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01.09.2015

13:29 Uhr

Kommentar

Herrmanns Blackout

VonRüdiger Scheidges

Bayerns Innenminister Herrmann hat bei seiner Äußerung über den „wunderbaren Neger“ nicht nachgedacht. Damit hat er eine Mindestvoraussetzung für Politiker nicht erfüllt, meint Rüdiger Scheidges.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nennt Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger“. dpa

Joachim Herrmann

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann nennt Roberto Blanco einen „wunderbaren Neger“.

Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister von der CSU, gehört zu der Generation Deutscher, die in ihrer Kindheit „Negerküsse“ oder „Mohrenköpfe“ gegessen hat, das grauenhaft morbide-rassistische „Zehn Kleine Negerlein“ gesungen und gespielt und eben jenen schwarzen Onkel Tom mit dem grotesken Namen „Roberto Blanco“ angehimmelt hat.

Zu guter Letzt: Das ist die Generation, die nichts dabei fand, dass Pippi Langstrumpfs Vater als „Negerkönig“ bezeichnet und Jim Knopf aus der Augsburger Puppenkiste „Negerbaby“ genannt wurde.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Rüdiger Scheidges ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Aus Joachim Herrmann spricht also nicht nur ein vielleicht gar nicht so untypischer bayerischer Schwarzer, also ein CSUler. Aus ihm tönt auch jener sprachliche Rassismus, der in Deutschland absolut salonfähig war und auch heute noch nur mit großen Mühen aus den zahlreichen Volksliederbüchern zu tilgen ist. Die „Zehn Kleinen Negerlein“ sind im „Volksliederarchiv“ noch immer verewigt. In dem Kinderlied heißt es beispielsweise:

„Neun kleine Negerlein,
Die gingen auf die Jagd,
Das eine wurde totgeschossen,
Da waren's nur noch acht.“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann: „Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger“

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann

„Roberto Blanco war immer ein wunderbarer Neger“

In der Sendung „Hart aber Fair“ geht es eigentlich um Flüchtlinge. Zu Gast: Bayerns Innenminister. Als es um gelungene Integration geht, ergreift Joachim Herrmann das Wort – und leistet sich einen bösen Aussetzer.

Wie nachhaltig solches „Liedgut“ und solche, gutgläubig ausgedrückt, unbesonnenen Rassismen, die die Leute von Kindesbeinen an aufgesogen haben, sich in das Gemüt der Menschen schleichen, sieht man eben an Innenminister Herrmann, der solchen Rassismus völlig unbedacht vor laufenden Kameras äußert. Viele würden dies wohl ohne großes Nachdenken, ohne großes Stutzen tun.

Doch wenn es eine Mindestvoraussetzung für den freien Beruf des Politikers in Deutschland geben sollte, so heißt sie: Denken können! Herrmann hat nicht (nach)gedacht. Er hat spontan, direkt, unreflektiert vom „wunderbaren Neger“ geschwelgt. Man sollte darüber diskutieren, was fürchterlicher ist: der sprachliche Rassismus des Politikers oder der allgemeine Rassismus, der da aus seinem Mund tönt.

Kommentare (17)

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Herr Dittmar Koop

01.09.2015, 13:57 Uhr

Lieber Kollege,

das ist kein Kommentar, das ist reine Polemik. Bitte arbeiten Sie sauber und halten Sie dabei Ihre Emotionen zurück. Sie können gerne sachlich argumentieren.

Beste Grüße
Dittmar Koop

Frau Margrit Steer

01.09.2015, 14:14 Uhr

Herr Scheidges
zum sprachlichen Rassismus haben solche Leute wie Sie diese Wörter erst gemacht.
Die in den Wohlstand hinein geborene Generation, die nichts mehr weiß vom WK2 oder der Nachkriegszeit sehe ich heute als die hoch gefährliche Generation an.
Und lange wird das alles auch nicht mehr gut gehen
Im Volk brodelt es gewaltig
Das Wort Neger oder Negerlein hat nie jemand als rassistisch empfunden, das wurde erst dazu gemacht.

Herr Jürgen Bertram

01.09.2015, 14:27 Uhr

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