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22.11.2013

11:13 Uhr

Koalitionsverhandlungen

Zinsobergrenze für Kontoüberziehung wird es nicht geben

Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen konnte sich die Arbeitsgruppe Finanzen nicht auf eine Zinsobergrenze bei der Kontoüberziehung einigen. Dafür soll es bald aber einen verpflichtenden Warnhinweis geben.

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. dpa

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht.

BerlinEine gesetzlich festgelegte Obergrenze bei der Kontoüberziehung wird es in Deutschland auch künftig nicht geben: Vertreter von Union und SPD in der Arbeitsgruppe Finanzen konnten sich nicht auf eine Dispo-Obergrenze einigen, wie aus dem Abschlussbericht hervorgeht, der AFP am Donnerstag vorlag. Sie vereinbarten demnach lediglich, dass die Banken verpflichtet werden sollen, „beim Übertritt in den Dispositionskredit einen Warnhinweis zu geben; bei dauerhafter und erheblicher Inanspruchnahme sollen sie dem Kunden eine Beratung über mögliche kostengünstigere Alternativen zum Dispositionskredit anbieten müssen“. Damit setzte sich die Union mit ihren Vorstellungen durch.

Dispozinsen werden fällig, wenn ein Bankkunde kein Geld mehr auf dem Girokonto hat, es aber weiter belastet wird und ins Minus rutscht. Zunächst gewährt die Bank in der Regel einen Dispositionskredit - kurz: Dispokredit oder Dispo. Dieser ermöglicht eine begrenzte Überziehung. Limit sind oft zwei oder drei Monatsgehälter. Für Überziehungen in diesem Rahmen gilt der Dispozinssatz. Wird das Konto über diesen Rahmen hinaus überzogen, fallen Überziehungszinsen an. Diese liegen oft noch mehrere Prozentpunkte höher.

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Verbraucherschützer fordern seit langem eine Obergrenze. Ihrer Ansicht nach sollte diese bei sieben Prozent plus der Höhe des internationalen Referenzzinssatzes Euribor für Geschäfte am Geldmarkt mit drei Monaten Laufzeit liegen. Eine solche Dispo-Obergrenze würde derzeit bei 7,218 Prozent liegen.

Von

afp

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

22.11.2013, 11:33 Uhr

Ich brauche keinen Dispo.
Die größte Frechheit aber ist, wird versucht z. B. die Telefonrechnung einzuziehen und die LS geht baden, kostet es mehr. Man zahlt hier für Dinge die garnicht stattfinden, nur weil die Elektonik nicht in der Lage ist, zu sagen, heute nicht, versuchs morgen oder übermorgen nochmal, ich schick ne sms.
So geht das z. B. hier in Spanien.
Ein Dispo wird so fast für die Bonität überlebenswichtig (gemacht), und der Kunde selbst wird damit so erzogen das er der Bank jeden Monat Geld schenken muß, für im Grunde nichts.
Hier sollten die Verbraucherschützer aufklären.
Ein Hunderter kostet eben 112 €, so kann man gut kostenlose Konten versprechen.

Joker

22.11.2013, 11:55 Uhr

Wenn Sie mit Geld nicht umgehen können, ist dies nicht die Schuld der Bank. Wenn Ihr Konto keine Deckung aufweist, wird die Lastschrift natürlich zurückgegeben. Wenn Sie anstatt 1000€ Disporahmen 1000€ vom Sparbuch/Tagesgeld auf dem Konto liegen lassen, dann dürfte keine normale Lastschrift platzen. Der Verzicht von 0,3%/0,4% Zinsen auf SB oder TG macht Sie auch nicht ärmer als die Gebühren, die Sie für die geplatzte Lastschrift bezahlen müssten. Ebenso die Inanspruchnahme vom Dispo wäre weitaus teurer, als der Zinsverzicht. Es ist also eine Frage der Benutzung. Wenn ich dauerhaft einen Dispo benötige, dann ist dies nicht die Schuld der Bank, sondern ich muss meine Ausgaben besser im Griff haben. Alternativ gibt es dazu einen Ratenkredit. Und je teurer ein Dispo ist, desto weniger Menschen neigen dazu ihn benutzen zu wollen. Ich finde der Dispo könnte sogar noch höher sein, damit eine erzieherische Maßnahme stattfindet.

Account gelöscht!

22.11.2013, 12:22 Uhr

Bei der Diskussion um die Dispozinsen hat sich die Politik auf einen Nebenkriegsschauplatz ziehen lassen. Das eigentliche Problem sind die Dispozinsen für 60 Mio. Bestandskunden. Die Zinsanpassung bei Dispos ist seit langem geklärt. Bank und Kunde schließen einen Vertrag zu einem Zinssatz Y. Dieser Zinssatz steht bei Vertragsschluss in einem bestimmten Äquivalenzverhältnis zu einem Referenzzinssatz. Einfach beschrieben in „Zinsklau“ (S. 158 ff) ausführlich in Schimansky, Bankrechts-Handbuch I. Laut BGH muss die Bankwirtschaft den Dispozins an dem ausgewählten Referenzzinssatz so anpassen, dass das Äquivalenzverhältnis erhalten bleibt. Bei Dispos die z.B. vor 2008 vereinbart wurden, dürften manche Banken heute nur 5 bis 9 Prozent Zinsen berechnen. Dies tun zu viele Banken nicht und kassieren immer noch Zinssätze von weit über 10 Prozent. Das ist der eigentliche Skandal, den die Politiker nicht verstehen wollen. Ungerecht ist, nur reiche Kunden, holen sich mit einem Gutachter und Anwalt die zu viel gezahlten Zinsen zurück. Wir brauchen keine neuen Gesetze, sondern eine gesellschaftliche Kraft, die die Bankwirtschaft zwingt, das bestehende Recht zu achten und die Zinsen für alle richtig zu berechnen. Dann regulieren sich auch die Dispozinsen für Neukunden.

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