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08.04.2015

07:58 Uhr

Kommunen schlagen Alarm

Warnung vor dem Tröglitz-Effekt

VonDietmar Neuerer

Der Brandanschlag auf das Asylbewerberheim von Tröglitz schreckt den Städte- und Gemeindebund auf: Solche Übergriffe könnten auch negative wirtschaftliche Auswirkungen haben. Für heute plant die Polizei Hausbesuche.

Die Polizei bewacht das teilweise ausgebrannte Haus in Tröglitz (Sachsen-Anhalt). dpa

Brand in geplanter Asylbewerberunterkunft

Die Polizei bewacht das teilweise ausgebrannte Haus in Tröglitz (Sachsen-Anhalt).

BerlinDer Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, hat vor den wirtschaftlichen Folgen für Kommunen nach ausländerfeindlichen Übergriffen wie aktuell im sachsen-anhaltlischen Tröglitz gewarnt. „Das mediale Echo auf derartige Vorkommnisse hat für die betroffene Kommune regelmäßig negative Auswirkungen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass Touristen einen solchen Ort eher meiden“, sagte Landsberg dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). „Gerade deshalb ist es wichtig, dass die Bevölkerung gemeinsam mit der Politik klare Zeichen setzt, dass der Ort nicht fremdenfeindlich ist.“

In Tröglitz mit seinen rund 2700 Einwohnern hatten Rechtsextreme seit Monaten Stimmung gegen die Asylbewerber gemacht. Wegen der Anfeindungen und aus seiner Sicht mangelnder Unterstützung trat im März Bürgermeister Markus Nierth (parteilos) zurück. Gegen alle Proteste der rechten Szene halten das Land und der zuständige Burgenlandkreis daran fest, in dem Ort 40 Asylbewerber unterzubringen. Nun wurde in dem geplanten Flüchtlingsheim Feuer gelegt.

Landsberg forderte eine bessere und nachhaltigere Ausrichtung der Flüchtlingspolitik. Dazu gehöre eine klare Verständigung zwischen Bund, Länder und Gemeinden. „Ziel muss es sein, die Solidarität mit Flüchtlingen weiter zu stärken, die Infrastruktur auszubauen und eine Überforderung der Kommunen zu vermeiden“, betonte der Städtebund-Geschäftsführer. „Zusätzlich sollte ein Aktionsplan verabredet werden, der die finanziellen Fragen zu Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Integration klar regelt.“

Unterbringung und Versorgung von Flüchtlingen liege zwar in der Hand der Kommunen, die Finanzierung dieser gesamtstaatlichen Aufgabe müssten aber Bund und Länder dauerhaft sicherstellen, sagte Landsberg weiter. Unverzichtbar seien auch gemeinsame Kommunikationskonzepte, "um der Öffentlichkeit immer wieder deutlich zu machen, wer kommt wann und aus welchen Gründen", fügte der Städtebund-Chef hinzu. „Dazu gehören auch die vielen guten Beispiele, wo sich Menschen ehrenamtlich für Flüchtlinge einsetzen und deutlich wird, dass viele Flüchtlinge nach kurzer Zeit integriert sind, einen Arbeitsplatz haben und sich und ihrer Familie ernähren.“

Brandanschlag auf Asylbewerberheim: Sachsen-Anhalt setzt Belohnung aus

Brandanschlag auf Asylbewerberheim

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Nach dem Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in Tröglitz gerät der Zeitplan durcheinander. Flüchtlinge kommen nun teilweise später in den Ort in Sachsen-Anhalt. Das Land hofft auf Hinweise auf die Täter.

Landsberg betonte, dass die Vorkommnisse in Tröglitz kein ostdeutsches Phänomen seien. Bei der Suche nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten komme es immer wieder zu Konflikten vor Ort, die vereinzelt auch mit Straftaten verbunden seien. So habe es zum Beispiel auch in Mittelfranken (Bayern) einen Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim gegeben, das vor der Fertigstellung stand. Die persönliche Bedrohung von Kommunalpolitikern wie in Tröglitz sei indes „eine  Dimension, die wir mit Null-Toleranz und entsprechender Polizeipräsenz beantworten müssen“, sagte Landsberg. „Der Staat darf nicht zurückweichen, wenn es darum geht sicherzustellen, dass die Flüchtlinge bei uns in Sicherheit leben können und die Politiker, die dafür eintreten, geschützt werden.“

Wegen des Brandanschlags auf das Asylbewerberheim von Tröglitz verzögert sich dort die Aufnahme von Flüchtlingen. Ende Mai oder Anfang Juni könnten die ersten zehn in privaten Wohnungen unterkommen, sagte der zuständige Landrat Ulrich. Mehrere Einwohner von Tröglitz hätten entsprechende Angebote gemacht. Für die übrigen 30 müssten noch Quartiere gefunden werden. Ursprünglich hatten alle in dem Flüchtlingsheim Platz finden sollen, das seit dem Feuer unbewohnbar ist.

Kommentare (31)

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Herr Rene Weiß

08.04.2015, 07:42 Uhr

Gewalt ist absolut abzulehnen. Aber wundern muss man sich nicht. Erst wird Deutschland mit Asylanten geflutet, gesehen auf die letzten 60 Jahre. Damit zersetzt sich die Kultur. Dass einige das so nicht hinnehmen wollen, wundert mich nicht. Und wenn man sehen will, was Multi-Kulti anrichtet, muss man sich nur die USA anschauen. Aber das wollen Linke und Grüne so. Wann man mal 80 Millionen Leute mit Migrationshintergrund in Deutschland hat, wird man sich umschauen, welche Zustände dann herrschen. Und jedem, dem der Verlust der westeuropäischen/abendländischen/christlichen Kultur schmerzt, wird als "Nazi" oder "gegen rechts" abgebürstet. Patriotismus für sein Land oder Kultur ist in Frankreich und anderen Länder normal, in Deutschland ist ein Funke Patriotismus schon "rechts" und muss bekämpft werden.

Herr Niccolo Machiavelli

08.04.2015, 08:31 Uhr

Es ist wohl einmalig auf der Welt, wie sozialistische Parteien (und nur solche haben wir im Bundestag) unser Land mit der von ihnen verordneten Willkommenskultur, welche die Mehrheit der Bevölkerung ausgesprochen oder unasugesprochen ablehnt, zu Grunde richtet und die Bevölkerung massiv schädigt.


Herr walter danielis

08.04.2015, 09:05 Uhr

Eine seriöse Politik und ihre Medien würde auf Schuldzuweisungen verzichten solange die Täter nicht bekannt sind. Auch Konsequenzen kann man erst ziehen wenn man weiß wer die Täter sind. Auch wennl man eine bestimmte Gruppe gerne als Täter hätte, kann es ja auch ganz anders gewesen sein. In Vorra und Dresden gab es den üblichen Aufschrei. Dann stellte sich heraus das der Mörder in Dresden ein Asylbewerber - neuerdings Flüchtling - war. Der Brand in Vorra wurde nicht aufgeklärt .

Das die große Mehrheit der Bevölkerung - trotz intensiver Medienarbeit - eine ganz andere Einstellung zur Migritationspolitik hat als Politik und Medien kundtun ,weiß wohl jeder

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