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02.06.2015

12:48 Uhr

Kommentar zur AfD-Krise

Pyrrhussieg für Lucke

VonDietmar Neuerer

Der geplatzte AfD-Parteitag verschafft Bernd Lucke im parteiinternen Machtkampf eine Atempause. Doch selbst wenn er die Oberhand behält, ist seine Partei noch nicht gerettet. Daraus könnten andere Kapital schlagen.

Alternative für Deutschland

AfD-Parteitag geplatzt: „Geht überhaupt nicht um Taktiererei“

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BerlinAuf eines kann man sich bei der AfD verlassen – egal, was ihre Akteure in die Hand nehmen, es endet im Chaos. Dass der Bundesparteitag Mitte Juni nun abgesagt wurde, war zu erwarten. Die Delegierten-Aufstellung in Nordrhein-Westfalen, Hessen und dem Saarland verlief alles andere als sauber - auch wenn die Parteiführungen in den Landesverbänden etwas anderes behaupten.

Aber genau das ist das Problem dieser jungen Partei, wenn sich Möchtegern-Karrieristen wie der NRW-Landeschef Marcus Pretzell mit Intrigen den Weg nach oben bahnen – ohne Rücksicht auf Verluste. Dann werden Warnrufe aus der eigenen Partei einfach abgeschmettert. Und am Ende verabschieden sich diese gemäßigten und überlegt Handelnden von ihren Posten oder sie kehren der Partei gänzlich den Rücken.

AfD-Bundeschef Bernd Lucke dürfte sich in seiner Beurteilung der Lage seiner Partei durch die aktuellen Vorkommnisse bestätigt fühlen. „Wem es mehr um das eigene Fortkommen als um politische Inhalte geht, der paktiert auch mit den Falschen, wenn dies die Gelegenheit schafft, vermeintliche Konkurrenten aus dem Wege zu räumen“, analysierte er jüngst.

Dietmar Neuerer

Dietmar Neuerer ist politischer Korrespondent für Handelsblatt Online in Berlin.

Lucke nannte zwar keine Namen, aber es ist nicht schwer zu erraten, dass ihm insbesondere Pretzell ein Dorn im Auge ist. Der NRW-Landeschef gehört zu den erbittertsten Gegnern Luckes und wurde jüngst von Sitzungen der AfD-Gruppe im EU-Parlament ausgeschlossen, weil er Interna an die Presse weitergegeben haben soll. Dass die Wortführerin des nationalkonservativen Parteiflügels, Frauke Petry, trotzdem zu ihm hält, könnte ihr jetzt auf die Füße fallen.

Petry war an dem Chaos der Delegierten-Wahl in NRW als Versammlungsleiterin beteiligt. Die sächsische Landes- und Fraktionschefin hätte gern Lucke auf dem Kasseler Parteitag Mitte Juni abgelöst. Deshalb tingelte sie die vergangenen Wochen auch zu diversen Landesverbänden, um sich Mehrheiten zu sichern.

Doch das Bundesschiedsgericht der Partei machte ihrem Vorhaben nun einen Strich durch die Rechnung. Ihr Wunschparteitag ist geplatzt – und stattdessen soll nun Ende Juni ein Parteitag stattfinden, zu dem nicht Delegierte, sondern Parteimitlieder eingeladen werden. Das kommt Lucke entgegen, da nun nicht von vornherein feststehen kann, in welche Richtung sich der Machtkampf entscheiden könnte.

AfD sagt Parteitag ab: Rückenwind für Lucke

AfD sagt Parteitag ab

Rückenwind für Lucke

Dem rechten AfD-Flügel droht ein Rückschlag. Parteichef Lucke soll aus dem Amt gedrängt werden. Doch wegen chaotischer Delegiertenwahlen wurde nun der Parteitag abgesagt. Das hilft den Lucke-Unterstützern.

Freilich gibt die neue Lage nur auf den ersten Blick Rückenwind für Lucke. In Wahrheit verschafft sie ihm eine Atempause. Die wird aber nicht nur er nutzen, um seine Unterstützer einzusammeln. Lucke hat ja bereits auf seinen schwindenden Einfluss mit der Gründung des Vereins „Weckruf 2015“ reagiert. Auch seine Widersacher um Petry werden versuchen, das Schicksal der Partei noch in ihre Richtung zu wenden.

Damit ist eine weitere Destabilisierung der AfD wahrscheinlich, aus der am Ende nicht zwingend Lucke als Sieger hervorgehen muss. Im Gegenteil: Der Wirtschaftsprofessor könnte durch das derzeitige Chaos geschwächt werden – mit dem Effekt, dass die AfD insgesamt ins Hintertreffen gerät und weiter Richtung Untergang rückt. Der große Profiteur wäre dann wohl die FDP, weil sie von bürgerlichen, wirtschaftsliberalen Wählern dann doch als die bessere Alternative angesehen wird.

Kommentare (11)

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Account gelöscht!

02.06.2015, 13:35 Uhr

Hr. Neuerer haben Sie überhaupt die geringste Ahnung vom Funktionieren einer Marktwirtschaft also von dem das man als Basis für unseren Wohlstand und Freiheit versteht?
Ich glaube nicht, sonst würden Sie Hr. Pretzell nicht so abwertend als "Macht-Karrierepolitiker" bezeichnen. Hr. Pretzell hat ein ausgepärgtes Marktwirtschaftliche freiheitliches Verstandnis. Und solche Pretzell benötig die deutsche Gesellschaft/Volkswirtschaft dringenst Ansonsten geht mit der seit Jahren anhaltenden Grün-Sozialistischen Merkelführung die deutsche Markt-Gesellschaft und damit der soziale Wohlstand und somit auch Ihre Arbeit bei der Presse Stück für Stück immer weiter den staatlichen Subventionsbach runter.

Frau Margrit Steer

02.06.2015, 13:55 Uhr

Herr Hofmann,
kennen Sie Herrn Pretzell?
Ich schon.
In vielen Bereichen driftet die AfD nach rechts und das wollen die meisten Mitglieder nicht haben.
Mehr möchte ich dazu nicht sagen

Account gelöscht!

02.06.2015, 14:15 Uhr

@Margrit Steer
Ich verstehe ihren Kommentar nicht. Heut zu Tage kann sich doch jeder im Internet und Youtube über die Politiker und deren Auftritt informieren. Auch Hr. Pretzell Marcus ist im Internet zu finden mit seinen Reden vor dem EU-Parlament oder sonstigen Stellungennahmen.

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