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30.06.2014

12:50 Uhr

Kohlehäfen am Great Barrier Reef

Gabriel soll das Riff retten

VonDietmar Neuerer

ExklusivDas weltgrößte Korallenriff, das Great Barrier Reef, ist bedroht: Australien will riesige Kohlehäfen bauen – und die deutsche Staatsbank KfW ist an Bord. Umweltschützer fordern, dass der Wirtschaftsminister eingreift.

Luftaufnahme des Great Barrier Riffs vor der Küste Australiens: Gefahr durch rasante industrielle Entwicklung des Landes. dpa

Luftaufnahme des Great Barrier Riffs vor der Küste Australiens: Gefahr durch rasante industrielle Entwicklung des Landes.

BerlinMehrere Umweltorganisationen halten es für unverantwortlich, dass die staatliche Förderbank KfW Geld für ein Kohlehafenprojekt in Australien gibt, dass in der Nähe des ökologisch sensiblen Welterbes Great Barrier Reef liegt. Sie fordern, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) als Vorsitzender des KfW-Verwaltungsrats sein Veto gegen das Projekt einlegt. Das Thema könnte bereits am Mittwoch auf der Agenda der Sitzung des KfW-Verwaltungsrats stehen.

Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace Deutschland, verwies auf die Deutsche Bank. Die habe sich schließlich entschieden, als Kreditgeber für ein ähnliches Projekt, den Ausbau des Kohlehafens „Abbot Point“ in der Nähe des Riffs, auszusteigen. „Jetzt müssen die nächsten Schritte gegangen werden, es darf nicht dazu kommen, dass der Hafen gebaut wird und die dabei entstehenden Sedimente das Korallenökosystem des Great Barrier Reef zerstören“, sagte Maack Handelsblatt Online.

Jörn Ehlers vom World Wide Fund For Nature (WWF) in Deutschland warnte die KfW davor, ihre „sinnvollen“ Projekte wie die Finanzierung erneuerbarer Energien oder ihr Einsatz beim Thema Energieeffizienz zu konterkarieren. „Sie darf nicht die eigenen Leistungen entwerten und auch Gelder deutscher Steuerzahler für klimaschutzvernichtende Kohleprojekte einsetzen“, sagte Ehlers Handelsblatt Online. „Wertvolle und nachhaltige Entwicklungspolitik ist mit Kohle nicht vereinbar.“ Die KfW als staatliche Förderbank solle daher ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden und sich aus der Kohlefinanzierung verabschieden.

Steckbrief Great Barrier Reef

Lage

Das Great Barrier Reef erstreckt sich über 2000 Kilometer entlang der Nordostküste Australiens. An seiner schmalsten Stelle ist es rund 40 Kilometer breit, an der breitesten rund 370 Kilometer. Insgesamt bedeckt das Riff eine Fläche von knapp 350.000 Quadratkilometern.

Aufbau

Das Riff besteht aus einer Kette von rund 3000 Einzelriffen und mehreren hundert Inseln, die zwischen 30 und 250 Kilometer vom australischen Festland entfernt sind.

Artenreichtum

Das Riff ist einer der wichtigsten marinen Lebensräume weltweit. Unter anderem beherbergt es etwa 1500 Fischarten, bis zu 8000 Weichtierarten, mehrere hundert Vogelarten und natürlich einen riesigen Bestand an unterschiedlichen Korallen. Zu den vom Aussterben bedrohten Arten, die im Great Barrier Reef leben, gehören Seekühe (Dugongs) sowie Meeresschildkröten wie die Unechte Karettschildkröte.

Gefahren

Seit 1985 hat das Riff etwa die Hälfte seines Korallenbestandes verloren. Schuld daran ist zum einen der globale Klimawandel, der sich in steigenden Wassertemperaturen und Übersäuerung des Meerwassers manifestiert. Zum anderen sorgt das massenhafte Auftreten giftiger Dornenkronenseesterne für erhebliche Schäden. Auch die aufgrund der Klimaveränderung zunehmend heftiger wütenden Stürme schädigen das Riff.

Schutz

1981 wurde das Great Barier Reef von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt. Zudem stehen große Teile des Riffs als „Great Barrier Reef Marine Park“ unter besonderem Schutz. Durch Pläne der australischen Regierung, im Gebiet des Riffs neue Häfen zum Verschiffen von Kohle und anderen Rohstoffen zu bauen, ist der Welterbestatus aktuell gefährdet. Eine Entscheidung über eine mögliche Aberkennung will die UN-Behörde im kommenden Jahr treffen.

Wirtschaftliche Bedeutung

Das Great Barrier Reef ist eines der wichtigsten touristischen Ziele in Australien. Bis zu zwei Millionen Urlauber besuchen pro Jahr den Great Barrier Reef Marine Park. Ein weiterer wichtiger Wirtschaftsfaktor ist der Fischfang, der in dem geschützten Gebiet allerdings nur unter strengen Auflagen erlaubt ist. So ist das Fischen mit Schleppnetzen etwa verboten.

„Das beinhaltet den Ausstieg aus der  Finanzierung von Infrastruktur etwa Häfen oder Kraftwerke genauso wie die Minen selbst“, sagte Ehlers weiter. „Diese Politik muss für die Häfen am Great Barrier Reef genauso gelten wie für ähnliche Projekte  in anderen Teilen der Welt.“ Für einen erfolgreichen Klimaschutz sei ein Ausstieg aus der Kohle „zwingend“ erforderlich. Nur so lasse sich der Klimawandel unter Zwei-Grad Celsius begrenzen.

Die KfW versteht die Aufregung nicht und verteidigte das Engagement ihrer Tochter Ipex-Bank, die mit 110 Millionen Euro den Ausbau des Kohlehafens Wiggins Island unterstützt. Der Entscheidung, eine Reihe von Exporten deutscher Maschinen und Anlagen zum Bau und Betrieb des Hafens zu finanzieren, sei eine „Prüfung gemäß ihren Umwelt- und Sozialrichtlinien“ vorausgegangen, heißt es in einer Mitteilung der KfW. „In dem entsprechenden Environmental Due Diligence Report eines externen Gutachters von 2010 heißt es sinngemäß, dass keine Korallen oder Riffe beeinträchtigt werden und keine signifikanten Umwelt-Auswirkungen zu befürchten sind.“ Das Projekt habe zudem eine umfassende Umweltverträglichkeitsprüfung nach anerkannten australischen Rechtsstandards bestanden.

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