Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2016

07:07 Uhr

Konfrontationskurs

Gabriel nennt AfD „offen rassistisch“

Der SPD-Vorsitzende Gabriel bleibt auf Konfrontationskurs zur AfD – und findet deutliche Worte zur Partei. „Das erinnert fatal an das politische Vokabular der 20-er und 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts.“

SPD-Vorsitzende: „Das erinnert fatal an das politische Vokabular der 20-er und 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts.“ dpa

Sigmar Gabriel

SPD-Vorsitzende: „Das erinnert fatal an das politische Vokabular der 20-er und 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts.“

LudwigshafenSPD-Chef Sigmar Gabriel hat der AfD eine „offen rassistische“ Gesinnung bescheinigt. Die Partei wolle „eine völkische Gesellschaft“, die auf Ausgrenzung beruhe, sagte Gabriel der in Ludwigshafen erscheinenden „Rheinpfalz“ (Mittwochsausgabe). „Das erinnert fatal an das politische Vokabular der 20-er und 30-er Jahre des letzten Jahrhunderts“, sagte der SPD-Chef mit Verweis auf die Weimarer Zeit und die Nazi-Herrschaft.

Gabriel äußerte zugleich Verständnis für jeden, der sich über „die Politiker“ ärgere. Die meisten dieser Unzufriedenen seien keine Rechtsradikalen. „Sie müssen bei uns offene Ohren finden und auch Antworten auf ihre Fragen“, mahnte Gabriel.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Eine der Ursachen für die Radikalisierung der Politik sieht der SPD-Chef in der Art und Weise, wie Demokraten derzeit miteinander und übereinander redeten. Eine Formulierung wie die von CSU-Chef Horst Seehofer, Deutschland stünde unter der „Herrschaft des Unrechts“, empfinde er als „furchtbar“, sagte Gabriel. „Wie kann man die Bundesrepublik sprachlich mit der DDR gleichsetzen, das ist unglaublich“, kritisierte er.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×