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13.12.2011

15:54 Uhr

Kommentar

Wir wollen Würde!

VonFlorian Kolf

Ob Christian Wulff gelogen hat oder nicht, trifft nicht den Kern. Es geht darum, dass sich ein Bundespräsident in Fragen der Trennung von Amt und privatem Vorteil nicht durchwursteln darf, sondern Stellung beziehen muss.

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online Frank Beer für Handelsblatt

Florian Kolf, stellvertretender Chefredakteur Handelsblatt Online

Der Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten gebietet es, dass es sich jeder gut überlegt, wann er den Amtsinhaber kritisiert – und in welchem Ton er das tut. Der Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten gebietet es aber auch, dass der Amtsinhaber sich gut überlegt, wie er sich privat verhält und wie sein Handeln auf die Bevölkerung wirkt.

Die ethische Messlatte für Bundespräsident Christian Wulff liegt hoch – und das zu recht. Beim ersten Mann im Staate darf es nicht einmal den Anschein geben, er habe sich Vorteile aus der Wirtschaft verschafft. Einen Privatkredit in Höhe von einer halben Million Euro von einer Unternehmerin anzunehmen, ist in diesem Zusammenhang keine Lappalie. Das muss ein Politprofi wie Wulff eigentlich wissen.

Spätestens nach seinem umstrittenen Urlaub in der Privatvilla des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer muss Wulff klar gewesen sein, dass er sich keine weitere Fragwürdigkeit leisten kann, ohne seinen guten Ruf zu gefährden. Schon damals hat er sich zumindest ungeschickt verhalten. Auch seine Entschuldigung er habe für die Unterkunft in der Villa ja bezahlt, traf nicht der Kern des Unbehagens. Die private Nähe des damals künftigen Bundespräsidenten zu einem schillernden Unternehmer ließ viele an der Unabhängigkeit von Wulff zweifeln. Dieses Unbehagen kann man nicht mit einer Übernachtungsquittung ausräumen.

Im aktuellen Fall ist das Schema ähnlich. Wulff versucht wortreich zu begründen, warum er den Landtag über seine Beziehungen zu dem Unternehmerehepaar Geerkens nicht belogen hat. Doch das macht die ganze Sache nicht besser. Im Gegenteil. Dass er die Spitzfindigkeit bemühen muss, er sei ja zu den geschäftlichen Beziehungen zu Egon Geerkens befragt worden und nicht zu dessen Frau, zeigt nur eins: Er hat offenbar immer noch nicht ganz verstanden, was der Würde des Amtes angemessen ist. Hier geht es nicht ums Durchwursteln. Es geht um klare präsidiale Worte, wie er es mit der Trennung von Privatleben und Amt hält.

Kommentare (20)

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humphrey2003

13.12.2011, 16:08 Uhr

Herr Wulff, wir Bürger hätten viel lieber einen anderen Kandidaten als Sie für das Bundespräsidentenamt gesehen...
Nun sind Sie es geworden - und es kommen eigentümliche Sachen aus Ihrer Vergangenheit heraus.
Reicht denn immer noch nicht der Skandal "KT.vuz. G." aus???
Bitte machen Sie schnell, dass Sie wieder aus Ihrem Amt heraus kommen - ab nach Burgwedel oder Osnabrück!!!

Account gelöscht!

13.12.2011, 16:16 Uhr

Wenn man Würde will, darf man vor allem keinen Politiker auf den Posten des Bundespräsidenten hieven. Besser wäre es ein Baby zu wählen, ähnlich dem Dalai Lama, zu warten bis es volljährig wird und zu hoffen, daß es bis dahin keine Fensterscheibe eingeworfen hat.

volksvertreter

13.12.2011, 16:19 Uhr

Jeder der im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen schmeissen. Die Aktion von Herrn Wulff ist moralisch verwerflich, wo doch jeder weiß - keine Leistung ohne Gegenleistung - Dass sich jetzt aber die SPD und die Grüne als Moralapostel hinstellen ist genau so schlimm. Die sollen erstmal vor ihrer eigenen Tür kehren. (Affären gibt es auch bei denen genugt und Herr Trittin sollte erst mal die deutsche Nationalhymne singen und diese nicht immer ablehnen. Rote Socken! Fazit: Alle Politiker neigen zur Korruption. Vom kleinsten Kreispolitiker bis hin zum Staatsoberhaupt. Es ist nur erstaunlich wie aufklärungsresistent und dummdreist einige sind.

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