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02.03.2011

10:54 Uhr

Kommentar

Aus der Affäre Guttenberg nichts gelernt

VonFlorian Kolf

Der Umgang mit dem Rücktritt von Guttenberg zeigt schonungslos die Defizite in der politischen Kultur in Deutschland auf. Statt Stellung zu beziehen, setzt die Regierung auf durchwursteln. Ein Kommentar von Florian Kolf

Quelle: Pablo Castagnola

Guttenberg hat in seiner Rücktrittserklärung viel von Verantwortung gesprochen, Verantwortung für das Amt als Verteidigungsminister, Verantwortung für die Soldaten. Doch der eine entscheidende Satz fehlte: „Ich übernehme Verantwortung für das, was ich getan habe.“

Das und nur das hätte die Begründung für seinen Rücktritt sein müssen.

Ähnliche Reflexe beherrschen das politische Berlin. Kaum einer hält inne und nimmt den Fall zum Anlass einmal darüber nachzudenken, wie viel moralische Integrität für ein solch herausragendes Staatsamt wie das eines Ministers notwendig ist. Es reicht eben nicht, nur sein politisches Handwerk gut zu beherrschen.

Stattdessen wird die Nachfolgeregelung nach den bekannten Mustern vollzogen, streng nach regionalem und politischem Proporzdenken. Das wichtigste Ziel scheint zu sein, eine Lösung zu finden, die sich möglichst geräuschlos durchziehen lässt. Nach dem Theater um Guttenberg ist offenbar Ruhe die erste Regierungspflicht.

Kaum einer redet auch davon, welche Person am besten geeignet ist, die Herkulesaufgabe der gerade erst begonnen Bundeswehrreform zu Ende zu führen. Das Amt braucht einen Fachmann, der es schafft, auch unter dem Spardiktat die Truppe zu einer schlagkräftigen Armee umzubauen, die den neuen Herausforderungen der Auslandseinsätze gewachsen ist. Der nicht nur ankündigt, sondern auch umsetzt.

Kommentare (46)

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pylox

02.03.2011, 12:19 Uhr

Diesem Kommentar kann ich nur vollstens zustimmen. Ich kann dieses politische Schmierentheater nicht mehr ertragen. Was ich nicht nachvollziehen kann, sind die Symphatiebekundungen für Guttenberg - er hat seine Glaubwürdigkeit verspielt, die er für sich in Anspruch genommen hat. Ein weiterer Blender...

efw

02.03.2011, 12:24 Uhr

Wir haben schon mal den traurigen Weg gemacht von der Dolchstoßlegende zur Frage, die heute wohl heissen müßte: Wollt Ihr den totalen Guttenberg?
Vielleicht würde ja auch jetzt die Herdenblödheit** ausreichen, um die Antwort !Ja! heissen zu lassen.
** Fussnote: Dieses Wort ist dem Buch "Sprung ins Wir" von Dietmar Hansch entnommen.

R.Ruf

02.03.2011, 12:48 Uhr

Gut, Herr Kolf, Sie kümmern sich auch um die "Tiefendimension" der Affaire Guttenberg. Ohne Glaubwürdigkei, Innehalten und ein Mea Culpa das trägt und
den Stempel eines wirklichen Schuldbekenntnisses trägt kann Guttenberg keinen zweiten Neustart vollziehen. Mal schauen wie weit Erziehung und Abstammung seinen wahren Charakter zu formen in Stande war, im positiven wie im negativen Sinn.

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