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26.06.2013

10:03 Uhr

Konsumklimaindex

Kauflaune der Deutschen auf Allzeithoch

Sparen ist in Deutschland so unbeliebt wie lange nicht mehr. Zudem werden die Aussichten auf höhere Löhne immer besser. Auch die Flutkatastrophe kann den Anstieg bei der Konsumlaune nicht stoppen.

Die Kundenströme reißen nicht ab: Der Konsumklimaindex steigt. Sparen bleibt weiter unattraktiv. dpa

Die Kundenströme reißen nicht ab: Der Konsumklimaindex steigt. Sparen bleibt weiter unattraktiv.

NürnbergDie Aussicht auf kräftig steigende Gehälter bringt die Kauflaune der deutschen Verbraucher auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren. Der stabile Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik und die guten Tarifabschlüsse der letzten Zeit stimmten die Bürger optimistisch, erklärte die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch. Das GfK-Konsumbarometer für Juli kletterte um 0,3 auf 6,8 Punkte, teilte das Marktforschungsunternehmen zu seiner Umfrage unter 2000 Verbrauchern mit.

„Die Gründe für diesen Optimismus liegen auf der Hand“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Während viele Euro-Länder bei der Arbeitslosigkeit ständig neue Höchststände vermelden müssen, sind in der Bundesrepublik als einzigem Land in Europa deutlich weniger Menschen ohne Beschäftigung als vor der Krise 2007.“ Das wiederum nähre die Hoffnung auf steigende Einkommen. „Darüber hinaus ist die Inflation aktuell sehr moderat - ein positives Zeichen für die Entwicklung der Kaufkraft“, sagte Bürkl. Aus diesem Grund seien die Einkommenserwartungen der Verbraucher den dritten Monat in Folge gestiegen.

Die Konsumenten beurteilen auch die Konjunkturaussichten besser. Dieses Barometer liegt mit 1,1 Zählern wieder über dem langjährigen Durchschnitt von null Punkten. Auch in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft wächst der Optimismus: Das Ifo-Geschäftsklima hellte sich im Juni bereits den zweiten Monat in Folge auf.

Die größten Inflationsrisiken für Deutschland

Lohn-Preis-Spirale

Wegen der guten Konjunktur haben die Gewerkschaften kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt: Die Chemie-Beschäftigten bekommen 4,5 Prozent, die Metaller 4,3 Prozent mehr Geld, mit einer Laufzeit von rund einem Jahr. Die Beschäftigten bei Bund und Kommunen handelten ein Plus von 6,3 Prozent für zwei Jahre aus. Unternehmen und Staat werden versuchen, die höheren Personalkosten aufzufangen, indem sie ihre Preise beziehungsweise Gebühren und Abgaben anheben. Verteuert sich die Lebenshaltung dadurch merklich, werden die Gewerkschaften in der nächsten Lohnrunde einen Ausgleich verlangen. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln.

Lockere EZB-Geldpolitik

Bei ersten Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale müsste die EZB ihre Zinsen anheben. Mit teurerem Geld kann sie Konsum und Investitionen drosseln, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die schwere Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird die Zentralbank ihren Leitzins aber wohl noch längere Zeit auf dem Rekordtief von einem Prozent lassen - oder sogar weiter senken. Die extrem niedrigen Zinsen aber können den Konsum im prosperierenden Deutschland weiter befeuern und die Preise anheizen.

Schwacher Euro

Wegen der eskalierenden Schuldenkrise steht der Euro unter Abwertungsdruck. Mit rund 1,25 Dollar ist er so billig wie seit Sommer 2010 nicht mehr. Das Problem: Deutschland als rohstoffarmes Land muss Öl, Metalle und andere Materialien im Ausland kaufen. Auf dem Weltmärkten werden die Rohstoffe überwiegend in Dollar abgerechnet. Ein schwächerer Euro macht damit deutsche Importe teurer.

Enorme Liquidität

Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der Europäischen Zentralbank aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. Allein Ende 2011 und Anfang 2012 hat sie mehr als eine Billion Euro zum Zins von aktuell einem Prozent für drei Jahre in den Finanzsektor gepumpt. Zieht die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal an, kann das viele Geld schnell in Inflation münden.

Die Bereitschaft für größere Anschaffungen ließ dagegen nach, bleibt aber auf einem sehr hohen Niveau. „Die Verbraucher halten es derzeit überhaupt nicht für attraktiv, Geld auf die hohe Kante zu legen, weil die Zinsen historisch niedrig sind“, sagt Bürkl. „Die Bürger sind eher bereit, auch längerfristig und in größerem Umfang Anschaffungen zu tätigen.“ Das zeigt sich beispielsweise im Immobilienbereich, zumal Baufinanzierungen zu günstigen Konditionen angeboten würden. Der stabile Arbeitsmarkt schaffe zudem die notwendige Planungssicherheit.

Das Jahrhundert-Hochwasser in Teilen Deutschlands tat der guten Verbraucherlaune keinen Abbruch. „Ein Grund dafür ist, dass das ganze Ausmaß der Zerstörungen zum Zeitpunkt unserer Umfrage noch nicht feststand“, sagte Bürkl. Die Erfahrung der Flut von 2002 lehre zudem, dass die Betroffenen Geld in die Hand nehmen werden, um beispielsweise zerstörte Möbel zu ersetzen. „Das könnte den Konsum ankurbeln“, sagte Bürkl.

Kommentare (11)

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26.06.2013, 10:20 Uhr

...wann hört dieser Unsinn endlich mal auf ! ZEW vs. Einzelhandelstatistik seit Jahren diametral.

Account gelöscht!

26.06.2013, 10:28 Uhr

Solche Statistiken werden wir vermutlich bis zur Wahl verstärkt über uns ergehen lassen müssen. Aber auch danach wird es wohl kaum aufhören.

Ich bin es eigentlich langsam müde, solchen Propaganda-Unsinn weiterhin zu kommentieren. Wers bisher noch nicht gemerkt hat, solls halt weiterhin glauben. Ein Hoch auf die freie westliche "Informations"-Gesellschaft!

Account gelöscht!

26.06.2013, 10:36 Uhr

...aber wie tief kann dann der "Qualitätsjournalimus" noch sinken, solche Meldungen unkommentiert zu veröffentlichen ?

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