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02.08.2012

10:27 Uhr

Konjunkturentwicklung

Rentenbeitrag kann unter 19 Prozent sinken

VonPeter Thelen

Der Rentenbeitrag kann wegen der guten Konjunkturentwicklung im kommenden Jahr stärker sinken als bisher geplant. Richtig eng wird es erst in einigen Jahren, wenn die Babyboomer die Rentenversicherung nicht mehr stützen.

Der Rentenbeitrag kann ab 1. Januar 2013 auf 18,9 Prozent gesenkt werden. dpa

Der Rentenbeitrag kann ab 1. Januar 2013 auf 18,9 Prozent gesenkt werden.

BerlinDer Rentenbeitrag kann wegen der günstigen Konjunkturentwicklung im nächsten Jahr vermutlich noch stärker sinken als bislang geplant. Statt von 19,6 auf 19 Prozent sei eine Senkung auf 18,9 Prozent zum 1. Januar möglich, erfuhr das Handelsblatt aus Rentenversicherungskreisen.

Damit würde ausgerechnet im Bundestagswahljahr der Beitragssatz erstmals seit 1995 die Schwelle von 19 Prozent unterschreiten. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedeutete dies eine zusätzliche Entlastung von je 500 Millionen Euro. Insgesamt sinkt die Sozialabgabenlast zum 1. Januar auf diese Weise um etwas über sieben Milliarden Euro.

Grund für die Korrektur nach unten ist die positive Entwicklung bei den Beitragseinnahmen. Im Juni verbuchte die Rentenversicherung ein Plus bei den Pflichtbeiträgen gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf 14,92 Milliarden Euro.

Bereinigt um die Effekte der Beitragssatzsenkung von 19,9 auf 19,6 Prozent zum ersten Januar sind das 5,4 Prozent. Die Wirtschaftsinstitute erwarten bislang nur ein Plus von vier Prozent für das Gesamtjahr, die Bundesregierung drei bis vier Prozent.

Damit besteht die Chance, dass die Rücklagen zum Jahresende die zuletzt erwarteten 28,8 Milliarden Euro oder 1,7 Monatsausgaben noch übertreffen werden. Ab 1,5 Monatsausgaben muss der Beitrag zwingend gesenkt werde. In jedem Fall werden die Rücklagen im Dezember höher sein als je zuvor in der Geschichte der umlagefinanzierten Rentenversicherung. Ähnlich hoch waren sie mit umgerechnet 25 Milliarden Euro nur 1992.

Laut der Deutschen Rentenversicherung Bund sind die Hoffnungen auf eine stärkere Beitragssenkung verfrüht. Mit Blick auf 2013 sagte ein Sprecher auf dpa-Anfrage: „Der aktuelle Stand ist 19,0 Prozent.“ Er verwies dazu auf die letzte Expertenschätzung vom Juni.

Für die Bundesregierung ist diese positive Entwicklung ein Glücksfall. Denn sie hat in den vergangenen Jahren alles getan, um eine Senkung des Rentenbeitrags unmöglich zu machen. So griff sie seit 2005 mehrfach zugunsten der Rentner in die Rentenformel ein. Besonders spektakulär war die Aussetzung des den Rentenanstieg dämpfenden Riester-Faktors 2008 und 2009, um die Rentner am Aufschwung zu beteiligen.

Kommentare (22)

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popper

02.08.2012, 10:56 Uhr

Da versucht wieder ein Versicherungslobbyist die Leute für dumm zu verkaufen. Insoweit ist die Forderung falsch!!! Der Rentenbeitrag muss im Gegenteil angehoben werden, zumal die private kapitalgestützte Vorsorge kläglich gescheitert ist. Anstatt weiterhin Riester- und Rürupprente zu fördern, müssen diese abgeschafft und der Beitrag zur gesetzlichen Rente paritätisch um 4% erhöht werden. Das wäre zukunftssicher und effizient. Dass es ab 2020 für die Rentenkasse richtig eng wird, ist eine dieser völlig wirren Behauptungen, um die gesetzliche Rente mies zu machen. Durch Fakten zu belegen ist dieser hingeworfene Schlusssatz des Artikels nicht.

Account gelöscht!

02.08.2012, 11:07 Uhr

Läuft es schlecht, dann werden die Rentenbeiträge gekürzt, um die Unternehmen zu entlasten. Läuft es gut, dann werden die Rentenbeiträge auch gekürzt.

Skandal ist noch untertrieben: Merkt das Volk denn gar nicht, was da mit ihm getrieben wird, wohin es geführt wird?

Dipl.-Kfm. Winfried Sobottka

http://www.freitag.de/autoren/dipl.-kfm.-winfried-sobottka/die-wahren-hintergruende-der-euro-krise

roterkaufmann

02.08.2012, 11:08 Uhr

ab 2020 soll es eng werden mit der rentenkasse.

hallo lieber versicherungsvertreter,
schon mal was von produktivitätszuwachs gehört und sollen wir unsere rente denn am kapitalmarkt ansparen? am besten in form von griechenland-anleihen, solarfirmen-aktien und privat-equity-firmen, die dann unsere eigenen firmen aufkaufen und unsere arbeitsplätze zerschlagen? oder sollen wir jeden cent in unser eigenes haus stecken, welches dann im rentenalter so gut aussieht wie wir selbst und auch renoviert werden muss und wir zwar keine miete zahlen, dafür aber nichts zu essen haben und schön brav aus dem fenster schauen?
die staatliche rente ist sicherlich nicht der einzige weg für eine vernünftige vorsorge. für die meisten abhängig beschäftigten aber die hauptsäule und für ebenso viele die einzig finanzierbare. schon mal ausgerechnet, wieviel man im monat in eine rv oder klv einzahlen müßte, um im rentenalter 65% seines derzeitigen netto ausbezahlt zu bekommen. bei den derzeitigen renditen und inflationsbedrohungen? die private altersvorsorge ist durch und vom markt selbst widerlegt worden.
rentenversicherungen und lebensversicherungen verkaufe ich nur noch, wenn mir der kunde sonst schläge androht.

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