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22.05.2014

17:02 Uhr

Kommission nimmt Arbeit auf

Endlager verzweifelt gesucht

Wohin mit dem deutschen Atommüll? Eine Kommission arbeitet an Kriterien für eine bundesweite Suche nach einem Atommüll-Endlager. Die Zeit drängt – doch schon jetzt ist von 2050 die Rede.

Ein Schild warnt vor Strahlung im atomaren Zwischenlager in Gorleben. dpa

Ein Schild warnt vor Strahlung im atomaren Zwischenlager in Gorleben.

BerlinAn dem Runden Tisch sitzen Leute, die sich eigentlich nicht riechen können. Im Streit um die Eignung Gorlebens als Atommüll-Endlager haben sie sich jahrelang mit Vorwürfen überzogen. Nun sollen sie gemeinsam die Kriterien für einen Neustart erarbeiten. In der ersten Sitzung am Donnerstag meint Bundestagspräsident Norbert Lammert: „Es gibt gemütlichere Aufgaben.“

Es ist eine „historische Chance“, sagt die Vorsitzende Ursula Heinen-Esser (CDU). Lammert appelliert, möglichst im Konsens Empfehlungen abzuliefern – dann würden sie auch eher umgesetzt. Und er hoffe, dass dies für die Mitglieder keine Dauerbeschäftigung für ihre verbleibende Lebenszeit werde.

Die Kommission soll bis 2016 zum Beispiel festlegen, ob für ein Endlager sowohl Salz- und Ton- als auch Granitgestein in Betracht kommt. Besonders Norddeutschland bietet viele Optionen. „Über kein untersuchungswürdiges Gestein verfügen nur das Saarland, Rheinland-Pfalz und Berlin“, heißt es in einer Greenpeace-Studie.

Kommentar: Nutzt die Chance!

Kommentar

Nutzt die Chance!

Die Suche nach einem Atommüll-Endlager in Deutschland hat begonnen: Eine Kommission legt nun die Kriterien fest, die ein Standort erfüllen soll. Damit das gelingt, müssen Gorleben-Fans und Gegner ihr Kriegsbeil begraben.

Die Zeit drängt. Am 11. November 2011 hatte Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) den Neustart ausgerufen, nachdem seit 1977 nur der Salzstock in Gorleben im Fokus stand. „Es gibt eine weiße Landkarte – kein Tabu“, so Röttgen damals. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) forderte eine Bewegung aller Bundesländer: „Das Zeug muss ja irgendwo hin.“

Dann folgte ein sehr zäher Prozess, bis im Juli 2013 endlich das Endlagersuchgesetz stand. Röttgens Nachfolger Peter Altmaier (CDU) bilanzierte: „Es war eine schwere Geburt, aber es war eine erfolgreiche Geburt.“ Nun müsse das Kind wachsen und gedeihen.

Der Fahrplan zum Atommüll-Endlager

2014 bis Mitte 2016:

Eine 33-köpfige Kommission mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erarbeitet mit Expertenanhörungen die Grundlagen der Suche. Danach muss das Endlagersuchgesetz eventuell noch einmal modifiziert werden.

2015/2016:

Um nicht weitere Fakten für ein Endlager in Gorleben (Niedersachsen) zu schaffen, sollen keine Atommülltransporte mehr in das nahe des Salzstocks gelegene oberirdische Zwischenlager gehen. Sie müssen in andere Zwischenlager in Deutschland gebracht werden.

Ab 2016:

Zunächst werden bundesweit alle ungeeigneten Regionen ausgesiebt. Regionen mit guten Gesteinsformationen werden ausgewählt und mehrere Standorte erkundet, auch mittels Probebohrungen.

Bis 2023:

Am Ende sollen die besten Standorte aufwendig unter Tage erkundet werden. Welche Standorte ausgewählt werden, soll mit einem weiteren Bundesgesetz beschlossen werden. Die Kosten pro Erkundung werden mit einer halben Milliarde Euro pro Standort veranschlagt.

2031

Bundestag und Bundesrat sollen endgültig über den Standort entscheiden, der Klageweg soll nicht eröffnet werden. Die Kosten der Endlagersuche werden mindestens zwei Milliarden Euro betragen.

Doch das Kind, es gedieh nicht so recht. Noch immer ist unklar, wo die 26 ausstehenden Castor-Behälter aus der Wiederaufarbeitung im Ausland hin sollen. In das nahe dem Salzstock gelegene zentrale Zwischenlager Gorleben dürfen sie nicht mehr. Eine Konzession an Niedersachsen, um zu unterstreichen, dass keine Fakten mehr in Gorleben geschaffen werden. Umweltschützer argwöhnen, die neue Suche werde nur unternommen, um Gorleben dank eines Vergleichs mit anderen Optionen gerichtsfest als Endlager durchzudrücken.

Die Kommission sollte schon Anfang des Jahres starten, aus 24 Mitgliedern wurden 33. Umweltverbände wie Greenpeace zweifeln am ergebnisoffenen Charakter und boykottieren die Suche. Und weil man sich auch beim Vorsitz zerstritt, leiten Heinen-Esser und der Gorleben-Gegner Michael Müller (SPD) die Sitzungen im Wechsel.

Kommentare (8)

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22.05.2014, 18:07 Uhr

Warum wurde der Müll produziert, bevor ein Endlager gefunden wurde? Wer kommt für die Kosten auf? Ist der Atomstrom dann immer noch günstig?

Wir müssen so schnell wie möglich aufhören, sinnlos Rohstoffe zu verbrennen um Strom zu generieren. Es geht auch ohne Verbrennen.
Die fossilen Energieträger kosten uns unseren gesamten Wohlstand!
Verbrennung von Kohle/Atom = Wohlstandsvernichtung!!!

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22.05.2014, 18:52 Uhr

Sie haben mit Ihrer Kritik an den sinnlosen Kosten dieses Oekospektakels völlig recht.

Wenn man die Schikanen die der Kernenergie auferlegt werden auf die Oelförderung/Verbrennung auferlegen würde, wäre nicht mal die Oelförderung in Saudi Arabien rentabel.

Deutschland ist mit 100erten Salzstöcken gesegnet die sich gemäss der Geologen ideal für die Deponierung chemotoxischer und radiotoxischer Abfälle eignen. So werden in Herfa Neurode jährlich 200000 to Giftmüll aus dem In- und Ausland, der teils als gefährlicher als der ökoreligiös dämoniserte Atommüll bewertet wird zu Kosten von ca. 1500 €/to entsorgt.
Wenn man Gorleben nach dem Bergrecht errichtet hätte und betreiben würde, ca. 2 Mrd. €, oder 0,01c/kWh, könnte man der Gesellschaft Kosten in Milliardenhöhe ersparen.


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22.05.2014, 19:06 Uhr

Man hat sich in D in der Tat bereits sehr früh Gedanken zur Entsorgung radioaktiver Abfälle gemacht.

Bereits in den 60er Jahren hat man radioaktive Abfälle im Meer versenkt. Heutzutage ist dies international nur mehr für flüssige radioaktive Abfälle zulässig. Die Meere enthalten von Natur aus ca. 70 Mrd. to radioaktiver Substanzen. Bei einem jährlichen Anfall von einigen 100to Trockenmasse ist dies eine sehr sinnvolle und preiswerte Methode für die Entsorgung Leicht- und Mittelradioaktiver Abfälle.
In den 60er Jahre hat man in der BRD das ehemalige Salzbergwerk Asse für ½ Mio. DM gekauft. Man hat dort sehr erfolgreich die Einlagerung Leicht- und Mittelradioaktiver Abfälle getestet. Diese Anlage ist Vorbild für die WIPP Anlage in den USA wo man besonders problematische Plutoniumhaltige Abfälle aus militärischen Quellen einlagert.
In der DDR hat man den Salzstock Morsleben erschlossen und dort Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Die Einlagerung hochradioaktiver Abfälle war geplant. Nach der Wiedervereinigung wurde das Lager für Leicht- und Mittelradioaktive Abfälle zugelassen. Der grüne Umweltminister Wolfram K, den man sicherlich als Erfinder der „Ungelösten Endlagerfrage“ bezeichnen kann, hat diese Anlage skandalisiert und geschlossen.
Gorleben ist als unverritzter Salzstock geologisch/technisch gesehen ideal. Man hat diesen Salzstock für 1,6 Mrd. € untersucht und nichts gefunden was dagegen spricht. Vom Verstande her spräche nichts dagegen diesen auszubauen und mit der Einlagerung zu beginnen.

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