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13.05.2016

10:54 Uhr

Konjunktur

Sommerlaune in der deutschen Wirtschaft

Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland ist im ersten Quartal um 0,7 Prozent gestiegen. Das ist mehr als erwartet. Der Zuwachs hat mit kauflustigen Verbrauchern, aber auch mit den Flüchtlingen zu tun.

Das Wachstum ist im ersten Quartal stärker ausgefallen als erwartet. dpa

Sommerlaune in der deutschen Wirtschaft

Das Wachstum ist im ersten Quartal stärker ausgefallen als erwartet.

WiesbadenDie deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal trotz der weltweiten Konjunkturschwäche so schnell gewachsen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Kauflustige Verbraucher, höhere Staatsausgaben und steigende Investitionen ließen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Januar bis März um 0,7 Prozent zum Vorquartal klettern. Das gab das Statistische Bundesamt am Freitag bekannt. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Plus von 0,6 Prozent gerechnet, nachdem es in den beiden Vorquartalen jeweils 0,3 Prozent waren.

Impulse kamen in erster Linie aus dem Inland. „Die privaten Haushalte und der Staat erhöhten ihre Konsumausgaben zum Jahresbeginn“, erklärten die Statistiker. Wegen der Rekordbeschäftigung, steigender Löhne und niedriger Inflation sitzt das Geld bei den Verbrauchern locker, während der Staat mehr für Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge ausgibt. „Auch die Investitionen legten zu“, teilten die Statistiker mit.

Konjunktur: Exporte steigen überraschend

Konjunktur

Exporte steigen überraschend

Die deutschen Ausfuhren habe im März im Vergleich zu Februar um 1,9 Prozent zugelegt – und damit so stark wie seit einem halben Jahr nicht mehr. In einige EU-Länder stiegen die Exporte sogar um knapp drei Prozent.

„Bedingt durch die erneut milde Witterung wurde sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen deutlich mehr investiert.“ Die saisonüblichen Arbeitsausfälle blieben wegen des milden Winters weitgehend aus. Der Außenhandel bremste dagegen, weil die Importe stärker stiegen als die Exporte. Letztere leiden unter der schwächelnden Nachfrage aus großen Schwellenländern wie China und Russland.

DIHK-Konjunkturexperte Dirk Schlotböller wertete die BIP-Zahlen sehr positiv: „Mit dem stärksten Plus seit zwei Jahren legt die deutsche Wirtschaft einen Turbostart hin.“ Öl sei nochmals billiger geworden „und die Ausgaben für die Unterbringung, Versorgung und Integration der Flüchtlinge sind auch in der Wirtschaft angekommen.“ Zudem habe die Bauwirtschaft vom milden Winter profitiert. Schlotböller hob hervor: „Die Exporte haben sich nach ihrer Schwächephase vom Jahresende 2015 wieder berappelt.“ Freilich dürften so viele günstige Faktoren so schnell nicht wieder zusammen auftreten.

„Das ist ein sehr guter Start in das Jahr 2016“, erklärte Ulrike Kastens, Analystin von Sal. Oppenheim. „Wie immer ist es die Binnennachfrage, die das Wachstum trägt. So wird es auch in den kommenden Monaten bleiben. Der Konsum wird weiter laufen. Der Außenhandel bleibt ein gewisses Sorgenkind wegen der Schwäche in den Schwellenländern.“ Sie erwartet nicht, dass die Dynamik des ersten Quartals anhalten wird, rechnet aber mit „solidem Wachstum in Deutschland“.

BIP in der Euro-Zone: Konjunktur in Europa nimmt Fahrt auf

BIP in der Euro-Zone

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Die Euro-Zone hat ihr Wachstumstempo im ersten Quartal überraschend verdoppelt. Das ist der stärkste Zuwachs seit einem Jahr. Ist das Grund zum Jubel? Oder ist Skepsis angesagt? Wie Ökonomen die Daten bewerten.

Ähnlich sieht es Nordea-Ökonom Holger Sandte: „Ganz so kräftig wird das Wachstum nicht bleiben, aber hoch genug, damit die Beschäftigung weiter steigt.“ Der milde Winter habe im ersten Quartal das Wachstum begünstigt, und womöglich hätten die Statistiker auch den Schalttag nicht ganz herausrechnen können.

Für das Gesamtjahr rechnet die Bundesregierung mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Das wäre genauso viel wie 2015. Im kommenden Jahr sollen es dann 1,5 Prozent sein.

Auch in der Euro-Zone legte die Wirtschaft im ersten Quartal unerwartet stark zu. Nach ersten Schätzungen der europäischen Statistikbehörde Eurostat stieg das BIP zwischen Januar und Februar im Vergleich zum vierten Quartal um 0,6 Prozent.

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