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23.11.2011

13:37 Uhr

Kommentar

Operation Gutten-Back

VonHannes Vogel

Nach dem Strafverfahren soll das neue Leben des Karl-Theodor zu Guttenberg beginnen. Doch dem Schummel-Minister geht es nicht um einen ehrlichen Neuanfang, sondern nur um die Operation Gutten-Back.

Handelsblatt-Redakteur Hannes Vogel.

Handelsblatt-Redakteur Hannes Vogel.

Eine neue Frisur, eine Rede in Halifax, ein Interviewbuch und nun ein Deal mit der Staatsanwaltschaft: Karl-Theodor zu Guttenberg werkelt mit aller Macht an seiner Rückkehr auf die große politische Bühne. Er will sein altes Leben hinter sich lassen. Mit dem Schlussstrich in der Plagiatsaffäre will er nun vollends ein neues Leben beginnen.

Mit der Zahlung von 20.000 Euro ist der Ex-Verteidigungsminister juristisch aus dem Schneider: Er gesteht keine Schuld ein und schafft sich das lästige Verfahren vom Hals. Das „öffentliche Interesse an der Strafverfolgung ist damit beseitigt“, finden die Ermittler.

Doch Staatsanwaltschaft und Guttenberg machen es sich damit zu einfach. Der gefallene Schummel-Minister beginnt so keineswegs ein neues Leben. Glaubwürdigkeit kann man sich nicht kaufen, ein neues Leben kann man nicht mit Geld, sondern nur mit einer mutigen Entscheidung beginnen. Genau das hat Guttenberg versäumt.

Denn sein Umgang mit dem Strafverfahren ist nicht nur feige, er untergräbt seine Glaubwürdigkeit noch mehr als seine Doktor-Schummelei. Guttenberg bricht nicht mit seiner Vergangenheit - er setzt sie konsequent fort. Sicher, dass er den Medienrummel eines Strafverfahrens vermeiden wollte, kann ihm niemand vorwerfen. Auch nicht, dass er sich mit 20.000 Euro vergleichsweise billig von einer möglichen Verurteilung freikauft.

Doch ob er juristisch für das Plagiieren veruteilt worden wäre, ist gar nicht die Frage: Jeder, der seine Doktorarbeit mit zwei gesunden Augen gelesen hat, weiß, dass er sie zu großen Teilen von anderen abgeschrieben hat. Für Guttenberg wäre es bei einem Prozess also nicht darum gegangen das Verfahren, sondern seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Ein öffentlicher Prozess wäre zumindest ein Zeichen gewesen, mit dem er verlorenes Vertrauen hätte zurückgewinnen können, indem er sich endlich ehrlich seiner Verantwortung stellt - was er bislang nie getan hat.

Zur Erinnerung: „Es ist mir ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen“ versprach Guttenberg bei seinem Rücktritt - Worte, die nun wie blanker Hohn klingen. Zudem begründetete der Verteidigungsminister seinen Rücktritt nicht mit seiner Doktor-Schummelei. Er könne er es nicht länger ertragen, dass die Diskussion um seine Dissertation den Tod und die Verwundung von 13 Soldaten in Afghanistan überlagere, sagte Guttenberg. Er gestand nicht seine Verantwortung ein, sondern instrumentalisierte tote Soldaten, um sich aus der Verantwortung zu stehlen. Mit der Einstellung des Strafverfahrens geht er wieder denselben Weg.

Das zeigt, dass er zwar versucht ein neues Leben zu beginnen, aber immer noch ganz der Alte ist. Guttenberg geht weiter den Weg des geringsten Widerstandes: beim Verfassen seiner Doktorarbeit genauso wie bei ihrer juristischen Aufarbeitung. Der juristische Schlussstrich unter die Plagiatsaffäre ist damit kein wirklicher ehrlicher Neuanfang. Nur der Startschuss für die Operation Gutten-Back.

Kommentare (25)

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derBP

23.11.2011, 15:17 Uhr

Vielen Dank für diesen hervorragenden Kommentar! Fehler machen kann jeder, aber der Umgang damit zeigt die wahre Charakterstärke - oder halt auch nicht!

Account gelöscht!

23.11.2011, 15:22 Uhr

Um Kommentare zu schreiben braucht man Lebenserfahrung. Dipl.-Pol. Hannes Vogel muss sich diese noch verdienen.


Account gelöscht!

23.11.2011, 15:32 Uhr

Es ist in meinen Augen schon bedenklich, dass Kinder (oder fast noch Kinder) ohne jegliche Lebenserfahrung und Verdienste öffentlich Kommentare abgeben dürfen.

PS: Ich falle jedes Mal wieder darauf rein auf Kommentare von Politologen zu reagieren.

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