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10.10.2014

07:31 Uhr

Kohl-Buch in der Debatte bei Phoenix

Süssmuth sinnt nicht auf Rache am Altkanzler

VonStefan Kreitewolf

Altkanzler Kohl soll Rita Süssmuth als „ganz klar hinterfotzig“ eingestuft haben. Doch die Kritisierte hält sich zurück. Bei Phoenix wärmt sie Kohl-Clichés auf. Ihr Auftritt wird zur peinlichen Posse.

Altkanzler Helmut Kohl

"Buch schildert die Wahrheit"

Altkanzler Helmut Kohl : "Buch schildert die Wahrheit"

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Rita Süssmuth hat eigentlich nichts mehr zu verlieren. Ihre politische Karriere ist lang vorbei und ihre Verdienste werden hoch geschätzt. In der aktuellen Debatte um Kohls schriftliches Vermächtnis hätte sie gegenüber ihrem alten Chef, der sie als „ganz klar hinterfotzig“ einstufte, nachtreten können. Doch Süssmuth sinnt nicht auf Rache.

Vielmehr nimmt sie den Altkanzler in der Phoenix-Runde am Donnerstagabend in Schutz: „Ein Machtmensch“ sei er gewesen, „aber seelenlos nicht“, sagt sie und betont ihre „hohe Wertschätzung“ für den Mann, der sie politisch und persönlich „stärker gemacht“ habe. Der Altkanzler sei kein „Opfer“, obwohl ihn durch seine Krankheit „ein dramatisches Schicksal“ ereilt habe.

Sie betonte Kohls „herausragende Leistung“ bei der deutschen Wiedervereinigung und seine Rolle als „europäischer Föderalist“. Mit dem Bild des Sauerbratens in Oggersheim wurde die Phrasenpalette zu Kohl komplettiert, der bekanntlich sein „Herz auf der Zunge“ getragen habe. Dass dies immer noch so ist, wünscht ihm heutzutage niemand mehr.

Zwar müsse das „öffentliche Interesse“ gewahrt bleiben, eine klare Positionierung zur aktuellen Debatte um Kohls Memoiren ließ Süssmuth allerdings gänzlich vermissen. Ihrer Ansicht nach sei es Sache der Gerichte „über Recht und Unrecht“ zu entscheiden. Damit verpasste Süssmuth das Thema der Sendung. Ihr Beitrag zur wohl brisantesten Debatte um Ex-Bundeskanzler Kohl seit der CDU-Spendenaffäre, verkommt zur peinlichen Posse: Nach 45 Minuten Sendung bleibt von Süssmuth wenig Meinung und viel Cliché.

Ihre Gesprächspartner versuchten das Vakuum zu füllen: Während der Publizist Hugo Müller-Vogg das Verhalten des umstrittenen Autors Heribert Schwan als „zutiefst unanständig“ beschrieb, bezeichnete der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter die jüngsten Veröffentlichungen als „öffentlichkeits- und geldgeile Attitüde“ und nannte Schwan einen „merkwürdigen Protokollanten“. Am Ende blieb es Moderator Alexander Kähler überlassen, den relevantesten Satz des Abends zu formulieren: „Das Private ist politisch.“

Kommentare (6)

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Herr wulff baer

10.10.2014, 08:56 Uhr

Also eines muß man dem AK-Kohl lassen, bei der Beurteilung seiner Mitarbeiter trifft er immer voll ins Schwarze.

Seine Beurteilungen entsprechen auch der Meinung des Volkes.

Seine historischen "Leistungen" dagegen sind katastrophal schlecht:

Dilettantisch und ungeplant durchgeführte "Wende" zum Nachteil der Westdeutschen mit 2000 Milliarden unwiederbringlich versenktem Geld.

Trotz der "blühenden Landschaften" greift jeder 2.Zoni Sozialtransfers ab.

Die schlimmste Tat von AK-Kohl:
Ohne Not Eintritt in die Transfer-Union der EU-Pleitegeier und Kreditbetrüger, die unseren Wohlstand vernichten wird.

Herr Paul Müller

10.10.2014, 09:17 Uhr

"...zum Nachteil der Westdeutschen..." Falsch.
Richtg: Zum Nachteil der meisten West- und Ostdeutschen. Goldgräberstimmung dagegen für wenige Spekulanten (mehrheitlich aus dem Westen) die nur eine Krawatte brauchten, um Millionengeschenke von der Treuhand entgegen zu nehmen und dann auszuschlachten. So sind die von Ihnen genannten Sozialfälle entstanden.

Herr wulff baer

10.10.2014, 10:02 Uhr

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