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11.04.2012

08:15 Uhr

Konkurrenz durch Piraten

Grünen-Nachwuchs verlangt provokantere Themen

Die Grünen sinken in den Umfragen, sie drohen von den Piraten als neue Protestpartei abgelöst zu werden. Der Parteinachwuchs schlägt Alarm - und will die Grünen mit provokanten Themen vor der Bedeutungslosigkeit retten.

Bundesvorsitzender Cem Özdemir. dpa

Bundesvorsitzender Cem Özdemir.

BerlinAngesichts des Höhenflugs der Piratenpartei in den Umfragen verlangt der Nachwuchs der Grünen eine stärkere inhaltliche Ausrichtung der Partei. „Die Grünen müssen sich mehr auf inhaltliche Themen konzentrieren als darauf, mit wem sie wann eine Regierungskoalition eingehen könnten“, sagte die Sprecherin der Nachwuchsorganisation, Sina Doughan, der „Financial Times Deutschland“. Es müssten „mutiger Themen besetzt werden, mit denen nicht immer alle zufrieden sind und mit denen man aneckt“. Dazu gehöre auch die Forderung nach Legalisierung von Drogen und mehr Rechten für Asylbewerber.

Doughan hält die Aufmerksamkeit, die die Piraten derzeit erhalten, inhaltlich für wenig gerechtfertigt. Attraktiv seien sie besonders für politikverdrossene Nichtwähler, weil sie eine „coole Kampagne“ führten und weil die Stimmung für sie spreche.

Nach einer repräsentativen Umfrage des INSA-Meinungstrends für die „Bild“-Zeitung (Mittwoch) käme die Piratenpartei derzeit bei einer Bundestagswahl auf neun Prozent der Stimmen. Das ist ein Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche. Die Linkspartei legte ebenfalls um einen Punkt auf sieben Prozent zu. Union, SPD und Grüne gaben jeweils einen Punkt ab und kamen auf 35 (Union), 28 (SPD) und 13 Prozent (Grüne). Die FDP blieb mit vier Prozent weiter unter der Fünf-Prozent-Hürde.

Nach dem am Dienstag veröffentlichten „Wahltrend“ von „Stern“ und RTL liegt die Piratenpartei derzeit mit 13 Prozent sogar um zwei Punkte vor den Grünen, die elf Prozent erreichten.

Der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, reagierte in „Handelsblatt Online“ gelassen auf diese Zahlen. Die Piraten würden vor allem von Nichtwählern, FDP, Linken und SPD Stimmen holen. „Daher muss uns als Grüne das erst einmal nicht beunruhigen.“ Allerdings müssten die Grünen zwei Aspekte ernst nehmen: „Mit einem Einzug der Piraten in Parlamente werden große Koalitionen wahrscheinlicher“, sagte Beck. Zum anderen hätten die Grünen bisher im Parteienspektrum allein für programmatische Innovation gestanden, „wir galten als kulturell unangepasst und etwas frecher“. Sie müssten nun zeigen, dass Lebendigkeit und Konzeptpartei kein Widerspruch sei.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Sven

11.04.2012, 09:06 Uhr

Volker Beck hat recht, ich halte tatsächlich die Grünen für extrem angepasst und brav - total politisch korrekt eben.

Politkerverdrossen

11.04.2012, 10:19 Uhr

Wir Bürger sind nicht politikverdrossen, wir sind POLITIKERverdrossen!
Die Damen und Herren Politker der sogen. etablierten Parteien, einschließlich der GRÜNEN, sind nach Wahlabenden immer ein wenig erschrocken über die vielen Nichtwähler und schelten das Volk dann auch ob seiner Wahlmüdigkeit.
Wenn es dann aber diesen Nichtwählern und anderen an unseren Politikern verzweifelnden einfällt, alternativ die PIRATEN zu wählen, reagieren sie wie Eltern, die hilflos den pupertären Kindern gegenübertreten.
Die TV-Auftritte von Kurt Beck und Bärbel Höhn waren dafür bezeichnend!

Account gelöscht!

11.04.2012, 11:19 Uhr

Habe gerade gelesen, dass die Piraten die direkte Demokratie einführen wollen in Deutschland. Hört sich sehr gut an !!
Da können die jungen Grünen ja provokativ sein und helfen den Koran auf deutsch zu verteilen, damit ist die grüne Parteiführung ganz bestimmt einverstanden.

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