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24.04.2015

09:02 Uhr

Kohlekraft

Umweltbundesamt fürchtet Jobverluste durch Klimaschutz-Abgabe

Das Umweltbundesamt hat errechnet, dass durch die Klimaschutz-Abgabe für alte Kohlekraftwerke rund 4700 Jobs auf dem Spiel stehen. Die von der Kohlewirtschaft kolportierte Zahl von bis zu 100.000 sei aber übertrieben.

Wenn über 20 Jahre alte Kraftwerke ein bestimmtes Kohlendioxid-Limit überschreiten, sollen 18 bis 20 Euro pro weiterer Tonne CO2 fällig werden, die ausgestoßen wird. dpa

Braunkohle-Tagebau Garzweiler

Wenn über 20 Jahre alte Kraftwerke ein bestimmtes Kohlendioxid-Limit überschreiten, sollen 18 bis 20 Euro pro weiterer Tonne CO2 fällig werden, die ausgestoßen wird.

Berlin Das Umweltbundesamt (UBA) rechnet durch die geplante Klimaschutz-Abgabe für alte Kohlekraftwerke mit dem Verlust von 4700 Arbeitsplätzen im deutschen Braunkohlesektor. „Beschäftigungsverluste von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen in der Kohlewirtschaft entbehren jeder Grundlage“, heißt es in einer Studie der Umweltbehörde, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Verdi-Chef Frank Bsirske hatte vor so hohen Verlusten gewarnt. Die Braunkohle-Zentren befinden sich im Rheinland, in der Lausitz und im Mitteldeutschen Revier.

Um das CO2-Minderungsziel in der Stromerzeugung zu erreichen, senke die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Abgabe die Braunkohleemissionen um rund 22 Prozent, heißt es in der Studie. „Geht man vereinfachend davon aus, dass sich der Produktions- und Beschäftigungsrückgang in gleichem Umfang vollzieht, entspräche dies einem Beschäftigungsabbau von etwa 4700 Arbeitsplätzen.“ Mit der Abgabe sollen 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid bis zum Jahr 2020 zusätzlich eingespart werden, um, das gefährdete Klimaziel von 40 Prozent weniger CO2-Emissionen im Vergleich zu 1990 noch zu schaffen.

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Wenn über 20 Jahre alte Kraftwerke ein bestimmtes Kohlendioxid-Limit überschreiten, sollen 18 bis 20 Euro pro weiterer Tonne CO2 fällig werden, die ausgestoßen wird. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte der dpa, es sei wenig hilfreich, mit völlig übertriebenen Zahlen zu operieren. „Tatsache ist, dass der Strukturwandel in der Stromerzeugung seit Jahren im Gange ist.“ Die Beschäftigungszahlen würden seit 15 Jahren sinken. Diese Entwicklung werde sich unabhängig vom Klimaschutzbeitrag fortsetzen. „Statt sich dem unaufhaltsamen Strukturwandel entgegenzustemmen, müssen wir ihn sozial gestalten, um Strukturbrüche zu vermeiden“, sagte Hendricks.

Klar sei, dass die eingesetzte Kohlemenge in Braunkohlekraftwerken durch die Abgabe sinken werde und damit auch die Förderung in den Tagebauen, wird in der UBA-Studie betont. Allerdings bewege sich das in geringem Umfang – etwa 14.000 Personen arbeiteten derzeit noch im Bereich Braunkohletagebau. „Daran gekoppelt sind - ebenfalls in sehr begrenztem Umfang – negative Beschäftigungswirkungen bei Zulieferbetrieben und nachgelagerten Unternehmen, etwa in der Gipsindustrie.“ Zugleich wird in der Studie darauf verwiesen, dass Steinkohle- und Gaskraftwerke mehr Strom produzieren und hier neue Jobs entstehen könnten – gerade Gaskraft ist weit klimafreundlicher.

Fünf Wege in die Energie-Unabhängigkeit

Brennstoffzelle

Autarke Energieerzeugung (nur Strom): 80 bis 100 Prozent

Das geräuschlos arbeitende Gerät gewinnt aus Erdgas Wasserstoff und wandelt diesen in Wärme und Elektrizität um.

Kostet: ca. 25 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 540 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: frühestens nach 24 Jahren

Vorteil: Zweifache Brennstoffausnutzung, leicht nachrüstbar, geringer Wartungsaufwand. Sehr leiste.

Nachteil: Noch nicht ausrechend langzeiterprobt, erst wenige Geräte am Markt. Weiter abhängig von fossilem Brennstoff.

Mini-Blockkraftwerk (BHKW)

Autarke Energieerzeugung (nur Strom): 50 Prozent

Ein Verbrennungsmotor produziert über den Generator Strom. Die Abwärme wird für die Warmwasserbereitung genutzt.

Kostet: 17 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: Einfamilienhaus (EFH) rund 570 Euro, Mehrfamilienhaus (MFH) mind. 1500 Euro

Rechnet sich: EFH nicht unter 30 Jahren, MFH ab 5 Jahren

Vorteil: Die doppelte Ausbeute spart bis zu 60 Prozent Primärenergie. Nachrüstbar und für viele Gebäudetypen geeignet.

Nachteil: Eignet sich nur für Häuser mit hohem Wärmebedarf. Basiert auf fossilem Brennstufen. Wartungsintensiv.

Sonnenkollektor

Autarke Energieerzeugung: 50 Prozent

Der Kollektor leitet die Sonnenwärme in einen Speicher. Ein Stab erhitzt das Wasser fürs Baden, Spülen und Heizen bei Bedarf nach. Der Dachstrom versorgt elektrische Geräte.

Kostet: ca. 30 000 Euro

Spart an Strom- und Energiekosten: rund 625 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 29 Jahren

Vorteil: Basiert auf bewährter Technik, und es ist kein separates Heizsystem notwendig. Weitgehend wartungsfrei.

Nachteil: Wegen des hohen Strombedarfs für den Heizstab extrem lange Amortisationszeit. Geringer Autarkiegrad.

Fotovoltaik/Wärmepumpe/Batterie

Autarke Energieerzeugung: 80 bis 100 Prozent

Ein Teil des Solarstroms treibt die Pumpe an, die der Außenluft oder dem Erdreich Wärme fürs Heizen entzieht. Der Rest wird selbst verbraucht oder verkauft.

Kostet: ca. 35 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 1765 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 13 Jahren

Vorteil: Hohe Unabhängigkeit von Energiepreisen. Hoher Eigenverbrauch des Stroms günstiger als Einspeisung.

Nachteil: Teuer, wird entabler, falls der Bund den Batteriekauf bezuschusst. Nur bei südlicher Dachausrichtung rentabel.

Fotovoltaik/Wärmepumpe/Batterie/Wind

Autarke Energieerzeugung: 85 bis 100 Prozent

Mit dem Dachstrom betreibt der Hausbesitzer Kühlschrank und TV oder speichert ihn in einer Batterie. Die Wärmepumpe stellt heißes Wasser fürs Heizen und Duschen bereit.

Kosten: Ca. 43 000 Euro

Spart an Strom- und Heizkosten: rund 2020 Euro inklusive Einspeisevergütung

Rechnet sich: nach etwa 15 Jahren

Vorteil: Höchste Unabhängigkeit von steigenden Energiepreisen. Das Windrad gleicht im Winter den niedrigen Solarertrag aus.

Nachteil: Sehr teuer, aber Bund plant Zuschüsse zur Batterie. Windrad in manchen Bundesländern genehmigungspflichtig

Außerdem würde der zunehmende Export von Braunkohlestrom ins Ausland zurückgehen. „Er treibt nicht nur im Inland die CO2-Emissionen in die Höhe, sondern führt unter anderem auch dazu, dass in den Nachbarländern klimafreundlichere Gaskraftwerke vom Markt verdrängt werden“, wird betont. Hauptgrund ist, dass die Preise für CO2-Verschmutzungsrechte im EU-Emissionshandel sehr niedrig sind. Für Samstag haben mehrere Gewerkschaften zu einer Demonstration gegen die Pläne in Berlin aufgerufen. Gabriel betont, das er das auch von der Union scharf kritisierte Konzept vorab mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) besprochen hat - wie ein Kompromiss aussehen kann, ist unklar.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

24.04.2015, 14:18 Uhr

Klimaschutz? Nein, in Deutschland soll es keine Arbeitsplätze mehr geben. Alle Arbeitsplätze ins Ausland! Zahlen die Ausländer dann auch für uns, wie wir jetzt als Sozialamt der Welt für alles zahlen?

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