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25.03.2011

11:20 Uhr

Kommentar

Es bebt im Ländle - und Merkel wackelt

VonTino Andresen

Das Beben in Japan hat auch Baden-Württemberg erschüttert, eine rot-grüne Regierung ist in greifbarer Nähe. Verliert die CDU hier ihre Macht, hat das Auswirkungen bis nach Berlin.

Seit dem 30. September 1953 regiert die CDU in Baden-Württemberg. Zwei ganze Jahrzehnte lang, von 1972 bis 1992, musste sie die Macht nicht einmal teilen. Die Partei hatte sie regelrecht abonniert.

Und nun muss ausgerechnet der Machtmensch Stefan Mappus fürchten, von den Wählern im Südwesten aus der Villa Reitzenstein gejagt zu werden. Den Aufruhr um das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 schien er dank der Schlichtung durch Heiner Geißler gerade halbwegs überstanden zu haben, da kam das Beben in Japan mit seinen verheerenden Folgen auch für das Kernkraftwerk Fukushima. Vielfach war danach vom Ende der Gewissheiten die Rede.

Das Ende der Gewissheiten ist auch für Baden-Württemberg gekommen - im politischen Sinne. Denn früher Das Bebenstand schon vor der Wahl fest, wer sie gewinnt.

Aber die Schockwellen aus Japan reichten bis nach Deutschland und zwangen den einstigen Atomkraftvorkämpfer Mappus zu einer abrupten Kehrtwende. Glaubwürdiger ist da der Kurs der Grünen, die seit jeher Gegner der Atomkraft sind. Das könnte die entscheidenden Prozentpunkte bringen, nachdem sie zuvor schon vom Protest gegen Stuttgart 21 profitiert haben. Es ist allein ihre Stärke, die Mappus als Ministerpräsidenten in Gefahr bringt. Zusammen mit der SPD, die ihr historisch schlechtestes Wahlergebnis im Südwesten – wenn überhaupt - nur mit Mühe übertreffen dürfte, könnten die Grünen eine Regierungskoalition bilden.

Darauf läuft es erst recht hinaus, falls das fast Unvorstellbare passiert und die FDP in ihrem Stammland an der Fünf-Prozent-Hürde scheitert. Laut den Umfragen ist das durchaus möglich.

Die Liberalen und die Union stemmen sich mit aller Kraft gegen die Niederlage. Die Parteiprominenz ist auffallend häufig im Südwesten. Allein FDP-Frontmann Guido Westerwelle kommt im Wahlkampf zehnmal, auch CDU-Chefin Angela Merkel ist Dauergast.

Wenn die schwarz-gelbe Landesregierung die Wahl am Sonntag trotzdem verlieren sollte, wird das ein Beben auslösen, das auch die Bundesregierung erschüttern wird. Die Niederlage würde Erinnerungen an den Machtverlust der SPD in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2005 wecken, in deren Folge es zu vorgezogenen Bundestagswahlen und dem Ende von Gerhard Schröders Kanzlerschaft kam. Es wäre der GAU für Angela Merkels Bündnis – der größte anzunehmende Unfall. Das zumindest ist gewiss.

Kommentare (15)

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25.03.2011, 11:46 Uhr

Wer in Baden-Württemberg jammert, der hat nicht alle Tassen im Schrank! Uns geht es neben Bayern von allen Bundesländern am Besten in Deutschland! Wirtschaftlicher Wohlstand und nahezu Arbeitsplätze für alle! Wer das auf's Spiel setzt für grüne Tagträumereien und linke Spinner, dem ist nicht mehr zu helfen!!!!!

C.Meyer

25.03.2011, 11:53 Uhr

Warum schießt Herr Kohl Frau Merkel in dieser für sie hochriskanten Situation in den Rücken?
Eine berechtigte Frage.

Osterwelle

25.03.2011, 12:14 Uhr

Damit sie sich begradigen kann. Denn in Verbeugung ist keine Wahl zu gewinnen.

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