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01.09.2015

15:57 Uhr

Kommentar zum Bildungsbarometer

Informiert die Bürger!

VonBarbara Gillmann

In der Diskussion um die richtige Bildungspolitik wird zu häufig auf Emotionen gesetzt und zu wenig auf Fakten. Für die Politik heißt das: Mutiger werden und auf populistische Versprechen wie Gratis-Kitas verzichten.

Dass der Kita-Besuch durchaus pädagogisch wertvoll ist, scheint nicht allgemein bekannt zu sein. dpa

Bildungspolitik

Dass der Kita-Besuch durchaus pädagogisch wertvoll ist, scheint nicht allgemein bekannt zu sein.

Es ist verblüffend, wie wenig das geneigte Publikum offenbar über das Bildungssystem weiß: Dass zum Beispiel ein Kindergartenbesuch in der Regel pädagogisch wertvoll ist und dass Akademiker im Schnitt gerade in Deutschland noch immer deutlich mehr verdienen als Nicht-Akademiker ist offenbar nicht allgemein bekannt. Der Bildungsbarometer des Ifo-Instituts zeigt: Je nachdem ob diese Infos mitgeliefert werden oder nicht, ändern sich die Meinungen der Befragten teilweise deutlich.

Politiker sollten daher viel stärker darauf setzen, ihre Vorhaben mit Fakten zu untermauern, statt auf Emotionen zu setzen. Wenn sie nur schlüssig nachweisen, dass Staatsknete am effektivsten in Kita und Grundschule wirken kann, ist die Bevölkerung sogar bereit, wieder Studiengebühren in Kauf zu nehmen.

Studie der Bertelsmann-Stiftung: Arme Kinder vor dem Schulstart im Rückstand

Studie der Bertelsmann-Stiftung

Arme Kinder vor dem Schulstart im Rückstand

Kinder, die in Armut aufwachsen, sind schon vor dem Schulstart benachteiligt. Dies hat eine Studie der Bertelsmann-Stiftung herausgefunden. Kinder aus Hartz-IV-Familien wiesen demnach häufiger Entwicklungsdefizite auf.

Vermutlich könnte man auch Verständnis dafür ernten, den Kindergarten für die Vier- und Fünfjährigen nicht überall kostenlos anzubieten, sondern stattdessen lieber in Qualität zu investieren: also den Betreuungsschlüssel verbessern, Erzieherinnen besser bezahlen, Fachkräfte für Deutsch als Fremdsprache, Musik oder Bewegung anheuern und auch mal ein paar Akademikerinnen.

Oder schlicht darauf hinweisen, dass die allermeisten Eltern ihre Vorschulkinder ohnehin in die Kita schicken und es daher sinnvoller ist, die Gebühren für die Dreijährigen zu erlassen.

Denn das würde zusätzliche Anreize etwa für Migrantenfamilien oder solche in einer schwierigen sozialen Lage schaffen, Kinder frühzeitig in die Kita zu geben, damit sie möglichst früh gut deutsch lernen und so später weniger Probleme in der Schule haben. Angesichts von mehr als 30 Prozent Migranten unter den Schülern ist das kein Nebenkriegsschauplatz.

Das verlangt von der Politik aber den Mut, Kompliziertes immer wieder zu erklären und auf populistische Versprechen wie kostenlose Kitas zu verzichten. Auch wir Medien selbst tun gut daran, das, was uns selbst als Allgemeinwissen erscheint immer wieder darzulegen.

Die meisten Bürger sind vermutlich mehr an harten Infos interessiert und besser in der Lage sie zu bewerten, als wir denken. Man muss sie nur ernst nehmen.

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