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13.11.2014

13:35 Uhr

Kommentar

Sterbehilfe ist menschenwürdig

VonMaike Freund

Die Freiheit, über das eigene Ende zu entscheiden, ist Selbstbestimmung. Der Wert, nach dem unsere Gesellschaft ausgerichtet ist. Er sollte jedem zustehen. Auch in der Frage des Sterbens.

Maike Freund ist Politik-Redakteurin.

Maike Freund ist Politik-Redakteurin.

Haben Sie über Ihren eigenen Tod nachgedacht? Oder den eines geliebten Menschen? Das ist kein Gedanke, der leicht zu ertragen ist. Und für die meisten vermutlich auch keiner, der uns alltäglich begleitet, während des Jobs, im Supermarkt oder beim Sport. Und doch wird sich niemand davon frei machen können. Von dem Wissen, dass das Leben endlich ist. Von der Angst, dass wir nicht wissen, wie es enden wird.

Es bleibt die Hoffnung, dass der Tod friedlich kommen wird, im Schlaf, nach einem erfüllten Leben, im hohen Alter, umgeben von geliebten Menschen. Doch was, wenn nicht? Was ist mit dem, was vor dem Tod kommt? Mit dem Sterben?

Endlich beschäftigt sich auch der Bundestag mit diesem Thema – mit Sterbehilfe. Das Plenum nimmt sich Zeit, und das ist richtig. Denn über das Sterben sollte niemand und zu keiner Zeit mal eben eine Entscheidung treffen. Doch die Verantwortung sollte bei demjenigen liegen, der betroffen ist. Und das muss das Gesetz regeln.

Wo Sterbehilfe erlaubt ist

USA

In den USA ist aktive Sterbehilfe generell verboten, der ärztlich assistierte Freitod aber in einigen Bundesstaaten erlaubt. Oregon ermöglichte als erster US-Staat Ärzten, unheilbar Kranken ein tödliches Medikament zu verschreiben, das der Patient dann selbst einnimmt. Ein Gesetz von 1997 sieht dafür strenge Auflagen vor. Zwei Ärzte müssen bescheinigen, dass der Kranke voraussichtlich nur noch höchstens sechs Monate zu leben hat. Der Betroffene muss volljährig sein, seinen Wohnsitz in Oregon haben und seinen Sterbewunsch mehrfach mündlich wie schriftlich äußern. Ähnliche Regelungen gibt es in den Bundesstaaten Washington und Vermont, in Montana und New Mexico entsprechende Gerichtsentscheide.

Deutschland

In DEUTSCHLAND ist die aktive Sterbehilfe ebenfalls strafbar. Erlaubt ist passive Sterbehilfe, bei der Ärzte lebenserhaltende Maßnahmen abbrechen, indem sie etwa das Beatmungsgerät abschalten. Auch ein Mittel zur Selbsttötung bereitzustellen, das der Betroffene selbst einnimmt, ist vom Grundsatz her nicht strafbar. Unter Umständen können Unterstützer aber wegen unterlassener Hilfeleistung oder Totschlags belangt werden. Ärzten ist die Beihilfe zum Suizid durch die Berufsordnung untersagt

Schweiz

In der SCHWEIZ ist Sterbehilfe zwar weithin gesellschaftlich akzeptiert, eine aktive Unterstützung - wie etwa Tötung auf Verlangen - ist aber auch hier verboten. Die Gesetze erlauben jedoch, aus nicht-selbstsüchtigen Motiven sterbenskranken Menschen auf Wunsch Beihilfe zum Suizid zu leisten. Bei der Einnahme eines tödlichen Medikaments dürfen Sterbebegleiter sowie Angehörige und Freunde zugegen sein. Die Sterbehilfe-Organisation Exit akzeptiert nur Antragsteller, die ihren festen Wohnsitz in der Schweiz haben. Offen für Sterbewillige aus aller Welt ist die Organisation Dignitas.

Fast ein wenig verschämt nennen es die Abgeordneten Sterbebegleitung, der Begriff Sterbehilfe ist ihnen zu krass. Und doch genau darum soll es gehen. Um Hilfe beim Sterben. Und zwar nicht per se, sondern für Menschen, die unheilbar krank sind. Bei denen es keine Genesung mehr geben wird. Wenn es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie geht.

Wer nicht mehr Leben will, kann sich für den Freitod entscheiden. Doch wer unheilbar krank ist, muss mögliches Leiden ertragen. Dafür gibt es Palliativmedizin, also Medizin, die die Schmerzen lindert, sagen Kritiker der Sterbehilfe. Und es ist unbedingt nötig, dass sie ausgebaut wird. Genauso wie Hospize.

Kommentare (4)

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13.11.2014, 14:05 Uhr

Sterbehilfe Verhinderung eines Sterbewilligen (Todkranken) kommt einer Diktatur gleich und somit für einen freien Menschen eines selbstbestimmten Leben in einer freien Marktgesellschaft strikt azulehnen.

Herr Jens Muche

13.11.2014, 14:13 Uhr

„Sterbehilfe ist menschenwürdig“

Auch wenn es manchen Leser schwer angehen wird: Die meisten Hunde in Deutschland haben es besser, weil sie in Würde sterben dürfen. Das kann nur der verstehen, der schon einmal einen Menschen in den Tot begleitet hat, weil dieser Mensch es so verfügt hatte. Keine Maschinen, keine lebenserhaltenden Maßnahmen, sondern ausschließlich Schmerzlinderung und Nahrung. Dennoch war es kein schöner Anblick einen Menschen so verfallen zu sehen.

Herr Jens Muche

13.11.2014, 14:13 Uhr

„Sterbehilfe ist menschenwürdig“

Auch wenn es manchen Leser schwer angehen wird: Die meisten Hunde in Deutschland haben es besser, weil sie in Würde sterben dürfen. Das kann nur der verstehen, der schon einmal einen Menschen in den Tot begleitet hat, weil dieser Mensch es so verfügt hatte. Keine Maschinen, keine lebenserhaltenden Maßnahmen, sondern ausschließlich Schmerzlinderung und Nahrung. Dennoch war es kein schöner Anblick einen Menschen so verfallen zu sehen.

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