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27.09.2012

16:54 Uhr

Kohl und Merkel

Anatomie einer Feindschaft

VonRüdiger Scheidges

30 Jahre nach Amtsantritt der„Kanzler der Einheit“ von seiner Partei gefeiert. Doch Helmut Kohl ist Geschichte, das Zerwürfnis zwischen Altkanzler und seiner Nachfolgerin Angela Merkel nicht reparable. Eine Zeitreise.

Das Verhältnis zwischen Altkanzler Kohl und seinem einstigen „Mädchen“ gilt bis heute als schwierig. dpa

Das Verhältnis zwischen Altkanzler Kohl und seinem einstigen „Mädchen“ gilt bis heute als schwierig.

Draußen vor der Tür ist das Wetter garstig und wie von der Opposition gebraut, drinnen trinkt die CDU-Generalsekretärin wärmenden Kaffee. Angela Merkel erhebt sich vom Tisch in der hintersten Ecke des geräumigen Cafés beim Checkpoint Charly, an dem sie mit einem linken, süddeutschen Leitartikler sitzt. Strahlend und augenzwinkernd kommt sie herüber. Ihr Blick strahlt, triumphal tönen ihre Worte: „Geben Sie es zu! Auch Sie haben es mir nicht zugetraut, ihm den Ehrenvorsitz zu nehmen.“

Wir befinden uns im Januar 2000: Der CDU-Vorstand hat vor ein paar Stunden, von Angela Merkel aufgestachelt, dem Patriarchen Kohl den Thron weggetreten und ihn zur Selbstenthauptung aufgerufen. „Der Bundesvorstand ist der Überzeugung, dass Helmut Kohl seine Pflichten als Ehrenvorsitzender verletzt, wenn er sich weiterhin weigert, seinen Beitrag zur Bewältigung der Krise und zur Aufklärung der Verfehlungen zu leisten. Solange er diesen Beitrag nicht leistet, sollte er sein Amt als Ehrenvorsitzender ruhen lassen.“  Im politischen Berlin ist nichts mehr wie es war. Das Mädchen hat seinem Ziehvater erst die Macht und dann den Rest Ehre geraubt.

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Der Politikwissenschaftler Hans-Peter Schwarz hat sich ausführlich mit dem Leben und Wirken Helmut Kohls beschäftigt. Er zeichnet ihn als respektablen Europäer - aber er spart auch dunkle Kapitel nicht aus.

Zwölf Jahre später feiert die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung den Altkanzler mit einer großen Veranstaltung in Berlin - aus Anlass seines Amtsantritts am 1. Oktober vor 30 Jahren. Im Deutschen Historischen Museum werden der ehemalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors und der Mainzer Bischof Karl Kardinal Lehmann sprechen. Und natürlich auch Angela Merkel.

Zwölf Jahre sind vergangen seit jener Szene am Checkpoint Charly, doch für Kohl, für Merkel und für viele ihrer Weggefährten sind die Ereignisse von damals noch immer präsent. Weil sie die CDU geprägt haben. Daher lohnt sich eine Zeitreise, gerade jetzt.

Merkels Triumphgefühle nach dem Vatermord waren nicht einmal ehrenrührig. Sie handelte in Notwehr. Denn der Patriarch drohte die Partei ins Verderben zu ziehen. 

Kommentare (1)

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Radek

27.09.2012, 17:42 Uhr

Man sollte es nicht vergessen, Kohl ist kein Mann von "Ehre" sondern ein "Ehrenmann" der sehr speziellen Art.
Er gehört in die Riege der Herren vom Zuschnitt eines Herrn Zumwinkel, Kanther, Leisler-Kiep u.a.
Pech für den Erstgenannten, dass dieser trotz vorzüglicher Verbindungen kein Politiker war, also hatte er den Staatsanwalt am Hals und Ermittlungsbehörden im Haus.
Kohl wurde vom "Schicksal" auf andere Weise geschlagen.

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