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09.11.2013

12:09 Uhr

Koalitionsvereinbarung

Frauen und Männer sollen gleich viel verdienen

Union und SPD wollen mit den Lohnunterschieden zwischen den Geschlechtern aufräumen. Verbindliche Regeln sollen Firmen verpflichten, die Unterschiede offenzulegen. Doch die Politik braucht dazu auch Verbündete.

Gleiche Qualifikation, schlechtere Bezahlung: Frauen verdienen im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger als Männer. dpa

Gleiche Qualifikation, schlechtere Bezahlung: Frauen verdienen im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger als Männer.

BerlinUnion und SPD wollen in einer großen Koalition die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen abbauen. Die Unterhändler der AG Frauen und Familie verständigten sich in der Nacht zum Samstag auf gesetzliche Regelungen zur Entgeltgleichheit. Frauen verdienen im Durchschnitt rund 22 Prozent weniger als Männer.

So sollen Arbeitnehmer künftig einen individuellen Anspruch auf Auskünfte über Gehaltsunterschiede eingeräumt bekommen. Die Tarifpartner sollen im Falle einer großen Koalition zum Abbau der Lohnungerechtigkeiten zwischen Mann und Frau per Gesetz verpflichtet werden. Die Tarifkommissionen müssen ausgewogen mit Männern und Frauen besetzt sein.

Unternehmen, die der Mitbestimmung unterliegen, sowie der öffentliche Dienst sollen anonymisierte Entgeltberichte intern veröffentlichen - nicht auf freiwilliger, sondern auf verpflichtender Grundlage. Außerdem planen Union und SPD, eine Dokumentationspflicht über die Bemühungen zur Entgeltgleichheit in Tarifverhandlungen einzuführen.

Frauen in den Chefetagen

Wie hoch ist der Frauenanteil europaweit?

In börsennotierten Unternehmen innerhalb der EU besetzen Frauen 13,7 Prozent der Posten in den höchsten Entscheidungsgremien. Besonders niedrig ist der Frauenanteil in Malta (3 Prozent), Zypern (4) und Ungarn (5). In Finnland (27 Prozent), Lettland (26) und Schweden dagegen (25) ist er relativ hoch. Deutsche Unternehmen kommen auf 16 Prozent. In Japan haben Frauen fast gar keinen Einfluss auf Entscheidungen: Sie besetzen nur 0,9 Prozent der Führungsposten.

Wie entwickelt sich der Frauenanteil?

Der Frauenanteil nimmt in den 27 EU-Ländern langsam, aber nahezu stetig zu. Seit 2003 steigt die Quote im Schnitt jährlich um 0,6 Prozentpunkte. In den vergangenen beiden Jahren beschleunigte sich die Entwicklung etwas. Ausreißer ist Frankreich: Der Anteil an weiblichen Führungskräften stieg innerhalb von 15 Monaten von 12,3 auf 22,3 Prozent. Per Gesetz müssen hier bis 2017 mindestens 40 Prozent der Posten in Führungsgremien weiblich besetzt sein.

Gesetzliche Quoten

Frankreich, Italien und Belgien haben 2011 eine verpflichtende Frauenquote für die Unternehmensspitzen erlassen. Auch die Niederlande und Spanien haben Gesetze beschlossen, bei Verstößen drohen aber keine Strafen. In einigen EU-Ländern gibt es Quoten in staatseigenen Betrieben.

Vorbild Norwegen

In Norwegen sind die Entscheidungsgremien in den größten börsennotierten Unternehmen zu 42 Prozent von Frauen besetzt. 2003 wurde eine gesetzliche Quote von 40 Prozent beschlossen, die seit 2006 verpflichtend ist. Ein Unternehmen, das die Vorgaben nicht erfüllt, kann per Gerichtsbeschluss aufgelöst werden.

Gemeinsam mit den Tarifpartnern will die Politik außerdem Berufsfelder sowie die Bewertung von Fähigkeiten, Erfahrungen und Kompetenzen neu definieren. Ziel soll sein, unter anderem die Arbeit in Pflege, Betreuung und frühkindlicher Bildung weiter aufzuwerten - auch in der Bezahlung.

SPD-Vize Manuela Schwesig sprach von einem „Meilenstein“ für die Gleichstellung in der Arbeitswelt. „Frauen verdienen im Durchschnitt fast ein Viertel weniger als Männer. Es ist höchste Zeit, diese Ungerechtigkeit zu beenden.“

Unions-Verhandlungsführerin Annette Widmann-Mauz (CDU) betonte, typische Frauenberufe seien noch immer schlecht bezahlt. Um dies zu ändern, „müssen wir gemeinsam mit den Tarifparteien zu einer Neubewertung dieser typischen Frauenberufe kommen“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Die künftige Transparenzpflicht für große Unternehmen schaffe die Grundlage dafür, dass in der Wirtschaft konkrete Schritte zur Entgeltgleichheit gegangen werden. Damit werde keine unnötige neue Bürokratie aufgebaut.

Auf die Lücke in den Gehältern zwischen Mann und Frau macht in Deutschland seit 2008 der Verein Business and Professional Women (BPW) mit dem „Equal Pay Day“ aufmerksam. Das Datum des Aktionstags soll den Zeitraum verdeutlichen, den Frauen über das Jahresende hinaus arbeiten müssen, um auf das Vorjahresgehalt ihrer Kollegen zu kommen. 2014 findet der Equal Pay Day am 21. März statt.

Von

dpa

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