Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.03.2011

19:33 Uhr

Kommentar

Grüne auf Volkspartei-Kurs

VonBarbara Gillmann

Ihre Mega-Erfolge bei den Wahlen verdanken die Grünen dem Japan-GAU. Doch nun haben sie Chancen, tatsächlich zu dem heran zu wachsen, was ihnen seit einiger Zeit viele schon andichten: zur Volkspartei. Ein Kommentar von Barbara Gillmann

Barbara Gillmann, Handelsblatt-Korrespondentin Quelle: Pablo Castagnola

Barbara Gillmann, Handelsblatt-Korrespondentin

Nach einem sehr langen Marsch setzen die Grünen nun zum Sprung an: Ausgerechnet im konservativen Südwesten der Republik könnte der grüne Super-Realo Winfried Kretschmann nun Ministerpräsident werden. Er war dabei, als sich die Grünen im Januar 1980 in Karlsruhe gründeten, nun hat der Wertkonservative die Macht erobert.

Damit beginnt eine neue, eine dritte  Ära für die Grünen, die Dritte. Erst waren sie die Daueroppositionellen, dann die Juniorpartner - zuletzt sogar bei den Schwarzen. Nun werden sie selbst regieren. Damit haben die deutschen Ökos die weit älteren Liberalen auf die Plätze verwiesen, sie sind zur dritten Kraft in der Republik geworden.

Natürlich verdanken sie die Mega-Erfolge in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz dem Atom-Unglück von Fukushima. Doch nun haben sie Chancen, tatsächlich zu dem heran zu wachsen, was ihnen seit einiger Zeit viele schon andichten: zur Volkspartei. 

Es ist kein Zufall, dass es ausgerechnet einem wie Winfried Kretschmann gelingt, der von Anfang an in der rechten, realpolischen Ecke der Ökopartei stand.  Es ist auch kein Zufall, dass es im grünen Stammland Baden-Württemberg passiert ist: Zu sehr regiert hier seit vielen Jahren das Wertkonservative auch bei den Grünen, zu schwach ist hier die einstige Arbeiterpartei SPD.

Jetzt bricht für die Grünen die Ära der großen Verantwortung an. Sie müssen nun beweisen, dass sie nicht nur mitmachen, sondern anführen können. Das heißt in Baden-Württemberg vor allem: Sie müssen die ökologische Wende und die Pflege der Wirtschaft in Einklang bringen.

Und sie müssen zeigen, dass sie bereit sind, für den Bau neuer Ökostrom-Kabel auch den Krach mit den Naturschützern in den eigenen Reihen riskieren.

Daneben muss Kretschmann zeigen, wie er es mit der Haushaltsdisziplin hält, die er sehr lange vertreten hat. Die Versuchung wird groß sein, zusammen mit den Sozialdemokraten mehr Schulden zu machen. Doch es ist etwas anders, ob eine Juniorpartei einen Schuldenkurs nur mitmacht _ wie in Nordrhein-Westfalen - oder ob sie als Seniorpartner die volle Verantwortung für finanzpolitischen Schlendrian übernimmt.

31 Jahre lang hat Winfried Kretschmann für die Grünen im Ländle gekämpft - immer wieder auch gegen die Fundamentalisten in den eigenen Reihen. Nun ist der 62jährige zu ihrem wichtigstem Aushängeschild geworden.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

27.03.2011, 19:47 Uhr

Vielleicht hört ja die Führung der Grünen im Gegensatz zu den anderen Parteien auf das Wissen der Basis, sprich Schwarmintelligenz genannt. In den Firmen ist man schon darauf aufmerksam geworden, dass das Wissen, wie etwas am besten gemacht werden kann, dort ist, wo richtig gearbeitet wird. Sollte doch auch gesellschaftlich gelingen. Wenn von der Basis die Erkenntnis angeboten wird, dass man besser sparen solle, dann ist das doch leichter umzusetzen, als wenn man von oben diktiert.
Und das die so genannten Experten unseren Staat gerade dabei sein, richtig gegen die Wand zu fahren, zeigt doch nur, dass diese eben auch nur mit Wasser kochen.

Account gelöscht!

27.03.2011, 20:58 Uhr

Na, mal asehen, ob sich D da nicht seinen Morgenthau-Plan selbst schafft und vollzieht.

Morchel

27.03.2011, 21:18 Uhr

junge menschen in der verantwortung,die grünen sind aufgefordert aufzuzeigen wie wir unser leben besser gestalten können lebenswerter,mir gefällts neues zu erleben.bin neugierig auf euren gestalterischen willen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×