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18.09.2011

18:40 Uhr

Kommentar

Berlin tickt anders

VonOliver Stock

Bei der Berlin-Wahl triumphiert die Piratenpartei und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erhält einen Dämpfer. Auch wenn der SPD-Mann weiterregieren kann, bundespolitisch dürfte er das Nachsehen haben.

Eine Piratenflagge. dpa

Eine Piratenflagge.

DüsseldorfDas war's. Klaus Wowereit hätte derjenige unter den SPD-Politikern sein können, der mit einem Wahlsieg im Rücken den Durchmarsch zum Kanzlerkandidaten seiner Partei hätte schaffen können. Er wäre unter den Steinbrücks, Steinmeiers und Gabriels der einzige gewesen, der zeigen konnte, dass er Wahlen gewinnen kann. Doch aus diesem Szenario wurde nichts. Wowereit hat Verluste eingefahren. Mit seinem Ergebnis hat er im Bund das Nachsehen.

Das ist gut so, denn Berlin tickt anders. In der Hauptstadt ziehen jene Themen, die die Berliner Gesellschaft diskutiert. Es geht um sozialen Frieden, um den Umgang mit Migranten, um die Frage, wie Arbeitslose wieder eine Aufgabe finden können. So etwas, wie die Euro-Rettung, die Energiepolitik, der Umgang mit Ländern wie Libyen - all das haben die Berliner eher ausgeblendet. Deswegen sind Berliner Politiker nicht automatisch Bundespolitiker und deswegen wäre ein Gewinner Wowereit nicht automatisch ein guter Kanzlerkandidat gewesen.

Gestolpert ist er, der Berlin versteht - und das ist die Ironie bei dieser Wahl - über ein sehr Berlinerisches Phänomen. Es nennt sich Piraten-Partei und besteht aus einer Gruppierung, die sich so deutlich vom politischen Establishment abhebt, dass sie damit besonders in Berlin diejenigen ansprechen konnte, die mit den Würdenträgern herkömmlicher Prägung nichts anzufangen wissen. Ob bei dieser Partei aus Protest ein Programm werden kann, dürfen wir getrost bezweifeln.

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online. Pablo Castagnola

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online.

Das war's auch für die FDP. Die Liberalen haben die vierte Landeswahl in Folge krachend verloren. Klar ist: Der neue Vorsitzende Philipp Rösler schafft es nicht, die Partei aus dem Tal der Tränen zu reißen. Damit hat die CDU, die in Berlin einen Sieg errungen hat, ein Problem, das diesen Sieg bitter macht: Auf ihren natürlichen Koalitionspartner können die Christdemokraten nicht länger zählen.

Es stimmt: Berlin ist nicht Deutschland. Aber es stimmt auch: Der Protest gegen die großen Volksparteien wird lauter. Unterkriegen lassen sich die Altvorderen davon allerdings noch lange nicht.

Kommentare (6)

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M.Schroeter

18.09.2011, 19:04 Uhr

Warten wir's ab, Herr Stock, ob das nur ein Leuchtfeuer im Turm der politisch Entäuschten sein wird. Ich sehe die Piraten als einzige, die den digital lifestyle verkörpert, der unser aller Leben zu einem Großteil inzwischen bestimmt.

Wenn die Firma Jurasoft, nicht allen verantwortlich zeichnend für die weitverbreitete Anwaltssoftware RA-MICRO, 20.000 EUR als Parteispende an die Piraten gehen lässt, dann kann man davon ausgehen, daß dies erst der Anfang eines politischen Wandels ist, der endlich der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung trägt und von einer breiteren Masse unterstützt wird, als Sie gerne weißhaben wollen. Die Altvorderen werden nun endlich begreifen bald in die zweite Reihe zurück treten zu müssen, nachdem es vor zehn Jahren nicht gelang.
Auch Die Wirtschaft wird sich wandeln!

Wir können bei den nächsten Wahlen ja nochmal die heutigen Texte rekapitulieren. Schönen Abend!

Helmers

18.09.2011, 22:26 Uhr

Auf Piraten es gibt viel zu tun, diese verkrustete Politik ohne Richtung und Kompass (laut ex. Bundeskanzler Kohl) muss weggefegt werden, richtet eure Kanonen bundesweit aus und es kracht im Gefüge der sogenannten etablierten Parteien.Dann bitte in allen Bundesländern und nicht wieder abhauen, das ist eines Freibeuters nicht würdig!

jagerkini

19.09.2011, 09:50 Uhr

Berlin hat bewiesen, daß es den höchsten Anteil an Analphabeten hat. Wer Piraten wählt hat entweder das Programm nicht gelesen oder ist dem Irrenhaus entkommen

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