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30.10.2011

10:41 Uhr

Kommentar

Der Kanzler der Herzen

VonThomas Hanke

Peer Steinbrück profitiert vom derzeit alles bestimmenden Thema Finanzmärkte. Damit ist die Kanzlerkandidatenfrage der SPD aber längst nicht ausgemacht. Wenn in zwei Jahren gewählt wird, könnten andere Themen dominieren.

Thomas Hanke leitet das Ressort Meinung und Analyse beim Handelsblatt. Pablo Castagnola

Thomas Hanke leitet das Ressort Meinung und Analyse beim Handelsblatt.

Gäbe es in ein paar Monaten Bundestagswahlen, wäre Peer Steinbrück die Kanzlerkandidatur der SPD wohl kaum zu nehmen. Mit seinem neuen Buch und dem gemeinsamen Auftritt mit Helmut Schmidt bei Jauch und im „Spiegel“ hat Steinbrück sein Ansehen als sozialdemokratische Stabilitätsgarantie vergoldet. Dem sperrigen Spötter mit dem unterkühlten Humor fliegen die Herzen derer zu, die ihr Geld und sich selbst in Sicherheit bringen wollen.

Doch derzeit sieht es danach aus, als würde die Parlamentswahl erst ganz regulär in zwei Jahren stattfinden. Bei dem Tempo, in dem das politische Wetter umschlägt, ist das eine Ewigkeit. Noch im Frühsommer glaubte man, die Grünen könnten seriös mit einem eigenen Kanzlerkandidaten aufwarten. Heute erschiene das wie ein Witz. Auf die SPD übertragen, bedeutet das: Niemand kann heute sagen, wie die Wahlkampfkonstellation 2013 sein wird. Da ein richtiger Kandidat keine zeitlos schöne Größe ist, lässt sich heute nicht sagen, wer passen wird. Stehen die Sorgen über Schulden und den Veitstanz der Finanzmärkte im Vordergrund, läuft es wohl auf Steinbrück hinaus. Dreht sich die politische Auseinandersetzung dagegen viel mehr um Fragen einer ungerechten Einkommens- und Vermögensverteilung, wäre er nicht die Idealbesetzung.

Die SPD wird, um sich anpassen und reagieren zu können, den Kandidaten und das Verfahren seiner Auswahl lange offenhalten und bis dahin ihre Troika Steinbrück, Steinmeier, Gabriel zelebrieren. Das sichert ihr ein Grundrauschen an medialer Aufmerksamkeit, was in heutigen Zeiten viel Geld wert ist. Und es transportiert unterschwellig die Botschaft: Wir haben drei mögliche Spitzenleute, die CDU nur eine.

Davon abgesehen stehen Steinbrücks Chancen recht gut, weil das Thema öffentliche Finanzen immer stärker in den Vordergrund rückt. Nach zwei Jahren permanenter Auseinandersetzung um den Euro und eine übermäßige Verschuldung hat die Konsolidierung eine deutlich höhere Wertigkeit als noch bei der letzten Wahl. Mit dem Bewusstsein der Bürger verändert sich auch die Haltung der SPD, wird der des französischen Sozialisten Hollande ähnlicher, der feststellt: „Das Defizit ist der Feind der Linken und des Landes.“

Sich über dieses Thema mit der CDU auseinanderzusetzen wäre die richtige Rolle für Steinbrück. Aber keine leichte. Wer erinnert sich 2013 noch daran, dass er als Bundesfinanzminister einem ausgeglichenen Etat nahekam – aber dank hoher Einnahmen, nicht durch rigoroses Sparen. Welche Linie ergibt sich aus seinen Aussagen mal gegen, mal für Euro-Bonds? Würde er sich trauen, gegen die CDU einen Wahlkampf mit der Aussage zu führen „Ich bin für die europäische Transferunion“? Als Oppositionspolitiker Kanzler der Herzen zu werden ist eine Leistung. Doch ungleich schwerer ist es, als Kandidat die Herzen und den Verstand zu erreichen.

Sie erreichen den Autor unter: hanke@handelsblatt.com

Kommentare (11)

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smarty_32

30.10.2011, 11:04 Uhr

Die Euro-bonds sidn immer BIS 60% Verschuldung (Mastricht) erklärt worden. Das ist ein großer Unterschied, welcher die Sache rund macht: Mann stabilisiert und zügelt die Länder zu Solidität.
die alternative ist eine Zombie-Zone mit unsicherer Perspektive und Todsparens.
Das beste wäre nicht 2 Jahre zu warten sondern Neuwahlen und einen Kanzler Steinbrück mit der CDU. Dann können die linken unter Nahles rumspinnen ohne Schaden anzurichten.
DESHALB: NEUWAHLEN

HansMeiser

30.10.2011, 11:06 Uhr

Die Pro-Steinbrück Kampagne läuft ja wie geschmiert! Immerhin ist er ja auch schon von den Bilderbergern in St. Moritz in 2011 als nächster deutscher Kanzler ernannt worden.
Jetzt muss er nur der intelligenten Masse als Kanzler der Herzen verkauft werden. Wird schon klappen!

Account gelöscht!

30.10.2011, 11:10 Uhr

Steinbrück als braver solider Geldverwalter sieht passabel aus. Als Kanzlerkandidat genügt es nicht, das Kostüm zu wechseln. Der Mann wirkt ohne Ausstrahlung zu sein, ewig schülerhaft, unbeholfen und ohne Phantasie, schlicht: ihm fehlt jegliche Persönlichkeit für ein starkes Amt auf dem Seil.

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