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21.11.2014

14:43 Uhr

Konferenz „On The Record“

Was läuft falsch im Journalismus?

VonSteffen Daniel Meyer

Bei einer Konferenz kritisieren Politiker und Wirtschaftsgrößen, was Journalisten falsch machen. Und die dürfen antworten. Der Schlagabtausch brachte einen frommen Wunsch – und einen Seitenhieb von Stargast Steinbrück.

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück diskutierte auf der Konferenz „On The Record“ in Dortmund mit Vertretern von Medien, Politik und Wirtschaft. dpa

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück diskutierte auf der Konferenz „On The Record“ in Dortmund mit Vertretern von Medien, Politik und Wirtschaft.

Dortmund/DüsseldorfPeer Steinbrück macht direkt deutlich, was seiner Ansicht nach falsch läuft in den Medien: Nach dem Fernsehduell zwischen ihm und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2013 hätte die Halskette der Kanzlerin „eine größere Rolle gespielt als das, worüber überhaupt debattiert wurde“, sagte er bei der Konferenz „On The Record“ in Dortmund.

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat nutzte ein weiteres Beispiel für seine These der Banalisierung für einen Seitenhieb in Richtung des politischen Gegners. Bilder schlügen Inhalte, wenn sich „ein Politiker auf der Straße in New York fotografieren lässt“. Er spielte damit auf Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an, der sich 2009 vor der Skyline der Metropole hatte ablichten lassen, ähnlich wie es in diesem Sommer auch die derzeitige Ministerin Ursula von der Leyen getan hatte.

Die größten deutschen Medienkonzerne (Umsatz 2013)

Platz 10 – Funke Mediengruppe

Umsatz: 1,2 Milliarden Euro*

Platz 9 – Verlagsgruppe Weltbild

Umsatz: 1,59 Milliarden Euro*

Platz 8 – Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Umsatz: 1,88 Milliarden Euro*

Platz 7 – ZDF

Umsatz: 2,01 Milliarden Euro

Platz 6 – Bauer Media Group

Umsatz: 2,4 Milliarden Euro

Platz 5 – Hubert Burda Media

Umsatz: 2,45 Milliarden Euro*

Platz 4 – ProSieben Sat.1

Umsatz: 2,61 Milliarden Euro

Platz 3 – Axel Springer

Umsatz: 2,8 Milliarden Euro

Platz 2 – ARD

Umsatz: 6,28 Milliarden Euro

Platz 1 – Bertelsmann

Umsatz: 16,36 Milliarden Euro

Quelle

Institut für Medien- und Kommunikationspolitik

*Für diese Konzerne lagen die Umsatzzahlen von 2013 bei der Publikation im Mai noch nicht vor. In diesen Fällen wurden die zuletzt veröffentlichten Umsatzzahlen als Grundlage genommen.

Die Konferenz „On The Record“ wollte „eine Brücke schlagen“ zwischen Politik, Wirtschaft und Journalismus. Organisiert wurde sie vom Lehrstuhl Wirtschaftspolitischer Journalismus der Technischen Universität (TU) Dortmund, an deren Spitze der Journalistik-Professor Henrik Müller steht, ehemals stellvertretender Chefredakteur des „Manager Magazins“.

Der für seine Attacken bekannte Stargast Steinbrück teilte aber nicht nur aus: Er gab auch zu, dass sich Politik zunehmend inszeniere („Welchen Schlips, welches Jackett ziehe ich an?“), aber auch von den Medien inszeniert werde: Politiker würden durch Shitstorms, Blogs und journalistische Überspitzung zu einem Polit-Sprech „erzogen“, der etwa so klinge: „Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis.“ Für viele seiner Aussagen erntete er Applaus im Publikum.

Zu den Podiumsgästen zählten neben Steinbrück unter anderem Yves Mersch, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) aus Luxemburg, Bert Rürup vom Handelsblatt Research Institute, der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt, Staatssekretär Jörg Asmussen sowie Christian Rickens, Wirtschafts-Ressortleiter bei „Spiegel Online“.

Kommentare (6)

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Herr Rudy Patz

21.11.2014, 15:38 Uhr

Mir persönlich fehlt die aktuelle contrarussische Propaganda unserer Medienlandschaft in der Diskussion. Das wäre ein sehr interessantes Thema gewesen.

Frau Lisa Walter

21.11.2014, 17:50 Uhr

Es läuft einiges falsch im deutschen Journalismus. Das größte Problem ist für mich die einseitige und manipulative Berichterstattung. Wer hat z.B. bei der Euro-Einführung erwähnt, dass in meisten Währungsunionen heterogener Staaten scheiterten? Wer berichtet über den weit verbreiteten Antisemitismus vieler Migranten (insbesondere die aus der Türkei und dem arabischen Raum)?
Aber warum ist die Berichterstattung so verzerrt? Laut einer Studie des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin sympathisiert die große Mehrheit der Journalisten mit Rot-Grün (vor allem mit den Grünen). Und nicht nur das: 32,5 Prozent der Befragten geben an, mit ihrer Arbeit "die politische Tagesordnung beeinflussen und Themen auf die Agenda setzen" zu wollen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie von 2005 (durchgeführt vom Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg).

Account gelöscht!

21.11.2014, 18:09 Uhr

“Was läuft falsch im Journalismus?“

Ich bin für absolute Freiheit, jeder sollte sich so oft prostituieren dürfen wie er es selbst mit seinem Gewissen verantworten kann, allerdings nicht ohne vorherige Ankündigung und Ehrlichkeit.

Das ist und bleibt natürlich ein realitätsfremder Wunsch.
Wer würde noch einen Politiker wählen, wenn dieser vor der Wahl offen zugeben würde, dass er hauptsächlich für bestimmte Leute oder Konzern(e) während seiner Amtszeit arbeiten wird, zumal das auch noch strafrechtlich relevant sein könnte.
Welcher Redakteur würde noch genug Zeitungen verkaufen, wenn er offen zugeben würde, wem er journalistisch und medial nützlich sein muss und wem er schaden muss, zumal man dem Herausgeber gegenüber eine gewisse Loyalität schuldet oder im anderen Fall der eigene Arbeitsplatz und das Einkommen ganz schnell weg sind. Das mit Luxus verwöhnte Weibchen und die Privatschulen der Kinder müssen schließlich finanziert werden und selbst fährt man auch lieber Oberklasse als mit Fahrkarte.
Wer oben bleiben will, relativ gesehen, muss und darf nicht zu empfindlich sein oder muss sich das alles schön lügen und fest an seine “Mission“ glauben. Nach dem Tod kann man ja wieder seinem Gewissen den nötigen Freigang geben, Gott liebt doch seine Sünder!

Es geht also nicht um die, die sich korrumpieren oder kaufen lassen, es geht um die, die dabei so tun als wäre alles ganz anders und vor lauter vorgespielter Seriosität und Integrität kaum noch laufen können.

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