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24.06.2011

13:16 Uhr

Konkurrenz für Ratingagenturen

Kampfansage aus Hessen für Moody's & Co

In die Debatte um die Macht der großen Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's kommt Bewegung. Die Gründung einer europäischen Ratingagentur nimmt erste Konturen an – mit einem Vorstoß aus Hessen.

Das Archivbild vom 19.02.2003 zeigt die Frankfurter Skyline mit den Banken. Quelle: dpa

Das Archivbild vom 19.02.2003 zeigt die Frankfurter Skyline mit den Banken.

Frankfurt/DüsseldorfDie Initiative des Beratungsunternehmens Roland Berger zur Gründung einer europäischen Ratingagentur findet Zuspruch im Deutschen Bundestag. "Wenn der Wettbewerb im Ratingmarkt durch Gründung einer neuen, leistungsfähigen Ratingagentur gestärkt wird, haben die Gründer unsere politische Unterstützung", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), Handelsblatt Online. "Eine Beteiligung des Bundes oder der EU sehe ich allerdings nicht. Das birgt nur Interessenkonflikte.“

Nach der anhaltenden massiven Kritik an den US-amerikanisch dominierten Ratingagenturen hatte sich der Finanzplatz Frankfurt als Alternative ins Spiel gebracht. Wie das Beratungsunternehmen Roland Berger am Freitag mitteilte, gebe es Sondierungsgespräche mit Vertretern der hessischen Landesregierung, von Frankfurt Main Finance e.V. und der Deutschen Börse. Ziel sei, „eine europäische Ratingagentur in Frankfurt am Main zu gründen, zu etablieren und zu entwickeln“. An der Initiative sollten sich Unternehmen und Institutionen aus ganz Europa beteiligen.

Seit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise stehen die drei Ratingagenturen Fitch, Moody's und Standard & Poor's immer wieder in der Kritik. Damals hatten sie Finanzprodukten beste Noten gegeben, die sich später als Auslöser der massiven Turbulenzen an den Finanzmärkten herausstellten. Zuletzt wurde ihnen vorgeworfen, die Bonität kriselnder Euro-Länder wie Griechenland trotz milliardenschwerer Hilfspakete auf Ramschstatus abgewertet und damit die Krise weiter verschärft zu haben.

Die neue europäische Wertpapieraufsicht ESMA nimmt eine harte Haltung gegenüber den drei mächtigen US-Ratingagenturen ein. Ihre Zulassung in den USA bedeute nicht, dass sie künftig auch in Europa automatisch weiterarbeiten könnten, sagte ESMA-Chef Steven Maijoor der „Financial Times Deutschland“. Ab Juli wird die Behörde alleiniger Aufseher über Ratingagenturen und übernimmt damit Funktionen, die bisher auf nationaler Ebene angesiedelt waren.

Der Obmann der CDU/CSU-Fraktion im Bundestagsfinanzausschuss und Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union (MU), Hans Michelbach, unterstützt die Haltung der ESMA und plädiert für eine härtere Gangart gegenüber den drei mächtigen Agenturen. Das bisherige Verhalten der drei Agenturen gegenüber der europäischen Wertpapieraufsicht sei nicht akzeptabel. Sie müssten, wie andere Mitbewerber auch, ausführliche Unterlagen einreichen und sich der europäischen Zulassung stellen. „Dass in den USA die Auflagen für Ratingagenturen noch nicht genau geregelt sind, kann nicht als Entschuldigung herhalten“, sagte Michelbach Handelsblatt Online. „Den großen Drei muss klar sein: Wenn sie die Bedingungen für eine Zulassung in der EU nicht rechtzeitig erfüllen, sind sie aus dem Spiel.“ Die Debatte zeige auch, wie wichtig zusätzliche „potente europäische Konkurrenz“ in diesem Bereich ist.

Kommentare (7)

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Fat_Bob_ger

24.06.2011, 13:53 Uhr

1. Na ja, wenn dann die EU Ratingagenturen mit den gleichen Kriterien, wie die US Agenturen die Kreditwürdigkeit prüfen, dürfte kein wesentlich anderes Ergebnis herauskommen.
2. Wenn sie ein politisch motiviertes Alibi für schlechte Geldwirtschaft liefern oder sehr weich urteilen, wird niemand ihr Rating beachten.
3. Wenn man die USA und Griechenland vergleicht stellt man fest:
a) USA hat eine nennenswerte Industrie, G nur Tourismus, Olivenöl, Reedereien
b) USA kann selbst Geld herstellen, G darf dies nicht (EZB)
c) USA = noch Weltmacht, G = Fliegenschiss auf der Landkarte
>>> USA ist der bessere Schuldner (noch)

Vergleich USA - EU
a) USA = Staat, EU = loser Staatenverbund
b) USA hat einheitl. internat. Interessen, EU = zerstritten
c) USA bündelt Wirtschaftsmacht, EU zersplittert ihre Macht durch Interessenkonflikte
d) USA hat einheitliche Ausßenpolitik, EU nicht

Folge: USA hat international ein hohes Gewicht, EU nicht.

Ratingagenturen werden immer Akzeptanzprobleme haben:
Sind die Ratings zu gut, haben sie Fehler gemacht
Sind die Ratings schlecht, beschweren sich die schlecht gerateten über ungerechte Bewertung
Ändern sie ihre Ratings schnell, heißt es: Kein Verlass auf Ratings, sind sie abwartend, heißt es, sie sind hinter die Entwicklung zurückgefallen....
Eine Ratingagentur steht immer zwischen allen Stühlen
Gläubiger - Schuldner, polit. Interessen - sachl. Richtigkeitl
Wer vor zwei Jahren Griechenland besucht hat, wundert sich, dass die nicht schon damals ein D bekommen haben!

digger

24.06.2011, 14:04 Uhr

falls diese würstchen jetzt auch noch frech werden wollen,werden sie schnell verspeist.

poldi

24.06.2011, 14:32 Uhr

Die Gründung einer europäischen Rating-Agentur wurde in Gesprächen mit der Bundesbank schon Mitte
der neunziger Jahre vorgeschlagen und keiner hat reagiert.
Die Diskussion kommt leider viel zu spät.
Falls da eine neue europäische Rating-Agentur kommen sollte
wird das eh nur eine Kopie der bestehenden Institute werden.
Die Chance ist leider vertan. Die Zentralbanker und Aufseher
sollten in Zukunft deutlich mehr auf die Marktteilnehmer hören.

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