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19.01.2016

12:04 Uhr

Köln und die Folgen

Polizist und Behördenchef Mathies wird Kölns neuer Polizeipräsident

Nach den Silvester-Übergriffen musste Kölns Polizeipräsident Albers gehen. Als Nachfolger präsentiert NRWs Innenminister einen „erfahrenen Polizeipraktiker“, der am Sicherheitskonzept für die WM 2006 mitgearbeitet hat.

Der ehemalige Leitende Polizeidirektor wird die Nachfolge von Wolfgang Albers antreten. dpa

Jürgen Mathies

Der ehemalige Leitende Polizeidirektor wird die Nachfolge von Wolfgang Albers antreten.

DüsseldorfDer bisherige Leiter des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste, Jürgen Mathies, wird neuer Polizeipräsident von Köln. Entsprechende Medienberichten wurden der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag aus Polizeikreisen bestätigt. NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) will den Nachfolger des in den Ruhestand versetzten Wolfgang Albers am Nachmittag in Köln vorstellen.

Jäger hatte Albers nach den sexuellen Übergriffen und Raubdelikten an Silvester in Köln in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Sein Nachfolger Mathies gilt als erfahrener Polizist und Behördenleiter. Er trat 1977 in den Polizeidienst des Landes NRW ein, wie der Internetseite des Landesamtes zu entnehmen ist. Nach seiner Ausbildung versah er zunächst Wachdienst beim Polizeipräsidium Köln.

Stimmen zu den Übergriffen in Köln

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker...

... bezeichnete die Vorfälle im „Kölner Stadt-Anzeiger“ als „ungeheuerlich“. Es könne nicht sein, dass Besucher, die nach Köln kämen, Angst haben müssten, überfallen zu werden. „Wir können nicht tolerieren, dass hier ein rechtsfreier Raum entsteht“, sagte die parteilose Politikerin der Zeitung. Polizei und Bundespolizei seien „dringend gefordert“. Es müssten Schritte unternommen werden, um „insbesondere Frauen vor solchen Übergriffen zu schützen“. Möglicherweise müsse man auch die Video-Überwachung im Hauptbahnhof ausweiten.

NRW-Innenminister Ralf Jäger...

... (SPD) reagierte scharf auf die Ereignisse. „Wir nehmen es nicht hin, dass sich nordafrikanische Männergruppen organisieren, um wehrlose Frauen mit dreisten sexuellen Attacken zu erniedrigen“, zitierten der Kölner „Express“ und der „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Dienstag) den Minister. „Deshalb ist es notwendig, dass die Kölner Polizei konsequent ermittelt und zur Abschreckung Präsenz zeigt.“

Die FDP-Landtagsfraktion...

... forderte, dass Innenminister Ralf Jäger im Innenausschuss Ende Januar Rede und Antwort zu den Übergriffen stehen müsse. „Wenn es selbst mit einem aufgrund der Silvesternacht bereits verstärkten Aufgebot an Einsatzkräften der Polizei nicht mehr gelingt, Straftaten mit Nachdruck zu unterbinden und Täter unverzüglich festzusetzen, gerät unser Rechtsstaat ins Wanken“, sagte der innenpolitische Sprecher der Fraktion, Marc Lürbke, laut Mitteilung.

Der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert...

... sagte, erst als zwischen 1 und 1.30 Uhr bei der Kölner Polizei und Bundespolizei die ersten Anzeigen erstattet wurden, habe die Polizei von dem „massiven Vorgehen“ erfahren. Die Vorfälle hätten eine neue Qualität. „Das ist im Prinzip ein organisiertes Vorgehen, was wir da festgestellt haben“, sagte Plickert. Es müsse ermittelt werden, wie es eigentlich möglich gewesen sei, „dass diese Tausend nach Köln gekommen sind und sich da getroffen haben“.

Bundesjustizminister Heiko Maas...

... hat einen besseren Schutz vor Gewalt in den Städten verlangt. „Die feigen und abscheulichen Übergriffe werden wir nicht hinnehmen", erklärte er. „Das ist offenbar eine völlig neue Dimension organisierter Kriminalität." Alle Täter müssten ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Menschen in unseren Städten blanker Gewalt schutzlos ausgeliefert sind."

Polizeipräsident Wolfgang Albers...

... bezeichnet die Vorfälle als „Straftaten einer völlig neuen Dimension. Es ist ein unerträglicher Zustand, dass mitten in der Stadt solche Straftaten begangen werden“, sagte er am Montag.

CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach...

... fordert eine Befassung des Bundestags mit den Gewalttaten in der Silvesternacht in Köln. „Es wäre sinnvoll, wenn sich der Innenausschuss des Bundestags mit den Vorgängen in Köln in der Silvesternacht beschäftigen würde, weil der Bahnhof und das Bahnhofsgelände in der Verantwortung der Bundespolizei liegt", sagte Bosbach der „Rheinischen Post". Die Bundespolizei sei dort für Gefahrenabwehr und die Aufklärung von Straftaten verantwortlich. „Im Bahnhofsumfeld ist die Landespolizei NRW zuständig. Es stellen sich zwei Fragen: Hatten wir genügend Kräfte und wie läuft die Kooperation zwischen Bundespolizei und Landespolizei?"

CDU-Politiker Jens Spahn...

... fordert einen erneuten gesellschaftlichen „Aufschrei“. „Wo ist eigentlich d #aufschrei, wenn es wirklich einen braucht? Bei Dirndlwitzen lautstarke Helden überall, jetzt aber betretenes Schweigen“, twitterte Spahn am Dienstag. Mit dem Hashtag #Aufschrei berichteten vor rund zwei Jahren Internetnutzer von Sexismus-Erfahrungen und Belästigungen im Alltag. Ausgelöst hatte die Debatte damals eine Dirndl-Bemerkung des FDP-Politikers Rainer Brüderle zu einer Journalistin.

Nach dem Studium an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und der Ausbildung zum höheren Dienst mit Studium an der Polizei-Führungsakademie in Münster nahm Mathies mehrere Führungsfunktionen in den Kreispolizeibehörden Siegburg und Köln wahr. In der Folgezeit wechselte er ins Düsseldorfer Innenministerium.

Von 2001 bis 2006 war Mathies als Vorsitzender einer bundesweiten Projektgruppe für die Erarbeitung des Polizeikonzepts bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland verantwortlich. 2007 übernahm er die Leitung des Duisburger Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste. Der 1960 geborene Mathies ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) begrüßte die Berufung von Mathies zum Chef der Kölner Polizeibehörde, die mit mehr als 5000 Beschäftigten die größte in NRW ist. Mathies sei ein „erfahrener Polizeipraktiker", der nicht nur zuletzt eine Großbehörde der Polizei erfolgreich geführt, sondern auch das Sicherheitskonzept für die Fußball-WM 2006 „maßgeblich miterarbeitet" habe, erklärte der GdP-Landesvorsitzende Arnold Plickert in Düsseldorf.

„Mit ihm wird ein Polizist an die Spitze der größten Polizeibehörde in NRW gestellt, der in der Lage ist, das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizei wieder herzustellen", fügte Plickert hinzu. Die GdP bewertete es zudem als positiv, dass Jäger die Kölner Personalentscheidung zügig getroffen habe. "Damit ist der Weg frei, dass sich die Kölner Polizei wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentriert", erklärte Plickert.

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