Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.01.2005

19:37 Uhr

Kofi Annan appelliert an Weltgemeinschaft

Deutschland hat Lehren aus Nazi-Verbrechen gezogen

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat der Weltgemeinschaft versichert, dass die Bundesrepublik „von der historischen-moralischen Verantwortung für Auschwitz tief geprägt“ ist. Die barbarischen Verbrechen des Nazi-Regimes seien „für immer Teil der deutschen Geschichte“, sagte Fischer am Montag in New York bei einer Sondersitzung der UN-Vollversammlung zum Gedenken an die Befreiung der NS-Vernichtungslager vor 60 Jahren.

HB NEW YORK. Wie Fischer betonten auch zahlreiche weitere Regierungsvertreter, dass ihre Staaten die Forderung „Niemals wieder!“ ernst nähmen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekämpften. Fischer sagte, es sei auch nach 60 Jahren noch schwer, den Schmerz und die Erniedrigung der Opfer in Worte zu fassen. „Wir verneigen uns heute vor allen Opfern des nationalsozialistischen Terrorregimes und gedenken ihrer in tiefer Trauer.“

Durch seine Geschichte sei Deutschland besonders verpflichtet, „jede Form von Antisemitismus, aber auch Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz zu ächten und zu bekämpfen“, sagte Fischer. Er betonte, dass Deutschland durch seine Verantwortung für den Holocaust besonders gegenüber Israel verpflichtet sei. „Das Existenzrecht des Staates Israel und die Sicherheit seiner Bürgerinnen und Bürger wird immer unverhandelbare Grundposition deutscher Außenpolitik sein.“

Der israelische Außenminister Silvan Shalom sagte, für sechs Millionen vom NS-Regime ermordete Juden seien die Gründung des Staates Israel sowie der Organisation der Vereinten Nationen zu spät gekommen. Es sei aber nicht zu spät, für eine internationale Gemeinschaft zu wirken, die sich zu den Werten der UN bekennt. „Das bedeutet, kompromisslos gegen jedwede Intoleranz gegenüber Menschen aller Glaubensrichtungen und aller Volkszugehörigkeiten zu kämpfen.“

UN-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an die Weltgemeinschaft, ein Wiederaufleben des Antisemitismus sowie jedweder neuen Formen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu bekämpfen. „Seit dem Holocaust hat die Welt zu ihrer Schande mehr als einmal versagt, als es darum ging, Völkermord zu verhindern oder zu beenden.“ Dies sei zum Beispiel in Kambodscha, in Ruanda und im früheren Jugoslawien der Fall gewesen. Derzeit würden in der sudanesischen Provinz Darfur schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt, möglicherweise habe es gar auch dort Völkermord gegeben.

„Doch die Tragödie des jüdischen Volkes war einzigartig“, betonte Annan. Die Vereinten Nationen dürften niemals vergessen, dass die Weltorganisation als Reaktion auf die Verbrechen des Nationalsozialismus sowie unter dem Eindruck der Horrorbilder des Holocaust geschaffen wurde.

Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel sagte, es sei bis heute unfassbar, wie so viele gebildete Deutsche sich schuldig machen konnten. „Wie konnten intelligente und gebildete Menschen tagsüber mit Maschinengewehren auf hunderte Kinder schießen und sich am Abend an den Versen Schillers oder einer Partitur von Bach erfreuen?“ Es sei aber auch zu fragen, ob die damaligen Westmächte nicht viel mehr hätten tun können, „um die Tragödie des jüdischen Volkes zu verhindern oder wenigstens ihr Ausmaß zu verringern“.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×