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20.01.2005

15:50 Uhr

Köhlern dankt Helfern und Spendern

Bundesrepublik gedenkt der Flutopfer

Mit einem Staatsakt im Bundestag haben Vertreter aus Politik und Gesellschaft am Donnerstag der Opfer der Flut in Südostasien gedacht. Auch Angehörige der Opfer nahmen an der Gedenkstunde teil. Bundespräsident Horst Köhler sprach Familien und Freunden der Toten und Vermissten sein Mitgefühl aus und dankte Helfern und Spendern.

Bundespräsident Horst Köhler nach der Gedenkfeier für die Flutopfer. Foto: dpa.

Bundespräsident Horst Köhler nach der Gedenkfeier für die Flutopfer. Foto: dpa.

HB BERLIN. Die Katastrophe könne eine Chance sein für eine größere internationale Zusammenarbeit und für die Lösung regionaler Konflikte. Im Anschluss an den Staatsakt wollte sich Köhler mit Angehörigen der ums Leben gekommenen Bundesbürger treffen. Am 9. Januar hatte es im Berliner Dom einen zentralen Gedenkgottesdienst gegeben.

Durch die Ende Dezember durch ein Seebeben ausgelöste Flutkatastrophe in Südasien kamen mehr als 226 000 Menschen ums Leben, darunter viele Touristen. Am stärksten betroffen waren Indonesien, Sri Lanka, Indien und Thailand. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes waren bis Donnerstag weiterhin 60 Deutsche als tot identifiziert. 583 Deutsche sind bei der Polizei noch als vermisst gemeldet. Es müsse aber damit gerechnet werden, dass die Zahl der tatsächlich Vermissten am Ende höher liegen werde.

An dem im Fernsehen übertragenen Staatsakt nahmen neben Bundeskanzler Gerhard Schröder und dem Bundeskabinett Ministerpräsidenten und Bundestagsabgeordnete, Angehörige von Opfern der Flutkatastrophe, die Botschafter der betroffenen Länder sowie Vertreter von Kirchen und Hilfsorganisationen teil. In der ersten Reihe lag auf einem Stuhl zwischen Köhler und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse ein Blumengebinde als Symbol für die Toten. Musiker des Berliner Sinfonie-Orchesters spielten Serenaden von Richard Strauss und Wolfgang Amadeus Mozart. Der Staatsakt endete mit der Nationalhymne.

„Vielleicht ist es den Angehörigen und Freunden der Opfer, die sich in ihrem Schmerz hilflos und allein fühlen, ein Trost, dass wir an sie denken und mit Ihnen trauern“, sagte Köhler in der Gedenkstunde. Die Katastrophe, die abertausende Bindungen zwischen Menschen zerrissen habe, habe „uns alle tief getroffen“. „Viele, die wir jetzt noch vermissen, kehren wohl nicht in ihre Heimat zurück. Von vielen werden wir nicht einmal wissen, wo sie geblieben sind.“ Köhler versicherte, es werde versucht, möglichst das Schicksal aller Vermissten aufzuklären: „Was getan werden kann, um Gewissheit zu bekommen, das wird getan.“

Köhler dankte Helfern und Spendern für ihre Hilfsbereitschaft. Es habe sich gezeigt: „Wenn es darauf ankommt, helfen die Menschen in Deutschland.“ Die von der Bundesregierung bereitgestellten 500 Millionen Euro seien ein angemessener Beitrag. Mit dem Geld müsse die Region nachhaltig wieder aufgebaut werden. Dabei müsse darauf geachtet werden, dass die Menschen in den betroffenen Gebieten den Aufbau selbst in die Hand nähmen und nicht auf Dauer abhängig von Hilfe würden. Sicher gestellt werden müsse zudem, dass sich niemand auf Kosten der Not Leidenden bereichere. Unterstützt werden müssten vor allem bedürftige Familien. Nötig sei auch der Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems.

Die Katastrophe biete auch die Chance auf eine größere weltweite Solidarität und auf eine Lösung regionaler Konflikte wie den Bürgerkriegen in Sri Lanke und der indonesischen Provinz Aceh, sagte der Bundespräsident. „Ich denke, die Zeit ist gekommen, neu über die Zusammenarbeit der Staatengemeinschaft nachzudenken - und auch über die Hilfe für arme Länder insgesamt.“ Nötig sei eine „Weltinnenpolitik“. Die Menschen hätten begriffen: „Wir alle gehören zusammen. Wir leben in einer Welt.“ Dazu habe auch die Berichterstattung beigetragen und die Tatsache, dass ein Teil der betroffenen Regionen touristische Ziele seien. „Wir sehen unsere Welt neu, wir entdecken Partnerschaften mit entfernten Regionen, und wir schöpfen so neue Kraft zum Handeln. Das gibt Hoffnung. Und das macht Mut.“

Die Flutwelle zeige zudem, dass es nicht ausreiche, nur auf technischen Fortschritt zu achten. Es müsse sich ein neues Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Natur entwickeln.

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