Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.05.2015

17:17 Uhr

Kommentar zum G7-Finanzministertreffen

Griechenland lässt sich nicht verdrängen

VonDonata Riedel

In Dresden gab es für die Finanzminister Theorieunterricht: Folgt Wachstum auf Sparen oder umgekehrt. Leider bliebt die Debatte jedoch bei Grundsätzlichem. Dabei schwebte das praktische Beispiel über allem: Griechenland.

Die Lehre aus Dresden für die Regierungschefs der G7: Das Thema Griechenland muss vorangetrieben werden. dpa

Ballons mit den Gesichtern der Regierungschefs

Die Lehre aus Dresden für die Regierungschefs der G7: Das Thema Griechenland muss vorangetrieben werden.

DresdenIm Prinzip war es eine gute Idee von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), auf die Agenda der G7-Finanzminister und Notenbankchefs auch eine Grundsatzdebatte zu setzen. Wie können es Regierungen denn am besten anstellen, dass die Wirtschaft wächst und die Finanzen stabil bleiben? Auf dass Finanz- und Schuldenkrisen sich nicht wiederholen mögen. Allzu oft schließlich feilen die Teilnehmer offizieller internationaler Regierungstreffen ja wirklich nur an Details von Gipfelerklärungen herum, die als kleinster gemeinsamer Nenner widerstreitender Interessen weitgehend folgenlos bleiben.

Die große Streitfrage, ob man sparen muss, damit die Wirtschaft wächst, oder ob die Wirtschaft erst wachen muss, bevor man sparen kann, lässt sich natürlich nicht in drei Stunden Debatte mit Ökonomen abschließend klären. Es lohnt aber allemal, das die Finanzminister sie auch einmal grundsätzlich debattieren, anstatt sie sich nur als ideologische Glaubenssätze gegenseitig um die Ohren schlagen.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.

Eine solche Grundsatzdebatte muss jedoch zwangsläufig  ins Leere laufen, wenn man versucht, das aktuellste Beispiel für genau diese fehlende Balance zwischen Wachstum und Sparen von der Tagesordnung zu drängen: Griechenland.

Doch genau das ist in Dresden geschehen. Je weiter weg ein G7-Staat von Europa ist, desto größer die Sorge vor dem „Grexit by accident“, dem unbeabsichtigten Rutschen Griechenlands in die Staatspleite mit anschließendem Ausscheiden aus dem Euro. Die Währungsunion wäre nicht mehr dieselbe, warnten US-Finanzminister Jack Lew und Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda. Dass sie das Thema nicht ignorieren würden, wenn die Chefs von EZB, IWF und Euro-Gruppe, deren Mitarbeiter gerade mit Griechenland ein Reformprogramm verhandeln, mit am Tisch sitzen, konnte auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble nicht ernsthaft erwarten.

Jack Lew: US-Finanzminister drängt Europäer zu Einigung mit Griechenland

Jack Lew

US-Finanzminister drängt Europäer zu Einigung mit Griechenland

Mit einem Appell endete das Treffen der G7-Finanzminister: Der US-Amerikaner Jack Lew forderte seine europäischen Kollegen auf, endlich das Griechenland-Problem zu lösen – schließlich müssten sich beide Seiten bewegen.

Ein mutiges Experiment wäre es daher gewesen, die Wissenschaftler zu beauftragen, die Grundsatzfrage von Wachstum und Sparen anhand der Krise in Griechenland und der Euro-Zone zu diskutieren. Vielleicht wären dabei ja auch neue Ideen zur Lösung der verfahrenen Verhandlungen zwischen Griechen und Gläubigern herausgekommen. Natürlich wäre das angesichts der chaotisch agierenden griechischen Syriza-Regierung alles andere als sicher, aber einen Versuch wäre es allemal wert gewesen.

So blieb das G7-Treffen von Dresden eines, in dem viele wichtige Themen angesprochen, aber das akut drängendste vernachlässigt wurde. Letztlich untergräbt dieses Ergebnis das Vertrauen der Bürger demokratischer Staaten in internationale Regierungszusammenarbeit mehr als noch so hohe Sicherheitskosten für den G7-Gipfel nächstes Wochenende in Elmau. Die Lehre von Dresden für Bundeskanzlerin Angela Merkel lautet daher: Griechenland lässt sich nicht verdrängen, solange das Problem nicht gelöst ist.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×