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19.10.2015

14:44 Uhr

Kommentar zur IG Metall

Der Kraftprotz spielt ein riskantes Spiel

VonFrank Specht

Die IG Metall tritt bei ihrem Gewerkschaftstag ausgesprochen selbstbewusst auf und treibt die Politik vor sich her. Der neue Machtanspruch geht zu Lasten der Betriebe – und der Gewerkschaftskonkurrenz.

Bei dem Erreichten vermittelt die Metaller derzeit den Eindruck einer Gewerkschaft, die vor Kraft kaum laufen kann. dpa

Demonstration von IG Metall-Mitgliedern

Bei dem Erreichten vermittelt die Metaller derzeit den Eindruck einer Gewerkschaft, die vor Kraft kaum laufen kann.

FrankfurtGewerkschaftstage sind immer auch ein Ort der Selbstbespiegelung. Was haben wir erreicht, wo stehen wir, wo wollen wir hin? Das ist auf dem Bundeskongress der IG Metall in Frankfurt nicht anders.

Der Autor berichtet für das Handelsblatt aus Berlin über die Themen Arbeitsmarkt und Gewerkschaften.

Der Autor berichtet für das Handelsblatt aus Berlin über die Themen Arbeitsmarkt und Gewerkschaften.

Bei dem Erreichten vermitteln die Metaller derzeit den Eindruck einer Gewerkschaft, die vor Kraft kaum laufen kann. Nur zwei Jahre stand Detlef Wetzel an der Spitze der weltgrößten Einzelgewerkschaft, und sein Verdienst ist, sie stärker in die Breite geführt zu haben. Seinem designierten Nachfolger Jörg Hofmann übergibt er eine selbstbewusste und gestärkte Organisation. In diesem Jahr wird die Gewerkschaft zum fünften Mal in Folge einen Mitgliederzuwachs feiern können. Die IG Metall wird „bunter und vielfältiger“, sagt Vorstandsmitglied Christiane Benner, die am Dienstag zu Hofmanns Vize gewählt werden soll. Vor allem Frauen, junge Beschäftigte und Studierende engagieren sich häufiger als in den früheren Jahren. Das spiegelt sich auch in steigenden Beitragseinnahmen, die in diesem Jahr auf 532 Millionen Euro klettern werden.

Ebenso stolz ist die IG Metall darauf, die Politik nicht nur in ihrem Sinne beeinflusst, sondern geradezu vor sich hergetrieben zu haben. Die Leiharbeit habe man zwar eingehegt, die Arbeitgeber seien dadurch aber „nicht dauerhaft zivilisiert“ worden, wie Wetzel sagt. Deshalb muss nun Arbeitsministerin Andrea Nahles – selbst IG-Metall-Mitglied – ran. Sie will in Kürze einen Gesetzentwurf zur Regulierung von Leiharbeit vorlegen und sich die Werkverträge gleich mit vorknöpfen. Diese, sagt Wetzel, trügen die „Handschrift eines neuen ungezügelten Kapitalismus“.

Auch bei der Gestaltung der digitalen Arbeitswelt sagt der designierte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann: „Unsere Botschaft ist angekommen.“ Soll heißen: Das von Nahles vorgelegte Grünbuch zur Arbeit 4.0 trägt eindeutig die Handschrift der IG Metall. Und die Gewerkschaft wird nicht müde, weiter nach dem Gesetzgeber zu rufen: Weg mit der Rente mit 67, rauf mit den Altersbezügen, her mit der solidarischen Finanzierung, keine Ruhe geben, bis die Antistressverordnung kommt!

Mit der IG Metall, so die klare Botschaft aus Frankfurt, wird auch in Zukunft zu rechnen sein. Was heißt das für die deutsche Wirtschaft? Zunächst mehr Unruhe in den Betrieben. Will die IG Metall weiter wachsen, muss sie jedes Jahr so viele neue Mitglieder gewinnen, wie Jena oder Bremerhaven Einwohner haben. 190 Millionen Euro lässt sich die Gewerkschaft bis 2024 neue Konzepte der Selbstvermarktung kosten.

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