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06.07.2017

10:42 Uhr

Kommentar zum G20-Gipfel

Donald Trump hört zu, lernt aber nichts

VonThomas Sigmund

Die Ziele der G20 sind zu wichtig, um sie am US-Präsidenten scheitern zu lassen. Spätestens in acht Jahren ist Trump Vergangenheit. Kanzlerin Merkel muss mit ihm reden, ohne das Trennende zu verschweigen. Ein Kommentar.

G20-Gipfel

„Freihandel-Beschränkung hätte Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge“

G20-Gipfel: „Freihandel-Beschränkung hätte Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge“

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BerlinAuf dem G20-Gipfel in Hamburg könnte sich die Kanzlerin leicht als „letzte Verteidigerin des freien Westens“ präsentieren. In einem Gastbeitrag für das Handelsblatt sprang ihr jetzt Russlands Präsident Wladimir Putin bei und warb für den Freihandel. Zuvor hatten schon Chinas Staatschef Xi Jinping und Japans Premier Shinzo Abe deutlich gemacht, auf dem Gipfeltreffen für eine Fortsetzung der bisherigen Klimaschutzpolitik eintreten zu wollen.

Auch wenn Russland und China keine Musterschüler in Sachen Freihandel und Klimaschutz sind, verbindet sie das gemeinsame Ziel. Merkel könnte also US-Präsident Donald Trump bei ihrem Treffen am Donnerstagabend die Geschlossenheit aller anderen vor Augen führen und ihm das Kräfteverhältnis von 19:1 klarmachen.

G20-Gipfel: Merkels schwierige Mission

G20-Gipfel

Premium Merkels schwierige Mission

Die Kanzlerin muss in Hamburg kämpfen: Der traditionelle G20-Kompromiss der Staats- und Regierungschefs gilt als fast unmöglich. Vor allem Trump blockiert bei den Kernthemen.

Doch das wird sie nicht. Erst mal aus einem einfachen Grund: Trump hört zwar zu, lernt aber nichts. Deshalb müssen die mächtigsten Staats- und Regierungschefs in unsicheren Zeiten miteinander reden, ohne das Trennende zu verschweigen.

Die Ziele der G20 sind zu wichtig, um sie an Donald Trump scheitern zu lassen, der spätestens in acht Jahren Vergangenheit ist. Der Freihandel ist nicht nur wichtig für die reichen Länder. Auch wenn es die Protestierer in Hamburg nicht hören wollen: Der Freihandel spielt auch eine wesentliche Rolle, um die Armut in der Welt abzumildern. Ähnlich verhält es sich mit dem Klimaschutz, der keinen Aufschub mehr verträgt.

Trump und der Klimawandel

Legendäre Worte Trumps

Geht es um den Klimawandel, hat US-Präsident Donald Trump seine ganz eigene Sicht der Dinge. Einige Zitate:

Quelle: dpa

Erfindung der Chinesen

„Das Konzept der Erderwärmung wurde von und für Chinesen geschaffen, um die amerikanische Produktion wettbewerbsunfähig zu machen.“ (auf Twitter, 6. November 2012)

Alter Quatsch über Klimawandel

„Gebt mir saubere, schöne und gesunde Luft – nicht immer diesen alten Quatsch über Klimawandel (Erderwärmung). Ich kann diesen Unsinn nicht mehr hören.“ (auf Twitter, 28. Januar 2014)

Klimawandel als Waffe? Lächerlich

„Könnt Ihr Euch das vorstellen – Außenminister John Kerry hat gerade behauptet, die gefährlichste Waffe heutzutage sei der Klimawandel. Lächerlich.“ (auf Twitter, 14. Februar 2014)

Wo ist die Klimaerwärmung?

Es ist Ende Juli und und echt kalt draußen in New York. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung? Wir brauchen dringend was davon. Jetzt heißt das Klimawandel.“ (auf Twitter, 28. Juli 2014)

So viele Eisbären wie noch nie

„Die Polkappen sind so hoch wie nie, die Eisbären-Population war nie stärker. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?“ (auf Twitter, 29. Oktober 2014)

Nukleare Bedrohung ist am größten

„Die größte Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht, wie Du und Dein Präsident es sehen, der Klimawandel.“ (im ersten TV-Duell zur Präsidentenwahl zu seiner demokratischen Kontrahentin Hillary Clinton, 28. September 2016)

Klimawandel nie bestritten?

„Stimmt nicht.“ (Reaktion auf Clintons Vorwurf, er habe den Klimawandel bestritten, 28. September 2016)

Trump, der Umweltschützer

„Ich habe einige großartige, großartige, sehr erfolgreiche Golfplätze. Ich habe viele Umweltpreise dafür bekommen. Ich habe da enorm viel Arbeit reingesteckt. Manchmal würde ich sagen, dass ich eigentlich ein Umweltschützer bin.“ (Interview der „New York Times“, 23. November 2016)

Menschlicher Einfluss auf den Klimawandel

„Ich denke, es gibt da einen Zusammenhang. Es kommt darauf an, wie groß er ist. Es kommt auch darauf an, wie viel das unsere Unternehmen kosten wird. Unsere Unternehmen sind im Moment nicht wettbewerbsfähig.“ (zum menschlichen Einfluss auf den Klimawandel, Interview der „New York Times“, 23. November 2016)

Stopp der Vorschriften

„Wir werden die Vorschriften stoppen, welche die Zukunft und die Existenz unserer großartigen Kohle-Bergmänner bedroht.“ (Rede vor dem US-Kongress, 28. Februar 2017)

Klimavertrag kostet zu viel Geld

„Dazu (zu den schlechten Abkommen) zählt auch der einseitige Pariser Klimavertrag. Die USA zahlen Milliarden an Dollar, während China, Russland und Indien weder etwas zahlten noch etwas zahlen werden. (...) Es wird geschätzt, dass die völlige Einhaltung der Vereinbarung das amerikanische Bruttoinlandsprodukt letztlich um 2,5 Billionen über einen Zeitraum von zehn Jahren schrumpfen lassen könnte. Das heißt, dass Fabriken und Betriebe im ganzen Land schließen. (...) Nicht mit mir, Leute.“ (Kundgebung in Harrisburg, 29. April 2017)

Doch anders als bei anderen Gipfeltreffen muss Merkel sich nicht nur auf der internationalen Bühne sich beweisen. In Deutschland herrscht Wahlkampf – und dem Vorwurf der SPD, dass sie vor Trump einknickt, will sich Merkel nicht aussetzen.

Ihr Herausforderer Martin Schulz wartet nur auf eine Schwäche der Kanzlerin, um sie auf ihrem stärksten Feld, der Außenpolitik, angreifen zu können. Wie allerdings ein Formelkompromiss mit Trump gelingen soll? Darüber rätseln die engsten Berater Merkels. Gibt es in Hamburg keine Einigung, droht sich auch bei künftigen Gipfeln ein großer Graben zu den USA aufzutun. Das gilt es zu verhindern.

Kommentare (27)

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Frau Stephanie Maurer

06.07.2017, 11:00 Uhr

"Donald Trump hört zu, lernt aber nichts". Mag sein. Aber exakt das Gleiche kann man auch über Merkel sagen. Zumindest ist der eine Unternehmer. Die Andere unternimmt halt nichts...!

Herr Lung Wong

06.07.2017, 11:14 Uhr

Trump find ich gut! Der richtige Mann zu richtigen Zeit am richtigen Ort.

Herr Mirko Schlutz

06.07.2017, 11:18 Uhr

"Der Freihandel spielt auch eine wesentliche Rolle, um die Armut in der Welt abzumildern."

Achso, darum geht es beim Freihandel und besonders bei den nur im Hinterzimmer geführten Verhandlungen zu den Freihandelsabkommen. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht.

Bekämpfung der Armut wäre medial ein wirklich unpopuläres und schwieriges Thema, da sollten es die Experten lieber nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprechen und den Medien keine Informationen geben.

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