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19.12.2013

10:23 Uhr

Konjunktur

Inflation frisst Lohnerhöhungen

Weil im dritten Quartal viele Sonderzahlungen bei Banken, Versicherungen und in der öffentlichen Verwaltung ausfielen, dominieren die Preissteigerungen den Jahresabschluss, sie tilgen Lohnsteigerungen fast komplett auf.

Da bleibt nicht mehr viel übrig: Zumindest auf alle Beschäftigten in Deutschland gerechnet, werden die Lohnerhöhungen 2013 durch stetigen Wertverfall mehr als aufgezehrt. dpa

Da bleibt nicht mehr viel übrig: Zumindest auf alle Beschäftigten in Deutschland gerechnet, werden die Lohnerhöhungen 2013 durch stetigen Wertverfall mehr als aufgezehrt.

Wiesbaden/ BerlinDie Inflation wird in diesem Jahr die Einkommenssteigerungen wohl komplett auffressen: Für 2013 zeichne sich nach den Ergebnissen der ersten drei Quartale ein Reallohnverlust ab, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Dies ist der erste Reallohn-Verlust seit dem Krisenjahr 2009. Demnach stiegen die Löhne in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2012 um 1,4 Prozent – die Verbraucherpreise allerdings noch stärker, nämlich um 1,6 Prozent. 2012 hatte es noch ein reales Plus von 0,5 Prozent gegeben, 2011 von 1,2 Prozent und 2010 von 1,5 Prozent.

Im dritten Quartal von Juli bis Ende September 2013 kletterten die Löhne um 1,3 Prozent, die Verbraucherpreise um 1,6 Prozent, wie die Statistiker weiter mitteilten. Unter dem Strich stand also ein Reallohnverlust. Im zweiten Quartal von April bis Juni hatten sich Inflation und Einkommenssteigerung die Waage gehalten – die Reallöhne blieben also unverändert. Doch bereits im ersten Quartal war der Anstieg der Verbraucherpreise höher ausgefallen als der Anstieg der sogenannten Nominallöhne.

Das Maß, in dem die Reallöhne im dritten Quartal abgesunken waren, stellt allerdings die massivste Entwicklung seit gut vier Jahren dar. Nach Abzug der Inflation hatten die Arbeitnehmer 0,3 Prozent weniger in den Taschen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls bekannt gab.

Die unterschiedlichen Mindestlöhne in Deutschland

Pflegebranche

Knapp 800.000 Pflegekräfte erhalten seit dem 1. August 2011 einen gesetzlichen Mindestlohn. Pflegehilfskräfte in der Alten- und ambulanten Krankenpflege bekommen im Osten 7,75 Euro und im Westen 8,75 Euro.

Wach- und Sicherheitsgewerbe

Für die 170.000 Beschäftigten der Branche beträgt der Mindestlohn in allen Regionen Deutschlands seit Anfang 2013 mindestens 7,50 Euro. Für einzelne Regionen im Osten bedeutete dies eine Lohnerhöhung um bis zu 60 Prozent. Die Verordnung ist bis 31. Dezember 2013 befristet.

Abfallwirtschaft

Ob Straßenreiniger, Sortierkraft, oder Müllwerker: Für 160.000 Beschäftigte der Abfallwirtschaft gilt seit Februar ein Mindestlohn von bundeseinheitlich 8,68 Euro.

Bergbau- und Spezialdienste

Für die etwa 2500 Beschäftigten gilt seit Oktober 2009 ein Mindeststundenlohn. Seit 1. November 2011 werden 11,53 Euro für einfache Tätigkeiten gezahlt, Facharbeiter erhalten 12,81 Euro.

Maler- und Lackierer

Für ungelernte Arbeitnehmer der Branche mit etwa 100.000 Beschäftigten gilt eine Lohnuntergrenze von 9,75 Euro, Gesellen verdienen 12,00 Euro pro Stunde.

Industrielle Großwäschereien

Die etwa 35.000 Beschäftigten erhalten seit April 2012 mindestens 8,00 Euro im Westen und 7,00 Euro im Osten.

Gebäudereiniger

Der Mindestlohn für die rund 700.000 Beschäftigten wurde angehoben. In der Innenreinigung werden seit 2012 nun mindestens 8,82 Euro im Westen (7,00 Euro im Osten) gezahlt, während Fassadenreiniger 11,33 Euro (8,88 Euro) erhalten.

Dachdecker

Die etwa 84.000 Arbeitnehmer bekommen seit Jahresanfang bundeseinheitlich einen Mindestlohn von 11,20 Euro.

Bauhauptgewerbe

Für die etwa 414.500 Beschäftigten im Westen gilt seit dem 01. Juli ein Mindestlohn von 11,05 Euro für Werker und 13,40 Euro für Fachwerker. Die 127.600 Beschäftigten im Osten verdienen einheitlich mindestens 10,00 Euro.

Elektrohandwerk

Betroffen sind etwa 280.000 Arbeitnehmer, die ein Mindestentgelt von 9,90 Euro (8,85 Euro Ost) erhalten.

Gerüstbau

Für die rund 30.000 Gerüstbauer in Deutschland gibt es seit dem 01. August einen bundesweiten Mindestlohn. Erstmals wurde eine untere Lohngrenze von 9,50 Euro in Ost und West vereinbart.

Berufliche Weiterbildung

Auch rund 23.000 Angestellte, die als Lehrer, Sozialpädagogen oder Handwerksmeister Jugendliche aus- und Arbeitslose weiterbilden, bekommen einen Mindestlohn. Er liegt je nach Tätigkeit bei mindestens 12,60 Euro im Westen und bei 11,25 im Osten.

Briefdienstleistungen

In weiteren Branchen ist ein Mindestlohn rechtlich möglich, aber nicht in Kraft. Betroffen ist zum Beispiel die Branche Briefdienstleistungen: Für Briefzusteller war 2009 ein Mindestlohn von 9,80 Euro festgelegt worden. Das Bundesverwaltungsgericht hat den Mindestlohn aber im Januar 2010 gekippt, da er rechtswidrig zustandegekommen sei.

Forstliche Dienstleister

Für diese Branche liegen Mindestlohntarifverträge vor, die noch nicht für allgemeinverbindlich erklärt wurden. Vereinbart sind 10,52 pro Stunde.

Steinmetze und Steinmaurer

Auch im Steinmetz- und Steinbildhauerhandwerk gibt es Mindestlohntarifverträge. Vereinbart wurde ein Mindestlohn von 9,75 bis 11,00 Euro pro Stunde.

Abbruch- und Abwrackgewerbe

Hier galt bis Ende 2008 ein Mindestlohn von 9,10 Euro bis 11,96 Euro. Ausführliche Informationen zur Allgemeinverbindlichkeit und geltenden Mindestlöhnen bietet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales.

Den vergleichsweise mageren Lohnzuwachs erklären die Statistiker mit deutlich geringeren Einmalzahlungen im Dienstleistungsbereich – „vor allem im Bereich der Banken und Versicherungen sowie in der öffentlichen Verwaltung“. Dadurch legten die Bruttomonatsverdienste der dort Beschäftigten im Schnitt nur um 0,7 Prozent zu. Besser sieht es in der Industrie aus: Die Beschäftigten des Produzierenden Gewerbe erhielten 2,3 Prozent mehr, wodurch sie auch real mehr bekamen und ihre Kaufkraft steigerten.
Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente in Deutschland im dritten Quartal ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3.462 Euro brutto im Monat. Das meiste Geld erhielten Vollzeitbeschäftigte bei Banken und Versicherungen (4.576 Euro), in der Energieversorgung (4.510 Euro) sowie im Bereich Information und Kommunikation (4.501 Euro). Am wenigsten bekamen die Beschäftigten im Gastgewerbe mit 2.012 Euro brutto.

Kommentare (4)

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19.12.2013, 10:56 Uhr

Die Menschen haben mit den Blockpartien Inflation und Schuldenvergemeinschaftung gewählt.

Also bitte jetzt nicht meckern - man wusste ja vorher was Programm was.

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19.12.2013, 11:42 Uhr

Milchmädchenrechnung!
Im Jahre Anno Domini 2013 sind die Renten um satte 0,25% (West) gestiegen. Bei einer Inflation von nur 1,6% sind sie doch die Gewinner.
Auch der Strompreis, Steuern und Abgaben sind nur marginal gestiegen.

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19.12.2013, 13:09 Uhr

@ Pandora0611,
Tja; genauso rechnen Politiker. Das endet dann mit deren Feststellung, dass erneute Nullrunden für Rentner fällig werden (statt Minusrunden) und die eigene Intelligenz für gute Mathematik mit einer Diätenerhöhung honoriert werden muss.

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