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24.07.2015

17:23 Uhr

Kommentar zur „Ehe für alle“

Homosexuelle – das letzte Feindbild

VonBarbara Gillmann

Die Berliner CDU hat mehrheitlich gegen die „Ehe für alle“ gestimmt. Das richtet sich gegen Homosexuelle und ist keine landespolitische Petitesse, sondern wirft ein trübes Schlaglicht auf die ganze Partei.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.

Die Autorin

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.

Die Union in ihrer Breite hat – den bekennenden Homosexuellen in den eigenen Reihen zum Trotz – ganz offenbar die Homosexuellen als letztes Feindbild auserkoren. Als Gruppe, gegen die sich die hetero-zentristischen, gefühlten ‚Normalbürger‘ wunderschön abgrenzen können: Wir hier sind die Norm – ihr dort seid die Andersartigen, die irgendwie nicht richtig dazugehören, nicht dazugehören sollen.

Christlich ist das nicht. Wenn Gott die Welt erschaffen hat, hat er sowohl Heteros als auch Homosexuelle erschaffen. Und wenn er ein Gott der Liebe ist, liebt er beide. Gleichermaßen. Wer sind die deutschen Christdemokraten, dass sie sich da erheben und eine kleine Gruppe ausgrenzen?

Offensichtlich ist Fremdheit und die Angst vor dem Unbekannten die letzte Ausfahrt, um eine eigene Identität zu wahren, um sich wenigstens an irgendeinem Punkt trotzig zu verbarrikadieren. In der Frauen-Debatte ist es schlicht nicht mehr opportun, noch die alte Macho-Herrlichkeit zu pflegen. Nicht mit einer Kanzlerin, die sogar die Quote auf den Weg gebracht hat.

Befragung der Basis: Berliner CDU-Mitglieder gegen Ehe für alle

Befragung der Basis

Berliner CDU-Mitglieder gegen Ehe für alle

Die Mitglieder der Berliner CDU wollen mehrheitlich keine Öffnung der Ehe für Homosexuelle. Der Berliner Verband hatte als Bundesweit erster die Basis zu dem Thema befragt. Mehrere Parteigrößen hatten Stellung bezogen.

In der Ausländerfrage ist gestriges Gedankengut sogar richtig gefährlich und die Nöte des Arbeitsmarktes zwingen ohnehin zu einer Flexibilität und Offenheit, die in früheren Jahrzehnten undenkbar war.

Und der kommunistische Ostblock ist schon vor so langer Zeit zusammengebrochen, dass sich nur noch die älteren CDUler erinnern, wie schön und bequem das war, als man junge renitente Mitbürger mit einem zornigen „geh doch nach drüben“ erschrecken konnte.

Bleiben nur noch die Homosexuellen, die man in ihre Schranken weisen kann, um sich normal, richtig und überlegen zu fühlen.

Angela Merkel hat mit ihrem legendären Gespür für Stimmungen frühzeitig klar gemacht, dass auch sie hier eine Grenze sieht. Machttaktisch ist das schlau. Gesellschaftspolitisch ist das traurig.

Netzvideo: Magazin macht Merkel lesbisch

Netzvideo

Magazin macht Merkel lesbisch

So hat man die Kanzlerin noch nie gesehen: Innig umschlungen von einer Frau. Alles nur Show: Die vermeintliche Kanzlerin ist ein Double und das ganze nur ein Werbevideo. Wer und was dahinter steckt.

Kommentare (56)

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Herr Franz Freigeist

24.07.2015, 17:51 Uhr

Der letzte Kampf um ein überkommenes Gesellschaftsbild

Eigentlich geht es ja gar nicht um Schwule und Lesben, sondern um die Weigerung, konservativer und christlicher Kreise, zu akzeptieren, dass sich die Vorstellung der Ehe als "fundamentale Wiege der Gesellschaft" selber überlebt hat.
Die "fundamentale Wiege der Gesellschaft" sind heute freigewählte Partnerschaftsmodelle - als Resultat von Emanzipation und Selbstbewusstsein - von Freiheit eben.

Herr Peter Spiegel

24.07.2015, 18:03 Uhr

Die Ehe ist so überflüssig wie die Diskussion über die Ehe von Homosexuellen.

Peter Markgraf

24.07.2015, 18:03 Uhr

Nein, beileibe kein Feindbild - aber ein klares Bekenntnis zur kleinsten Zelle der Volksgemeinschaft, der Familie von Mann, Frau und Kinder. Eine Überlebensnotwendigkeit!

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