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22.09.2012

17:29 Uhr

Kooperation in der Krise

Merkel und Hollande nehmen Kurs auf Politische Union

VonThomas Hanke

Frankreich und Deutschland können wieder miteinander. Angela Merkel und Francois Hollande näherten sich in Ludwigsburg einander an, besprachen die wichtigsten gemeinsamen Themen – und schwiegen sich über Details aus.

Kanzlerin Angela Merkel (links) und der französische Präsident François Hollande am Schloss in Ludwigsburg. dapd

Kanzlerin Angela Merkel (links) und der französische Präsident François Hollande am Schloss in Ludwigsburg.

LudwigsburgFrankreichs Staatspräsident Francois Hollande ließ die Sonne aufgehen: Exakt bei seinem Eintreffen im Ludwigsburger Schloss verzogen sich die Regenwolken und es begann strahlender Sonnenschein. Auch politisch brachte Hollande gutes Wetter mit zu seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. So deutlich wie bislang noch nie forderte er Deutsche und Franzosen dazu auf, Europa stärker zu vereinen.  „Nichts wäre schlimmer als der Status Quo, Stillstand bedeutet Rückfall.“

Entscheidungen in den strittigen Sachfragen der Bankenunion und der Fusion von EADS und BAE Systems fielen nach Aussage der Kanzlerin heute noch nicht.

Angela Merkel  ließ Hollande politisch den Vortritt: Sie ging in ihrer Rede nur in allgemeiner Form auf die Notwendigkeit ein, „den Euroraum zu stärken“ und sich von „de Gaulles Zukunftsfreude“ anstecken zu lassen. Nach ihrer Rede gab es ein optisches Zeichen des besseren Verhältnisses zwischen ihr und Hollande. Der Präsident dankte ihr für ihre Worte und gab der Kanzlerin zwei Küsse. Bei seiner eigenen Ansprache redete er die Kanzlerin erstmals als „Angela“ an - Petitessen im Vergleich zu dem politischen Programm, das die beiden vorhaben, aber dennoch untrügliche Zeichen dafür, dass die anfängliche Spannung in ihrem Verhältnis vorbei ist.

Hollande rief in seiner Ansprache zur Schaffung einer Politischen Union in Europa auf. Es sei dringend nötig, „die Eurozone zu stärken, eine neue Governance für sie zu schaffen, die Voraussetzungen für mehr Wachstum und für die Kontrolle der Finanzmärkte herzustellen.“ Deutlicher als bislang zeigte der Staatspräsident damit, dass er zu Schritten für eine stärkere Integration bereit ist. „Wir müssen die anderen mitziehen“, rief der Präsident im Ludwigsburger Schloss. „Haben wir noch wie de Gaulle die Kühnheit, das tu überwinden, was uns trennt?“ Europa dürfe nicht an sich selber zweifeln und zögern, sich stärker zu vereinen.

Im deutsch-französischen Verhältnis rief Hollande ebenfalls zu Fortschritten auf: „Stellen wir die Energiegemeinschaft her, arbeiten wir gemeinsam an erneuerbaren Energien, tun wir mehr für die Forschung, setzen wir uns gegen den Klimawandel ein, entwickeln wir die Informationstechnologien.“

Vor 50 Jahren hielt Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle in Ludwigsburg eine Rede, mit der er die deutsche Jugend begeisterte: Er sprach sie als „Kinder eines großen Volkes“ an, das im Lauf seiner Geschichte „furchtbare Fehler begangen“ habe, aber auch der Welt „fruchtbare geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen“ beschert habe.

Kommentare (53)

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MikeM

22.09.2012, 15:34 Uhr

Mir wird schlecht! Jeder Vertiefung der "Zusammenarbeit" mit [...] Frankreich ist abzulehnen!
+++Beitrag von der Redaktion editiert+++

woslanggeht

22.09.2012, 15:48 Uhr

Bravo! Da Merkel die Sozialisten links überholte, fällt es dem Hollande nicht schwer Gas zu geben, da nun der ESM etabliert ist und der dt. Zahlmeister (bisher 50%), freiwillig, die Souveraenität aufgab. Der EZB wird für die gerechte Verteilung sorgen, an die, die da mitgezogen werden müssen (in Endlossschleife) , natürlich, beiläufig auch La Grande Nation. Ein Schelm, der da Böses denkt. Willkommen in der neusozialistischen EUdSSR. Als reine Demokratie wird wohl nur, gemäß Schröder, Putins Russland übrigbleiben. Es lebe die sozialistische Allmacht und Subventionitis! Der Hochmut/Wahnsinn kommt vor dem Sturz.

Matthes

22.09.2012, 15:56 Uhr

Ziehen? Ja! Nur ziehen die beiden in unterschiedliche Richtungen. Der Weg Hollandes ist kein guter Weg für Deutschland. Und Europa vertritt auch keine Ziele mehr, die für Deutschland interessant wären. Brüssel hat sich überholt und fördert nur noch eine Transfer- und Schuldenunion. Deutschland sollte eigene Wege gehen!

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