Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.08.2015

17:01 Uhr

Kommentar zur Griechenland-Krise

Schuldenschnitt ohne Schmerzen?!

VonJürgen Matthes

Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft meint: Eine Verschiebung der Schuldentilgung um Dekaden kann so gestaltet werden, dass sie für den Rettungsschirm nicht zu Verlusten führt meint. Ein Gastkommentar.

Jürgen Matthes ist Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. PR

Jürgen Matthes ist Leiter des Kompetenzfelds Internationale Wirtschaftsordnung im Institut der deutschen Wirtschaft Köln.

Der Bundestag hat das dritte Hilfspaket für Griechenland mehrheitlich beschlossen. Doch Athens Schuldenberg gilt bei den internationalen Organisationen unter den gegenwärtigen Bedingungen als nicht mehr tragfähig. Zudem ist der Internationale Währungsfonds - anders als von der Bundesregierung gewünscht - noch nicht an Bord.

Der Fonds will sich aber nur am Hilfspaket beteiligen, wenn es zu einer hinreichenden Schuldenerleichterung für Griechenland kommt. Diskutiert wird vor allem über ein Hinausschieben der Tilgungszahlungen über mehrere Jahrzehnte. Viele Experten sehen das kritisch, weil diese Maßnahmen – so die These - zu Lasten der europäischen Steuerzahler gehen würden. Aber stimmt das wirklich? Oder wird die Öffentlichkeit hier letztlich in die Irre geführt?

Die Kritiker argumentieren in zwei Richtungen:

- Zum einen wird ein Hinausschieben der Tilgung als „Schuldenschnitt“ angesehen und explizit oder implizit suggeriert, dass dies die deutschen und europäischen Steuerzahler belasten würde.

- Zum anderen gibt es die Vorstellung, dass die späte – von der Inflation wertgeminderte - Schuldenrückzahlung durch Griechenland eine Lücke in den Kapitalstock des ESM reißen würde. Zukünftige Generationen von europäischen Steuerzahlern müssten den ESM dann mit viel Geld rekapitalisieren.

Beide Überlegungen sind sachlich nicht vollständig richtig – zumindest nicht, solange Griechenland die laufenden Zinskosten des Euro-Rettungsschirms weiterhin trägt und seine Schulden letztlich in ferner Zukunft vollständig begleicht.  

Zu Punkt 1: Finanzmathematisch bedeuten ein Hinausschieben der Schuldenrückzahlung in der Tat eine Forderungsminderung für die Gläubiger, weil der sogenannte abgezinste Barwert der Hilfskredite sinkt. Man mag dies als „Schuldenschnitt“ bezeichnen, obwohl mit diesem Begriff normalerweise eine Kürzung der ausstehenden Schuld gemeint ist, etwa wenn Griechenland nur die Hälfte der bestehenden Schulden zurückzahlen müsste.

Gastbeitrag Hans-Werner Sinn: Die Euro-Zone braucht eine Konkursordnung

Gastbeitrag Hans-Werner Sinn

Premium Die Euro-Zone braucht eine Konkursordnung

Um ein Haar wäre Griechenland aus dem Euro geflogen. Der Streit hat Beziehungen zwischen Ländern und Regierungen belastet. Europa stehen noch viele solche Konflikte bevor, wenn wir daraus keine Lehren ziehen.

Die finanzmathematische Sichtweise ist rein rechnerisch richtig, aber die explizite oder implizite Unterstellung, dass ein solcher „Schuldenschnitt“ auch zulasten der europäischen Steuerzahler gehen würde, ist es nicht. Warum nicht? Dazu müssen wir uns fragen, was der eigentliche Sinn der Hilfskredite ist. Sie sind nicht wie bei kommerziellen Krediten dazu gedacht, dass Rettungsschirm und Geberländer damit Gewinn machen. Wäre eine Gewinnabsicht das Ziel, würde eine Minderung des Barwertes tatsächlich eine geringere Kreditrendite und damit einen „Verlust“ bedeuten.

Doch bei den Hilfskrediten geht es darum, dass für die Geberländer mit den Hilfskrediten möglichst keine „echten Verluste“ entstehen. Das ist ein entscheidender Unterschied. Ein geringerer Gewinn ist in diesem Sinne kein „echter Verlust“.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fred Schmitz

20.08.2015, 19:52 Uhr

"Das Institut der deutschen Wirtschaft mit Sitz in Köln wird von Verbänden und Unternehmen der privaten Wirtschaft getragen" [Quelle: www.iwkoeln.de]. Auch wenn ich dem Autor selbst nichts Unredliches unterstellen will, zweifele ich in der GR-Frage an seiner Neutralität, obwohl und weil ich mich selbst zu den strikten Marktwirtschaftlern zähle. Die Träger des IW können selbst in GR vor allem dann noch gute Geschäfte machen, wenn sie den gegebenen Flankenschutz aus der Tasche der deutschen und weniger anderer Steuerzahler erhalten. Dem kann ich - eben als Steuerzahler - nicht das Geringste abgewinnen. Es gibt solidere Länder, in denen die deutsche Wirtschaft Business machen kann, ohne dass die Allgemeinheit dieses alimentiert! Ich unterstreiche meine seit Jahren an den s. g. Euro-"Rettungs"-Paketen geäußerte heftige Kritik.

Herr Win Boes

21.08.2015, 10:59 Uhr

Neuwahlen in Griechenland verheißt neues Geld. Gut eingefädelt, der Zigeuner Zipras: <wir wollen die Billion bis zum Ende dieses Jahrs<. Und mit Merkel und ihrem Knecht wird das gelingen. Was interessiert Merkel und ihren korrupten Ja-Sagern die Steuerlast der Bürger, die sie selbst nicht mittragen. Irgendwann - nicht mehr lange- fliegen die Fetzen.

Herr Wolfgang Trantow

21.08.2015, 15:27 Uhr

Schuldenschnitt zu Lasten der deutrschen Steuerzahler und niemanden schmerzt es? Wie tief können Experten noch sinken? Für diese Leute kein Problem, Frau Merkel bezahlt sie ja!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×