüchern.

Account gelöscht!

11.09.2013, 09:33 Uhr

Die AfD wird in den BT einziehen. Und die conditio sine qua non, die Lucke für eine mögliche Koalition definierte, ist absolut richtig. Hier wird die AfD auch nicht umfallen!

Angelika

11.09.2013, 09:34 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×