Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2017

14:19 Uhr

Kölner Polizei korrigiert sich

An Silvester vor allem Iraker und Syrer am Hauptbahnhof

Etwa 2000 „nordafrikanisch beziehungsweise arabisch aussehende junge Männer“ kamen laut Polizeiangaben in der Silvesternacht zum Kölner Hauptbahnhof. Der Haken an dieser Polizeimeldung: Sie stimmte nicht.

Vor dem Kölner Hauptbahnhof: Polizisten überprüften in der Silvesternacht 2500 Personen. dpa

Silvestereinsatz

Vor dem Kölner Hauptbahnhof: Polizisten überprüften in der Silvesternacht 2500 Personen.

KölnDie in der letzten Silvesternacht nach Köln angereisten jungen Männer waren möglicherweise mehrheitlich nicht aus Nordafrika. Die Kölner Polizei teilte am Freitag mit, dass insgesamt etwa „2000 nordafrikanisch beziehungsweise arabisch aussehende junge Männer“ zum Hauptbahnhof und zum Deutzer Bahnhof gekommen seien. In 674 Fällen habe man gesicherte Personendaten, in 425 Fällen könne man etwas zur Nationalität sagen. Von diesen 425 waren 99 Iraker, 94 Syrer, 48 Afghanen und 46 Deutsche. 17 waren Marokkaner und 13 Algerier. Die restlichen Nationalitäten wollte die Polizei vorerst nicht bekannt geben.

Ein Polizeisprecher schränkte allerdings ein, die Angaben seien nur vorläufig. „Die Nationalitäten, die hier präsentiert sind, sind vielfach Angaben, die wir noch überprüfen müssen.“ Aus Asylverfahren wisse man, dass sich viele Menschen, besonders Nordafrikaner, als syrische Kriegsflüchtlinge ausgäben, sagte der Sprecher.

Silvester in NRW: Polizei steht für Bezeichnung „Nafris“ in der Kritik

Silvester in NRW

Polizei steht für Bezeichnung „Nafris“ in der Kritik

Köln hat ein Silvesterfest unter massivem Polizeischutz erlebt. Am Hauptbahnhof setzten Polizisten Verdächtige fest und verhinderten erneute Übergriffe. Ein Tweet der Kölner Polizei ruft nun Kritiker auf den Plan.

Am Neujahrstag hatte die Polizei gesagt, die überprüften Männer seien ganz überwiegend Nordafrikaner gewesen. Die Polizei war dafür kritisiert worden, dass sie in der Silvesternacht in einem Tweet geschrieben hatte: „Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.“ „Nafri“ ist eine polizeiinterne Abkürzung für Nordafrikaner. Polizeipräsident Jürgen Mathies hatte die öffentliche Verwendung anschließend bedauert.

In der Silvesternacht vor einem Jahr war es am Kölner Hauptbahnhof zu zahlreichen sexuellen Übergriffen und zu massenhaften Diebstählen gekommen. Die meisten Verdächtigen waren damals Nordafrikaner. Dieses Mal war die Polizei mit 1700 Beamten vor Ort. Erneut kamen nach Polizei-Angaben etwa 2000 junge Männer nach Köln, von denen viele aggressiv auftraten. Die Polizei überprüfte diese Männer und verhinderte dadurch nach eigener Einschätzung eine Wiederholung der Straftaten vom Jahr zuvor. Es wurden dieses Jahr rund um den Kölner Hauptbahnhof nur sehr wenige Delikte angezeigt.

Ein kleines Polizeijargon-Glossar

Nafri

Nordafrikanischer Intensivtäter

Limo

Linksmotivierter Straftäter

Remo

Rechtsmotivierter Straftäter

Ladi

Ladendieb

Rubu

Person aus Rumänien oder Bulgarien

Bap

Besonders auffällige Person

Hilope

Hilflose Person, Betrunkener

Exi

Exhibitionist

EVL

Schwarzfahrer (die Abkürzung steht für „Erschleichung von Leistungen“)

Hufü

Hundertschaftsführer

Adler machen

Person wird durchsucht, muss sich mit den Händen an die Wand stellen

Fackel anmachen

Blaulicht einschalten

Gefasa

Gefangenensammelstelle

Die Kölner Polizei hat ihre Angaben zur Nationalität der an Silvester am Hauptbahnhof kontrollierten jungen Männer korrigiert. Unmittelbar danach hatte die Polizei gesagt, es habe sich bei den 650 überprüften Personen überwiegend um Nordafrikaner gehandelt. Zwei Wochen später ergibt sich nun ein anderes Bild. Demnach stammten die überprüften Männer zu einem großen Teil aus dem Irak, aus Syrien und Afghanistan, aber nur zu einem geringen Teil aus Nordafrika.

Insgesamt kamen nach Polizei-Angaben vom Freitag in der Silvesternacht etwa 2000 „nordafrikanisch beziehungsweise arabisch aussehende junge Männer“ zum Kölner Hauptbahnhof und zum Deutzer Bahnhof.

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.01.2017, 14:41 Uhr

Es muss für manche Bürger zwischenzeitlich wie Spott und Hohn klingen, was so nun an die Öffentlichkeit gelangt.

Wir haben uns geirrt. Wir haben es falsch eingeschätzt. Davon konnten wir nicht ausgehen. Das sind neue Phänome von denen wir noc hnichts wussten.

Wir glaubten... und die Liste des Versagens wird immer länger.

Es wird in Zukunft für die Bürger immer schwieriger werden, diesem Staat vertrauen zu können, wo über 40 Instanzen im Fall Amri versagt haben.

Viele Köche verderben ein ganzes Land, so möchte man hier hören können.

Account gelöscht!

13.01.2017, 14:43 Uhr

Und dafür werden Steuergelder regelrecht verschleudert. Hier wäre der Bund der Steuerzahler e.V. in Berlin wieder einmal gefragt.

G. Nampf

13.01.2017, 14:52 Uhr

Ich glaube eher, daß die Polizei sich bezüglich der Nationalität nicht "geirrt" hatte, sondern daß die Korektur politisch verordnet ist, nachdem die Debatte um "Nafris" so hochgekocht ist

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×