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15.10.2014

20:33 Uhr

Kooperations-Verbot

Mehdorn wittert „Komplott“ gegen Air Berlin

Das Verbot gemeinsamer Fluglinien von Air Berlin und Etihad hat zu einer Protestwelle geführt. Flughafen-Chef Mehdorn wittert ein „Komplott“. Verkehrsminister Dobrindt will die Nachteile für die Airline abmildern.

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn vermutet hinter dem Beschluss ein Komplott der Lufthansa und des Frankfurter Flughafens gegen Berlin. dpa

Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn vermutet hinter dem Beschluss ein Komplott der Lufthansa und des Frankfurter Flughafens gegen Berlin.

BerlinIn Berlin regt sich massive Kritik aus Politik und lokaler Wirtschaft an dem jüngsten Beschluss des Luftfahrt Bundesamtes, Etihad Airways und Air Berlin Code-Share-Abkommen auf 34 Flügen zu untersagen.

Er vermute dahinter ein „Komplott der Lufthansa und des Frankfurter Flughafens gegen Berlin“, sagte Hartmut Mehdorn, Chef der Berliner Flughäfen und ehemaliger Chef der Fluggesellschaft Air Berlin, dem Tagesspiegel (Donnerstagsausgabe).

Derweil will Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die durch das Verbot entstehenden Nachteile für Air Berlin abmildern. Dazu sei am 20. Oktober ein Gespräch mit Vertretern der Vereinigten Arabischen Emirate geplant, sagte Dobrindt am Mittwoch in Berlin.

Der CSU-Politiker verwies darauf, dass bereits Tickets für die Flüge verkauft worden seien. Nähere Angaben zu einer Abfederung von Härten machte er nicht.

Air Berlin – schneller Aufstieg, jahrelange Turbulenzen

Die Anfänge

Vor 37 Jahren hob der erste Air-Berlin-Flieger ab. Alles begann mit alliierten Sonderrechten zur Landung im geteilten Berlin. Gegründet wurde Air Berlin als Chartergesellschaft durch den Ex-Pan-Am-Pilot Kim Lundgren. Der Erstflug ging am 28. April 1979 von Tegel nach Mallorca. Die Flotte umfasste zunächst zwei Maschinen. Nach der Wende wuchs Air Berlin zur Nummer Zwei am Himmel über Deutschland heran, doch inzwischen steckt die Fluglinie seit Jahren in der Krise.

1990er-Jahre

1991: Im April kauft der LTU-Manager Joachim Hunold die Mehrheit der Anteile. Es gibt kurz darauf 15 Flüge pro Tag. Air Berlin expandiert und stationiert zunehmend auch Flugzeuge auf Regionalflughäfen.

1998: Mit dem Mallorca Shuttle Einstieg ins Linienfluggeschäft.

2004-2007

2004: Einstieg bei der Fluggesellschaft Niki des früheren Rennfahrers Niki Lauda

2006: Börsengang und Kauf der Fluggesellschaft dba

2007: Kauf des Ferienfliegers LTU, damit auch Interkontinentalflüge

2008

2008: Air Berlin rutscht in die roten Zahlen, legt das erste Sparprogramm auf: Strecken fallen weg, Flugzeuge werden ausgemustert. Die Übernahme des Ferienfliegers Condor scheitert.

2010

Air Berlin kündigt für 2012 den Eintritt in das Luftfahrtbündnis Oneworld an.

2011

Hunold wirft das Handtuch, Hartmut Mehdorn übernimmt. Ein weiteres Sparprogramm soll das operative Ergebnis um 200 Millionen Euro verbessern. 18 der 170 Maschinen werden verkauft.

2012

Die arabische Staatsairline Etihad erhöht ihren Anteil von knapp 3 auf 29,2 Prozent und stützt die Airline mit einem 255-Millionen-Dollar-Kredit. Ein neues Sparprogramm beginnt. Der Verkauf des Vielfliegerprogramms an Großaktionär Etihad bringt nur vorübergehend wieder schwarze Zahlen.

2013

Wolfgang Prock-Schauer wird Vorstandschef und verschärft das von Mehdorn im Vorjahr aufgelegte neue Sparprogramm. Jeder zehnte Arbeitsplatz fällt weg, die Flotte schrumpft auf 142 Maschinen. 400 Millionen Euro sollen bis Ende 2014 eingespart werden.

2015

Im Februar löst Stefan Pichler den glücklosen Prock-Schauer ab. Air Berlin macht 447 Millionen Euro Verlust - so viel wie nie.

2016

Nach einem juristischen Tauziehen kann Air Berlin den größten Teil der wichtigen Gemeinschaftsflüge mit Etihad weiter anbieten. Die Zahlen bessern sich nicht. Gespräche mit Lufthansa über einen Verkauf von Geschäftsteilen beginnen. Mit einem tiefgreifenden Umbau und der Streichung von bis zu 1200 Arbeitsplätzen will Air Berlin seine Krise überwinden.

2017

Air Berlin bekommt einen neuen Chef. Der Lufthansa-Manager und früheren Germanwings-Chef Thomas Winkelmann wird Vorstandschef. Air Berlin führt ihren Flugbetrieb in zwei getrennten Geschäftsfeldern weiter: Langstreckenflüge und Städteverbindungen in Europa werden zusammengefasst, Urlaubsflüge unter der Marke Niki geführt. Lufthansa erklärt sich bereit, Air Berlin zu übernehmen, wenn der Großaktionär Etihad zuvor die Schulden übernähme.

15. August 2017

Air Berlin meldet Insolvenz an. Zuvor hatte Etihad seine finanzielle Unterstützung eingestellt. Ein 150-Millionen-Euro-Kredit des Bundes soll den Flugbetrieb zunächst sichern.

Bisher seien Code-Share-Verbindungen von Air Berlin genehmigt worden, die auf Grundlage der Vereinbarungen mit den Emiraten nicht hätten genehmigt werden dürfen, erläuterte der Minister. Deshalb habe es jetzt keine Verlängerung gegeben. Aufmerksam geworden sei das Bundesamt darauf durch einen Hinweis der EU-Kommission, der sich aber auf ein anderes Unternehmen bezogen habe.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Theo Gantenbein

16.10.2014, 08:21 Uhr

Na klar. Dahinter steckt die LH.
Aber anstatt ihre eigenen Luxus-Piloten in den Griff zu bekommen und endlich vernünftigen Service zu bieten macht die LH lieber der Konkurrenz das Leben schwer.

Noch ein Grund, warum ich aus Prinzip nach Asien lieber Emirates und Etihad fliege...

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