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26.01.2005

17:50 Uhr

Köhler nimmt an zentraler Veranstaltung in Polen teil

Gedenkfeiern zur Befreiung von Auschwitz

Ehemalige Häftlinge, Staats- und Regierungschefs sowie hochrangige Vertreter aus 44 Staaten gedenken an diesem Donnerstag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 60 Jahren. Auch Veteranen der Roten Armee, die am 27. Januar 1945 das Gelände des größten deutschen Vernichtungslagers erreichten, werden an der Gedenkfeier teilnehmen.

HB KRAKAU/OSWIECIM. Zu den Rednern gehören außer den ehemaligen Auschwitz-Häftlingen Simone Veil und Wladyslaw Bartoszewski die Präsidenten von Israel, Russland und Polen, Mosche Katzav, Wladimir Putin und Aleksander Kwasniewski. Unter den Gästen der Gedenkfeier auf dem Gelände des einstigen Lagers Birkenau sind Bundespräsident Horst Köhler, der französische Präsident Jacques Chirac und US- Vizepräsident Dick Cheney.

Bereits am Vormittag wird der Europäische Jüdische Kongress im südpolnischen Krakau, etwa 60 Kilometer von Auschwitz entfernt, auf dem Kongress „Let my people live“ (Lasst mein Volk leben) mit Holocaust-Überlebenden und Jugendlichen über Lehren aus dem Holocaust diskutieren. „Wir müssen Anstrengungen unternehmen, die Lehrer zu erziehen, jeden zu erziehen, um Lehren aus dem Holocaust zu ziehen“, sagte Kongress-Organisator Mosche Kantor am Mittwoch in Krakau. Jedes Opfer, jedes von den Nationalsozialisten zerstörte Leben habe ein Recht, nicht in Vergessenheit zu geraten. Dies gelte umso mehr nach rassistischen und antisemitischen Vorfällen in der jüngsten Zeit oder Versuchen, die nationalsozialistischen Verbrechen zu verharmlosen.

Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon betonte bei einer Gedenkfeier zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, dass nur Israel die Juden wirklich verteidigen könne. Dies sei für ihn die Lehre aus dem Mord an sechs Millionen Juden im Holocaust, sagte Scharon am Mittwoch im Parlament in Jerusalem. „Während all der Kriegsjahre ist nichts unternommen worden, um die Vernichtung zu stoppen“ sagte er. „Die Alliierten haben weder die Eisenbahnschienen nach Auschwitz noch die Stätten der Vernichtung in Birkenau bombardiert. Sie wussten es und taten nichts.“

Am Mittwoch gedachte auch das Weltwirtschaftsforum (WEF) im schweizerischen Davos der Befreiung von Auschwitz. An der Zeremonie im Rathaus des Alpen-Luftkurortes nahmen unter anderem der KZ- Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel, WEF-Gründer Klaus Schwab sowie christliche, jüdische und muslimische Geistliche teil. „Neben dem Gedenken sind wir von dem tiefen Wunsch beseelt, als Menschen zusammenzuleben und Hoffnung zu schaffen“, sagte Wiesel.

Auschwitz-Birkenau war das größte der deutschen Vernichtungslager, die während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen errichtet wurden. Da viele Häftlinge gleich bei der Ankunft in den Gaskammern mit dem Giftgas Zyklon B ermordet und nicht registriert wurden, ist die genaue Zahl der Opfer nicht bekannt. Nach Schätzungen von Wissenschaftlern wurden zwischen 1,1 und 1,5 Millionen Menschen in Auschwitz ermordet, die meisten von ihnen Juden. Andere Opfer waren Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene, Widerstandskämpfer und Homosexuelle.

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