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20.10.2015

08:47 Uhr

Kommentar

Ein Jahr Pegida ist genug

VonRüdiger Scheidges

Zu viel Zeit, Hass, Gewalt sind ins Land gegangen, bis der Innenminister bemerkt: Pegida-Anhänger sind harte Rechtsextremisten. Die Ressentiments der Galgenbauer rufen nach lautem Einspruch – und nach harten Richtersprüchen.

10.000 Menschen demonstrieren in Dresden. AFP

Pegida

10.000 Menschen demonstrieren in Dresden.

„Inzwischen ist völlig eindeutig, diejenigen, die das organisieren, sind harte Rechtsextremisten.“ Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière (CDU), ein Berufspolitiker mit Wahlkreis in Sachsen, hat genau ein Jahr gebraucht, um zu dieser Einschätzung über Pegida zu gelangen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) legt nach und nennt den Rechtsextremismus in Deutschland besonders gefährlich und brutal.

Viel Zeit, viel Hass, viel Gewalt und viel, viel Volksverhetzung sind seither ins Land gegangen. Zeit, die die „Rattenfänger“ (de Maiziere) für sich nutzen durften, Teile des Volkes gegen Ausländer, Gläubige fremder Religionen, Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge aufzuwiegeln. Zu viel Zeit.

Maizières neue Einschätzung, die vielleicht gar nicht so neu ist, aber jetzt erst von ihm öffentlich gegen die Pegida-Aufwiegler ins Feld der Öffentlichkeit geführt wird, kommt also sträflich spät. Und um ein Haar wäre sie just zu jenem Zeitpunkt veröffentlicht worden, an dem eine deutsche Kommunalpolitikerin von einem Rechtsradikalen fast ermordet worden wäre.

Welch ein Glück für Henriette Reker, die designierte Oberbürgermeisterin von Köln, dass das Attentat auf sie am vergangenen Wochenende zwar gelang, aber nicht zum Mordanschlag glückte! Und welch ein Glück für das Land und auch für den Innenminister, der ja für die Sicherheit im Lande zuständig ist, dass die rechten Galgenvögel von Dresden und anderswo nicht auch das noch mit ihrer Volksverhetzung schaffen konnten – und durften.

Wer sind die Pegida-Demonstranten?

Geschlecht

75 Prozent der Pegida-Teilnehmer sind Männer.

Alter

Die größte Altersgruppe machen mit 37 Prozent die 40- bis 59-Jährigen aus.

Bildung

28 Prozent sind Hochschulabsolventen, 18 Prozent haben das Abitur als letzten Abschluss, 9 Prozent haben eine Meisterprüfung abgelegt.

Beruf

Fast die Hälfte (47 Prozent) sind Angestellte oder Arbeiter, 18 Prozent Rentner und nur 2 Prozent geben an, keine Tätigkeit auszuüben oder Arbeit zu suchen.

Einkommen

Fast 40 Prozent der Teilnehmer verfügen über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 1500 Euro netto.

Politische Einstellung

62 Prozent geben an, keiner Partei verbunden zu sein. 17 Prozent stehen der AfD nahe, 9 Prozent der CDU, 4 Prozent der rechtsextremen NPD, 3 Prozent der Linken. Jeweils 1 Prozent sympathisiert mit SPD, Grünen und der FDP.

Glaube

73 Prozent sind konfessionslos, 21 Prozent protestantisch und 4 Prozent katholisch. 2 Prozent gehören anderen Glaubensgemeinschaften an.

Die Quelle

Wissenschaftler der TU Dresden haben bei drei Pegida-Demonstrationen zwischen dem 22. Dezember und dem 12. Januar rund 400 Teilnehmer befragt.

Nun also gingen sie wieder auf die Straße, diese völlig Unberatenen. Wieder hetzten sie mit Diffamierungen und Hetzparolen gegen alle, die nicht ihrer strammdeutschen Facon entsprechen, gegen alle jene Fremden, die an ein Deutschland glauben, in dem eine Kanzlerin ein Flüchtlingskind auf einem Selfie herzt, in denen viele rechtschaffende Menschen, die Verfolgten und Versehrten, die Vertriebenen und Verjagten helfend begrüßen und in dem sich wackere, rechtschaffende Politiker von rechtsextremistischen Spießgesellen an den Galgen wünschen lassen müssen und verunglimpfen lassen müssen.

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Natürlich ist es erst einmal sekundär, „was das Ausland denkt“. Primär ist, mit welcher Geistesmentalität auch die Deutschen sich der humanitären Herausforderung der gigantischen Völkerwanderung stellen. Doch auch, wenn es nur sekundär ist, was das überaus aufmerksame Ausland so alles in diesem unserem Land registriert: Egal ist es nicht, dass sie miterleben müssen, wie hasserfüllt, gewalttätig und böse verächtlich sich Tausende von Deutschen gegenüber Fremden verhalten. Denn es sind ja gerade erst einmal 70 Jahre her, dass solch deutsches Treiben, obgleich in einem unglaublich größeren und damit schlimmeren Ausmaß von eben diesem Ausland von Kalifornien bis Sibirien beendet wurde. Wir selber waren dazu ja nicht in der Lage.

Kommentare (167)

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Herr wulff baer

20.10.2015, 09:11 Uhr

Mit diesem Kommentar reiht sich Habla ein in den großen Mainstream, der sich auch als Regierungs-Blatt nützlich machen will.
Landauf landab hört und sieht man in allen Medien, wie der fürchterliche deutsche Aufmucker gegen die merkelsche Schwachsinnspolitik als Nazi gebrandmarkt wird.
Ja, da muß die Karikatur eines deutschen Justizministers sofort die härtesten Strafen verlangen - viel härter als bei den Ehrenmorden unserer sehr verehrten muslimischen Mitbürger, da spielt es keine Rolle, dass millionenfach deutsches Recht durch illegale Eindringlinge verletzt wird - nein, jedem, der illegal Deutschland betritt, muß geholfen werden mit einem mehrstelligen Milliardenbetrag im Jahr.
Das muß das deutsche Volk leisten, denn früher waren wir ja alle Nazis und sind es scheinbar heute noch!

Frau hulda ermsberger

20.10.2015, 09:12 Uhr

Heute morgen wird mal wieder die Nazikeule gegen Andersdenkende geschwungen, toll diese lumpenreine Demokratie ...

Frau hulda ermsberger

20.10.2015, 09:14 Uhr

'Ich erkläre gerade meinen Kindern am Beispiel der Medien und der Kommentar-Funktionen, wie es damals Hitler seine menschenverachtende Politik durchsetzen konnte. Ganz einfach. Weil das Volk gar nicht gefragt wurde und die Medien die Verbrechen unterstützt haben. Egal welcher Menschenverächter oder welche Menschenverächterin gerade regiert. Die Medien sorgen dafür, dass es so bleibt. '

(geklaut aus anderem Thema von gestern, danke Matt Anderson)

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