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13.04.2011

12:56 Uhr

Koch-Mehrin unter Verdacht

Staatsanwalt nimmt Doktorarbeit ins Visier

Für Silvana Koch-Mehrin wird es immer ungemütlicher. Nach der Uni Heidelberg beschäftigt sich nun auch die Staatsanwaltschaft mit ihrer Doktorarbeit. Die FDP-Vorzeigefrau soll etliche Passagen abgeschrieben haben.

Unter Verdacht: Silvana Koch-Mehrin. Quelle: dapd

Unter Verdacht: Silvana Koch-Mehrin.

Berlin/HeidelbergDie Staatsanwaltschaft Heidelberg befasst sich mit der Doktorarbeit der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. "Wir haben am Montag von Amts wegen ein Vorprüfungsverfahren wegen Verdacht auf Urheberrechtsverletzungen eingeleitet", sagte Behördensprecherin Dorothee Acker-Skodinis dem "Tagesspiegel". Dabei werde geprüft, ob ein förmliches Ermittlungsverfahren zu führen sei. Nach Recherchen der Internet-Plattform „VroniPlag Wiki“ soll die Europaabgeordnete - ähnlich wie Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) - auf etlichen Seiten ihrer Arbeit Textpassagen von anderen Autoren verwendet haben, ohne dies in Fußnoten kenntlich zu machen.

Die Vorermittlungen werden laut Acker-Skodinis "vorrangig geführt", damit zügig klar werde, ob sich der Verdacht erhärte. Die zuständigen Staatsanwälte prüften dabei neben Urheberrechtsverstößen auch eine mögliche Verjährung, da die Veröffentlichung der Dissertation bereits einige Jahre her sei. Koch-Mehrin (40) hatte ihre Arbeit „Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik“ im Jahr 2000 an der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg eingereicht.

Laut Staatsanwaltschaft müsse auch abgewartet werden, was die Universität Heidelberg zu der Angelegenheit sage. "Wir müssen wissen, ob die Vorwürfe zutreffen." Wenn sich der Verdacht aus rechtlichen Gründen nicht bestätige, würden die Ermittlungen auch "vorrangig eingestellt", sagte die Sprecherin. Koch-Mehrin selbst ließ über ihren Sprecher in Brüssel ausrichten, sie wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern - und verwies auf die Universität Heidelberg.

Dissertation von Koch-Mehrin mit dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik". Quelle: dapd

Dissertation von Koch-Mehrin mit dem Titel "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik".

Die Hochschule prüft derzeit, ob die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments bei ihrer Doktorarbeit abgeschrieben und Quellen nicht korrekt genannt hat. Angeblich wurden bis Mittwochmittag 31 Seiten mit möglichen Plagiaten gefunden - rund 15 Prozent der Doktorarbeit. Koch-Mehrin war bislang als mögliche Vizechefin der FDP in der neuen Mannschaft des designierten Parteivorsitzenden Philipp Rösler im Gespräch.

Von

dapd

Kommentare (28)

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Waehler

13.04.2011, 13:49 Uhr

Wenn die so äußerst rhetorisch geschliffene Frau Koch-Mehrin regulär einen Dr.Titel erworben haben sollte, dann bin ich ab sofort der Osterhase !

XRay

13.04.2011, 13:53 Uhr

Solche arroganten Quotenfrauen, die Lügen und Betrügen braucht Deutschland nicht,
man sollte mal prüfen, ob sie nicht auch unrechtmäßige
Sitzungsgelder in der EU kassiert hat.

Dave

13.04.2011, 14:03 Uhr

Und wer zeigt mit dem Finger auf Universitäten und deren Professoren, die ihren Job nicht ernst nehmen und wissenschaftliche Arbeiten ohne Textprüfungen durchwinken?

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